Hufrehe im Winter – die unterschätzte Rehezeit
Warum der Winter für reheanfällige Pferde heikel ist – und was ihr tun könnt
Alle Hufrehe-Themen im Überblick
- Hufrehe ist kein reines Frühlingsproblem – auch der Winter ist für reheanfällige Pferde eine sensible Phase, die oft unterschätzt wird.
- Kälte verändert die Durchblutung der Hufe, weniger Bewegung bremst den Stoffwechsel, und Heu kann Zucker- und Fruktanwerte enthalten, die unterschätzt werden.
- Dazu kommt die Darmflora-Umstellung: Das Mikrobiom muss sich von frischem Gras auf Heu umstellen – in dieser Übergangszeit ist gezielte Unterstützung besonders sinnvoll.
- Wer im Winter bewusst hinschaut – auf Gangbild, Hufwärme, Fütterung und Bewegung – legt den Grundstein für ein stabiles Hufjahr.
Hufrehe im Winter – warum die kalte Jahreszeit unterschätzt wird
Wenn es um Hufrehe geht, denken viele Pferdehalter spontan an Frühlingstage, junges Gras und reichlich Sonne. In unseren Beratungen im Tierheilkundezentrum Nehls zeigt sich aber seit vielen Jahren ein anderes Bild: Die kalte Jahreszeit ist oft mindestens genauso sensibel – manchmal sogar kritischer.
Genau dann, wenn die Weiden schließen, das Leben „nach innen" rutscht und der Alltag ruhiger wirkt, geraten manche Pferde im Hintergrund aus der Balance. Wer Hufrehe nur als „Frühlingsproblem" betrachtet, übersieht leicht, was der Winter im Organismus eines Pferdes alles in Bewegung bringt.
Warum der Winter für reheanfällige Pferde so heikel ist
Mit dem ersten Frost verändert sich der Alltag vieler Pferde grundlegend: Die Weiden sind geschlossen oder nur noch stundenweise offen, Böden werden rutschig oder hartgefroren, Training fällt häufiger aus. Gleichzeitig steigt der Energiebedarf des Körpers, weil Wärme erhalten werden muss.
Im Grunde sind es drei Faktoren, die zur Winterrehe beitragen können: weniger Bewegung, mehr energiereiches Futter – und Kälte, die die Durchblutung der Hufe beeinflusst.
In der Praxis erleben wir häufig folgendes Bild: Ein Pferd, das über den Sommer stabil wirkte, wird im Winter „anders", ohne dass sofort klar ist, warum. Es wirkt vorsichtiger, steifer oder insgesamt weniger gelöst. Das sind oft feine Signale, die man nur bemerkt, wenn man sein Pferd gut kennt.
Kälte, Durchblutung und Huf – was dabei passiert
Der Körper reagiert auf Kälte, indem er die Durchblutung stärker in die Körpermitte verlagert – das schützt lebenswichtige Organe. Blutgefäße in den Gliedmaßen können sich verengen, spezielle Gefäßverbindungen leiten Blut an den feineren Kapillaren vorbei. Dadurch erreicht weniger sauerstoffreiches Blut die Hufstrukturen.
Für empfindliche Pferde – bei denen bereits Stoffwechselthemen wie Insulinresistenz, EMS oder PPID bestehen, oder die frühere Reheepisoden hatten – kann das eine zusätzliche Belastung darstellen. Für uns als naturheilkundlich arbeitendes Team bedeutet das: Kälte ist keine Nebensache, sondern ein relevanter Faktor im Gesamtbild.
Zucker und Fruktan im Heu – die unterschätzte Winterfalle
Die zweite große Winterfalle liegt im Trog. Viele Halter sind beim Anweiden im Frühjahr sehr vorsichtig – während Futter im Herbst und Winter oft „nebenbei" läuft. Dabei kann auch Heu Zucker- und Fruktanwerte aufweisen, die für reheanfällige Pferde relevant sind.
Kritisch sind vor allem Phasen mit sonnigen Tagen nach Frostnächten: Pflanzen können tagsüber Fruktan einlagern, während niedrige Temperaturen nachts das Wachstum bremsen. Das gilt nicht nur für Weide – auch getrocknetes Heu aus solchen Phasen kann erhöhte Werte zeigen.
Die Darmflora-Umstellung im Herbst – ein oft übersehener Faktor
Unsere Pferde bekommen im Winter anderes Futter. Das Mikrobiom – der riesige Bakterienmix im Verdauungstrakt – ist frisches Gras, Kräuter und sommerliche Strukturpflanzen gewöhnt. Wenn es plötzlich auf Heu umstellen muss, sind viele Bakterienstämme schlicht nicht darauf vorbereitet. Ein großer Teil stirbt ab, die Stämme für Winternahrung müssen erst nachwachsen.
In dieser Übergangsphase ist das Darmmilieu instabiler – und das betrifft direkt den Stoffwechsel und damit die Hufgesundheit. Gezielte Unterstützung der Darmflora in dieser Phase ist aus unserer Sicht deshalb besonders sinnvoll.
- Pferde mit EMS, Insulinresistenz oder PPID (Cushing)
- Übergewichtige Pferde und Ponys
- Pferde mit früheren Reheepisoden
- Pferde, bei denen sich Bewegung im Winter deutlich reduziert
- Pferde auf Heu aus Hochleistungswiesen ohne Analyse
Feine Frühwarnsignale – was aufmerksame Besitzer im Winter zuerst bemerken
Hufe geben häufig Hinweise, lange bevor ein dramatisches Bild entsteht. Viele Halter berichten im Winter, dass ihr Pferd auf kalten, harten Böden vorsichtiger läuft, häufiger umdisponiert, empfindlicher beim Hufegeben ist oder insgesamt weniger gelöst wirkt.
- Vorsichtigerer Gang auf hartem oder gefrorenem Boden
- Widerwilligkeit beim Hufgeben, mehr als sonst
- Hufwärme im Seitenvergleich – Vorderhufe wärmer als Hinterhufe
- Leicht tastbare Pulsation an der Zehenarterie
- Steifigkeit nach langen Standphasen, die sich nach Bewegung bessert
- Allgemein weniger Frische oder Gelöstheit
Kein einzelnes Zeichen beweist Hufrehe. Mehrere Zeichen zusammen – besonders bei bekanntem Risikofaktor – immer tierärztlich abklären lassen.
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→ Fütterung bei Hufrehe – was wirklich hilft und was nichtWas ihr im Winter konkret tun könnt
Der wichtigste Partner eures Pferdes seid ihr selbst. Ein paar konkrete Bausteine:
- Heuqualität prüfen: Eine LUFA-Heuanalyse schafft Klarheit. Zielwert NSC unter 10% in der Trockenmasse. Heu aus späteren Schnitten enthält tendenziell weniger Zucker.
- Kraftfutter kritisch bewerten: Wenn Bewegung im Winter abnimmt, aber die Energiezufuhr gleich bleibt, entsteht ein Ungleichgewicht. Energiereiche Rationen bei Risikopferden reduzieren.
- Bewegung beibehalten: Auch im Winter – tägliche moderate Bewegung, selbst wenn es nur Schrittarbeit von 20–30 Minuten ist. Hufmechanik und Durchblutung brauchen Bewegungsreize.
- Darmflora unterstützen: In der Umstellungsphase von Gras auf Heu ist das Mikrobiom unter Druck. Gezielte Unterstützung in dieser Zeit ist besonders sinnvoll.
- Hufpflege nicht aufschieben: Kurze Intervalle bleiben auch im Winter wichtig. Der Untergrund (Matsch, Eis, harter Boden) fordert den Huf zusätzlich.
- Beobachtung schärfen: Morgendliches Gangbild, Hufwärme, Pulsation – im Winter täglich im Blick behalten.
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