Hufrehe vorbeugen beim Pferd
Risikofaktoren kennen, früh handeln – über 26 Jahre Praxiserfahrung
Alle Hufrehe-Themen im Überblick
- Hufrehe lässt sich nicht immer verhindern – aber das Risiko lässt sich gezielt senken. Gute Prophylaxe beginnt mit dem individuellen Pferd, nicht mit einer Checkliste.
- Rasse, Hufsituation, Fütterung, Bewegung, Weidemanagement und Stressbelastung wirken zusammen – wer nur einen Faktor adressiert, wird bei Risikopferden immer wieder Schübe erleben.
- Früherkennung ist Teil der Prophylaxe: Wer die leisen Frühzeichen kennt und ernst nimmt, verhindert oft das Vollbild.
- Viele Schübe haben einen ungelösten Hintergrund – Hufsituation, EMS/PPID, Leberbelastung oder chronischer Stress. Dort anzusetzen ist wirksamer als strengere Diät.
Hufrehe vorbeugen – warum eine Checkliste nicht reicht
Hufrehe vorbeugen ist kein Regelwerk, das für alle Pferde gleich gilt. Es ist ein wachsendes Hinschauen im Alltag – auf Fütterung, Hufpflege, Bewegung, Weidemanagement und systemische Zusammenhänge, die oft übersehen werden.
Was uns im Tierheilkundezentrum Nehls nach über 26 Jahren täglicher Praxisarbeit beschäftigt: Viele Hufrehe-Schübe hätten verhindert werden können – nicht durch strengere Diät, sondern durch frühere Aufmerksamkeit. Wir sehen regelmäßig Pferde, deren Besitzer alles richtig machen – kein Kraftfutter, analysiertes Heu, täglich Bewegung, fachgerechte Hufpflege – und die trotzdem immer wieder Schübe erleben. Nicht weil die Maßnahmen falsch waren, sondern weil sie zu allgemein waren.
Gute Prophylaxe beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Welches Pferd ist das? Welche Rasse, welcher Stoffwechseltyp, welche Geschichte, welche Hufsituation, welche Haltungsbedingungen? Erst dann ergibt sich, welche Maßnahmen für dieses Pferd tatsächlich wichtig sind.
Risikofaktoren kennen – das eigene Pferd einschätzen
Rasse und genetische Veranlagung
Isländer, Haflinger, Tinker, Shetlandponys, Fjordpferde, Welsh Ponys, Connemara und andere Robustpferderassen sind genetisch auf karge, strukturreiche Kost ausgelegt. In der heutigen Haltung, auf überdüngten Weiden mit energiereichem Gras oder mit zu viel Kraftfutter, gerät ihr Stoffwechsel regelmäßig aus dem Gleichgewicht. Für diese Rassen ist konsequentes Weide- und Fütterungsmanagement keine Option, sondern Notwendigkeit. Das bedeutet nicht, dass Warmblüter sicher sind – aber das Risikoprofil ist ein anderes.
EMS und PPID als stille Risikofaktoren
Viele Pferde entwickeln Hufrehe nicht durch einen einmaligen Fütterungsfehler, sondern durch eine schleichende hormonelle Dysregulation. EMS (Insulinresistenz mit typischen Fettdepots) und PPID (Cushing, vor allem bei älteren Pferden) sind die häufigsten Hintergrundfaktoren für wiederkehrende Hufrehe-Schübe. Das Tückische: Diese Erkrankungen entwickeln sich über Monate oder Jahre, bevor sie auffallen. Ein dicker Mähnenkamm, Fettpolster über den Augen, langsamer Fellwechsel, wiederkehrende leichte Fühligkeit – das sind frühe Hinweise, die Konsequenzen haben sollten.
→ Mehr zu EMS: Symptome, Diagnose und Management
→ Mehr zu Cushing: was wirklich dahintersteckt
Übergewicht als eigenständiger Risikofaktor
Ein übergewichtiges Pferd mit Cresty Neck hat ein deutlich erhöhtes Hufrehe-Risiko – unabhängig davon, ob EMS diagnostiziert wurde. Das Fettgewebe selbst produziert entzündungsfördernde Botenstoffe. Gewichtskontrolle ist deshalb eine der wichtigsten prophylaktischen Maßnahmen – aber nicht durch Radikaldiät (Hyperlipämie-Risiko!), sondern durch angepasste Fütterung und tägliche Bewegung.
Die Hufsituation als unterschätzter Faktor
Eine zu lange Zehe, ungleiche Trachten, fehlender tragfähiger Tragrand – all das setzt den Hufbeinträger dauerhaft unter mechanischen Stress. Dieser Dauerdruck schwächt die Lamellenverbindung und macht das Pferd anfälliger für Entzündung. Oft kommt der Schub nach einer Futterumstellung oder einem Weidewechsel – weil das Fass durch die bereits bestehende Belastung schon fast voll war. Prophylaxe heißt deshalb auch: regelmäßig und kritisch auf die Hufsituation schauen.
Fütterung zur Vorbeugung – die wichtigsten Stellschrauben
Heuqualität als Grundlage
Heu aus überdüngten Hochleistungswiesen enthält deutlich mehr Fruktan und Gesamtzucker als extensiv gewonnenes Wiesenheu. Für Risikopferde ist eine LUFA-Heuanalyse keine Luxus-, sondern eine Vorsorgemaßnahme. Zielwert: NSC (Zucker + Stärke + Fruktan) unter 10% in der Trockenmasse.
Keine langen Fresspausen
Das Pferd ist ein Dauerfresser. Lange Futterpausen erhöhen Stress, fördern Magengeschwüre und können Stoffwechselentgleisungen begünstigen. Heunetze mit engerer Maschenweite sind bei Risikopferden eine der wirksamsten Prophylaxe-Maßnahmen: Sie verlangsamen die Futteraufnahme, ohne die Menge zu erhöhen.
Kein Kraftfutter ohne Bedarf
Die meisten Freizeitpferde decken ihren Energiebedarf vollständig mit gutem Heu. Kraftfutter – besonders Getreide mit hohem Stärkegehalt – ist bei Risikopferden prophylaktisch zu meiden oder auf ein Minimum zu reduzieren.
Mineralstoffversorgung sichern
Gerade bei Diätpferden steigt die Gefahr von Nährstoffmängeln. Zink, Biotin, Methionin, Kupfer und B-Vitamine sind für die Hufhornqualität und die Lamellenstabilität wichtig. Ein hochwertiges Mineralfutter ohne Melasse und Zucker ist Voraussetzung für gesunde Hufe – auch prophylaktisch.
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→ Nehls Hufkräuter Spezial ansehenWeidemanagement zur Hufrehe-Vorbeugung
Weide ist für die meisten Pferde wichtig – für ihr Wohlbefinden, ihre Bewegung, ihren sozialen Austausch. Kluges Weidemanagement macht Weide sicher, ersetzt aber nicht den Weideentzug als Alleinmaßnahme.
Risikophasen kennen
Fruktan sammelt sich besonders an in:
- Frühjahr (Mai) und Herbst (Oktober/November): höchste Fruktanwerte des Jahres
- Sonnige Tage nach kühlen Nächten: Pflanze produziert Energie, kann sie wegen Kälte nicht verbrauchen
- Abgefressenen, kurzstehenden Weiden: gestresstes Gras speichert mehr Fruktan im Stängel
- Frisch geschnittenen oder abgemähten Flächen: besonders hohe Stängelanteile
Günstiger Weideeinstieg
Langsames Anweiden ist kein Sonderfall für besonders empfindliche Pferde – es ist ein Grundprinzip für alle Pferde. Mindestens zwei Wochen Übergang, beginnend mit wenigen Minuten täglich. Pferde niemals hungrig auf die Weide lassen. Für EMS- oder PPID-Pferde: Ende Juni/Juli ist für den Weideeinstieg günstiger als das Frühjahr.
→ Anweiden: Risiken im Frühjahr und wie der Weidestart gelingt
→ Winterrehe: die unterschätzte Rehezeit
Hufpflege als Prophylaxe – nicht nur ein Handwerk
Regelmäßige Hufpflege ist eine der wirksamsten und am häufigsten unterschätzten Prophylaxe-Maßnahmen. Nicht wegen der Optik – sondern weil eine gut bearbeitete Hufsituation den Hufbeinträger entlastet.
- Kurze Intervalle statt lange Abstände: Alle 4–5 Wochen ist besser als alle 8 Wochen mit stärkerem Eingriff.
- Individuell statt schematisch: Der Hufpfleger sollte das Gangbild des Pferdes kennen – nicht an einem geometrischen Ideal korrigieren.
- Keine Radikalschnitte: Zu massive Eingriffe lösen nicht selten einen Reheschub aus. Ein Pferd, das nach dem Schmiedetermin schlechter läuft, ist ein Warnsignal.
- Tägliche Hufkontrolle: Hufe täglich auskratzen. So werden Wärmezeichen oder Veränderungen in der Hornkonsistenz früh bemerkt.
Wer die Pulsation an den Zehenarterien und die Hufwärme seines Pferdes aus dem Normalzustand kennt, erkennt die Abweichung früh. Das Tasten der Pulsation ist einfach zu erlernen – und eines der verlässlichsten Frühindikatoren für eine beginnende Hufrehe.
Bewegung und Stress – die unterschätzten Prophylaxe-Bausteine
Bewegung täglich und passend
Regelmäßige Bewegung verbessert die Insulinsensitivität der Körperzellen, fördert die Durchblutung der Huflederhaut und hält das Körpergewicht stabil. Was zählt, ist Kontinuität – nicht Intensität. Tägliche moderate Bewegung ist wirksamer als gelegentliche intensive Einheiten. Ein Offenstall mit langen Wegen zwischen Futter, Wasser und Liegeplatz ist prophylaktisch besser als Einzelboxenhaltung. Für EMS-Pferde gilt: Auch moderates Training verbessert die Insulinempfindlichkeit messbar – mehr als jede Futterreduktion allein.
Stress als echter Risikofaktor
Chronischer Stress erhöht den Kortisolspiegel. Kortisol beeinflusst den Blutzucker und kann die Insulinresistenz verstärken – ein dauerhaft instabiler Blutzucker belastet die feinen Kapillaren in der Huflederhaut. Was Stress beim Pferd auslöst:
- Soziale Isolation oder dauerhafter Herdenstress (Rangkämpfe, Verdrängen vom Futter)
- Abrupte Umstellungen – Stallwechsel, Besitzerwechsel, Futterumstellungen
- Lange Boxenphasen ohne Sozialkontakt
- Unregelmäßige Fütterungszeiten
- Schmerzhafte Erkrankungen oder Eingriffe (z.B. Zahnbehandlungen)
Früherkennung als Teil der Vorbeugung
Vorbeugung endet nicht damit, einen Schub zu verhindern. Sie schließt auch ein, einen beginnenden Schub früh genug zu erkennen, um den Verlauf abzumildern.
- Verkürzter, gebundener Schritt – besonders auf hartem Boden und in engen Wendungen
- Pferd gibt Hufe widerwilliger als gewohnt oder lehnt sich beim Aufheben an
- Vorderhufe fühlen sich wärmer an als die Hinterhufe
- Leicht tastbare Pulsation an der Zehenarterie (seitlich am Fesselkopf)
- Ungewöhnliche Gewichtsverteilung, leichtes Entlasten der Vorderbeine
- Nach langen Standphasen braucht das Pferd länger, um „warm zu werden"
Kein einzelnes Zeichen beweist Hufrehe. Mehrere Zeichen zusammen – besonders bei bekanntem Risikofaktor – immer tierärztlich abklären lassen.
→ Alle Frühzeichen und Stadien im Überblick
Was trotz guter Prophylaxe immer wieder schiefgeht
Typische Muster, die wir im THZ immer wieder sehen:
- Die Hufsituation ist nie wirklich optimiert worden – mechanische Dauerlast, die bei jedem äußeren Auslöser eskaliert
- EMS oder PPID wurde nicht erkannt oder wird nicht ausreichend begleitet
- Die Darmflora ist dauerhaft gestört – schlechte Heuqualität, Mykotoxine, Medikamentenbelastungen
- Leberbelastung durch synthetische Zusatzstoffe in Ergänzungsfuttermitteln oder Schimmelpilzbelastung im Heu
- Chronischer Stress, der nie als Faktor betrachtet wurde
Für diese Pferde reicht eine Checkliste nicht. Hier braucht es eine strukturierte Ursachenforschung – einen Blick hinter die Kulissen des individuellen Organismus.
„Seit wir die Haaranalyse gemacht haben, wissen wir endlich, wo wir ansetzen müssen. Mein Isländer hatte jedes Frühjahr einen Schub – dieses Jahr zum ersten Mal nicht."
Isländer-Wallach, Schübe jedes Frühjahr, jetzt seit einem Jahr stabil
„Die regelmäßige Hufpflege und die Hufkräuter haben zusammen das Bild verändert. Mein Haflinger läuft jetzt auch im Frühjahr entspannt – das kannte ich gar nicht von ihm."
Haflinger-Wallach, Prophylaxe seit zwei Jahren
Häufige Fragen zur Hufrehe-Vorbeugung
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→ Zum ProduktImmer wieder Schübe trotz allem?
Wenn Hufrehe sich wiederholt, obwohl Fütterung und Hufpflege stimmen, liegt die Ursache oft tiefer – Leber, Hormonsystem, Darmflora, Mineralstoffhaushalt. Die Haaranalyse macht sichtbar, was im individuellen Organismus aus dem Gleichgewicht geraten ist. Ausgewertet von Tatjana Siebert und unserem Team.
Zur Haaranalyse →Weiterführende Ratgeber im Hufrehe-Cluster
- → Hufrehe beim Pferd: vollständiger Ratgeber mit Notfallhilfe
- → Hufrehe-Symptome erkennen – Vorläufer, akutes und chronisches Stadium
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Fütterung bei Hufrehe – ein eigenes Thema
Was ein Rehepferd fressen darf, wie viel Heu, ob Heu wässern sinnvoll ist, wie Weidemanagement funktioniert – und warum manche Pferde trotz strenger Diät immer wieder Schübe bekommen: Das alles haben wir in einem eigenen Ratgeber zusammengefasst.
→ Fütterung bei Hufrehe – was wirklich hilft und was nicht