Fütterung bei Hufrehe – was wirklich hilft und was nicht
Mehr als Diät: Heu, Fruktan, Weide und warum trotz Nulldiät Schübe kommen
Fütterung ist einer der wichtigsten Hebel bei Hufrehe – aber kein Allheilmittel und kein Schema. Im akuten Schub gilt: Weide und Kraftfutter sofort stoppen, qualitatives Heu in angepasster Menge, kein Nahrungsentzug. Langfristig entscheidet nicht die strengste Diät, sondern die individuell passende Fütterung, die Heuqualität und das Weidemanagement. Was uns nach über 26 Jahren täglich beschäftigt: Viele Pferde bekommen trotz Null-Diät und gewässertem Heu immer wieder Schübe – weil die eigentliche Ursache nicht die Fütterung allein ist, sondern ein Stoffwechsel, der aus dem Gleichgewicht geraten ist.
- Im akuten Schub: Weide und Kraftfutter sofort stoppen – Heu in angepasster Menge weiter anbieten, kein Nahrungsentzug
- Heuqualität vor Heumenge: NSC (Zucker + Stärke) unter 10% in der Trockenmasse ist das Ziel
- Heu wässern senkt zwar den Zuckeranteil – schwemmt aber auch dringend benötigte Mineralstoffe aus und beginnt innerhalb von 20–30 Minuten zu verpilzen, weshalb das keine gute Option ist
- Mineralversorgung optimieren – empfehlenswert ist ein Mineralfutter ohne synthetische Zusätze
- Fruktan im Gras: Risikophasen sind Frühjahr, Herbst und kühle Nächte mit sonnigem Tag
Trotz strenger Diät immer wieder Schübe? Die eigentliche Ursache ist nicht behoben – Stoffwechsel (Leber, Nieren, Darm) braucht Begleitung.
Warum Fütterung bei Hufrehe mehr ist als Diät
„Kein Gras, kein Getreide, nur Heu." Das ist die bekannteste Formel bei Hufrehe. Aber sie greift zu kurz.
In unserer täglichen Praxis sehen wir regelmäßig Pferde, die seit Jahren streng geführt werden: kein Weidegang, kein Kraftfutter, gewässertes Heu, keine Leckerlis. Und dennoch kommt der nächste Schub. Manchmal sogar bei Pferden, die ausschließlich Heu und Stroh bekommen.
Das zeigt: Grundfütterung ist ein zentraler Baustein – aber sie ist nicht der einzige. Sie kann den Stoffwechsel entlasten oder belasten. Aber sie kann einen grundlegend entgleisten Stoffwechsel nicht allein korrigieren. Deshalb verstehen wir Fütterung bei Hufrehe immer als Teil eines größeren Bildes – neben Hufsituation, Bewegung, Haltung und systemischer Ursachenforschung.
Akuter Schub: Was sofort zu tun ist – fütterungsseitig
Sobald der Verdacht auf Hufrehe besteht oder der Tierarzt die Diagnose gestellt hat, gilt fütterungsseitig:
Sofort stoppen: Weidegang, Kraftfutter, Müsli, Mash, Leckerlis, Brot, Obst, Karotten in größeren Mengen.
Weiter anbieten: Qualitativ gutes und geeignetes Heu in angepasster Menge – nicht zu wenig! Kein Nahrungsentzug! Das Pferd ist ein Dauerfresser, dessen Verdauungssystem kontinuierlich mit Raufutter versorgt sein muss. Erzwungene Fresspausen erhöhen das Magengeschwür-Risiko und setzen das Pferd zusätzlichem Stress aus.
Heu – das Fundament der Hufrehe-Fütterung
Heu ist bei Hufrehe das wichtigste Futtermittel – aber nicht jedes Heu ist gleich. Das entscheidende Problem ist oft nicht die Menge, sondern die Qualität.
Heuqualität: NSC als Zielwert
Hochleistungsgras, das für Milchwirtschaft optimiert wird (vor allem Deutsches Weidelgras), enthält deutlich mehr Fruktan und Zucker als extensiv gewonnenes Wiesenheu. Analysen zeigen Schwankungen zwischen 2% und 18% Zucker im Heu – ein enormer Unterschied für ein empfindliches Pferd. Unsere Empfehlung: Eine LUFA-Heuanalyse ist bei Rehepferden keine Luxusmaßnahme, sondern Grundlage. Zielwert: NSC (Zucker + Stärke + Fruktan zusammen) unter 10% in der Trockenmasse.
Heu wässern ist dabei nicht der Weg unserer Wahl: Besser ist es, zu zuckerhaltiges Heu mit bis zu 30% Timotheeheu und/oder gutem Futterstroh zu strecken.
Möglichst keine Fresspausen
Das Pferd ist evolutionär auf 16–18 Stunden Fresszeit täglich ausgelegt. Lange Pausen erhöhen Stress, fördern Magengeschwüre und können paradoxerweise Stoffwechselentgleisungen begünstigen. Heunetze mit engerer Maschenweite verlangsamen die Futteraufnahme, ohne die Menge zu erhöhen – eine der besten Maßnahmen bei Pferden auf Diät.
Fruktan, Gras und Weide – differenziert, nicht dogmatisch
Die häufigste Aussage über Hufrehe und Weide lautet: „Kein Gras." Die Aussage sollte eher lauten: Es kommt auf die Stoffwechselsituation des Pferdes, die Jahreszeit, das Wetter und vor allem die Weide an.
Warum Gras gefährlich werden kann
Gras enthält leicht verdauliche, nicht-strukturelle Kohlenhydrate (NSC) – darunter Fruktan und einfache Zucker –, die der Pflanze als Energiespeicher dienen. Gelangen im Frühjahr zu große Mengen dieser Zucker auf einmal in den Pferdekörper, führt dies zu einer massiven Ausschüttung von Insulin, was heute als Hauptursache für Hufrehe gilt.
Parallel dazu kommt es im Dickdarm zu einer Verschiebung der sensiblen Darmflora (Dysbiose): Da das Pferd seine Energie physiologisch überwiegend aus kurzkettigen Fettsäuren durch den Abbau von Struktur-Rohfaser gewinnen sollte, bringt der plötzliche Zuckerüberschuss bei gleichzeitigem Fasermangel das Mikrobiom zum Kippen. Dies begünstigt eine pH-Absenkung und die Bildung von Endotoxinen, was Verdauungsstörungen wie Kotwasser und Koliken auslöst.
Der Fruktangehalt im Gras schwankt erheblich:
- Jahreszeit: Höchste Werte im Frühjahr (Mai) und Herbst (Oktober/November)
- Tageszeit: Nachmittags nach sonnigem Tag deutlich höher als morgens
- Witterung: Kühle Nächte mit sonnigem Tag = Hochrisikolage; warmes bedecktes Wetter mit gutem Wachstum = geringe Fruktanakkumulation
- Grasart: Deutsches Weidelgras bildet besonders hohe Fruktanmengen; Knaulgras und Wiesenfuchsschwanz deutlich weniger
- Pflanzenstress: Kurz gestresstes, abgefressenes Gras speichert mehr Fruktan als gut gewachsenes überständiges Gras
Kluges Weidemanagement statt pauschaler Weideentzug
Pferde mit EMS/PPID-Hintergrund nach einem einmaligen Schub:
- Weide in der Erholungsphase schrittweise wieder einführen
- Günstigste Weidezeiten: mittags oder abends nach Sonnenuntergang
- Risikophasen meiden: sonnige Frühjahrs- und Herbsttage, besonders nach Nachtfrost
- Heu vor dem Weidegang anbieten – ein voller Heumagen verlangsamt die Grasaufnahme
→ Ausführlich zum Anweiden im Frühjahr
Was wirklich schadet – Kraftfutter, Leckerlis, Karotten
Kraftfutter
Bei Hufrehe gehört klassisches Kraftfutter in der akuten Phase vollständig aus der Ration. Getreide wie Gerste und Mais enthält viel komplexe Stärke – diese führt zu einem rapiden Blutzuckeranstieg und einer massiven Ausschüttung von Insulin, was das Rehegeschehen direkt befeuert. Zudem belastet unverdauter Mais oder Gerste das Mikrobiom im Dickdarm und blockiert die physiologische Energiegewinnung aus kurzkettigen Fettsäuren.
Eine absolute Ausnahme stellt jedoch reiner Hafer dar. Seine Stärke ist hochverdaulich und wird bereits im Dünndarm fast vollständig enzymatisch aufgeschlossen, ohne den Dickdarm zu belasten. Zudem enthält Hafer spezifische Schleimstoffe und Beta-Glukane, die die Glukoseaufnahme im Blut verzögern. In der Praxis hat sich gezeigt, dass Kleinstmengen – etwa eine Frauenhand voll Hafer – den Muskelstoffwechsel positiv anregen können, ohne den Insulinspiegel durch die Decke zu jagen. Das kann Hufrehe-Patienten mit einer Insulinresistenz (wie bei EMS) sogar dabei helfen, die Sensitivität der Zellen für Insulin wieder zu verbessern.
Langfristig gilt: Die meisten Freizeitpferde brauchen bei ausreichend gutem Heu gar kein Kraftfutter.
Karotten, Äpfel, Leckerlis
Äpfel und Birnen enthalten 10–12% Zucker, Karotten bis zu 10%. Für ein gesundes Pferd kein Problem – für ein empfindliches Rehepferd mit Insulinresistenz ist selbst eine Karotte täglich ein dauerhafter Belastungsfaktor. Ebenso hat Brot in der Fütterung von Pferden nichts zu suchen: Neben dem extrem hohen Stärkegehalt belasten vor allem die enthaltenen Triebmittel, Backhilfsstoffe und Salze den ohnehin empfindlichen Stoffwechsel und die Darmflora des Pferdes massiv.
Getrocknete Leckerlis enthalten durch die Trocknung konzentrierten Zucker – auch wenn sie als „energiearm" vermarktet werden. Ein bis zwei Karotten bei stabilen Verhältnissen sind tolerierbar. In größeren Mengen als Trostpflaster sind sie keine gute Idee.
Fütterung bei EMS und PPID – besondere Anforderungen
Vor allem bei Pferden mit EMS (Equines Metabolisches Syndrom) oder PPID (Cushing) wird Hufrehe auch auf einem anderen Weg begünstigt. Hier sollte besonders auf eine synthetikfreie Supplementierung geachtet werden. Diese Pferde können einen Reheschub bekommen, auch wenn die Fütterung objektiv gut ist – weil das Hormonsystem nicht mitspielt.
Ziel ist ein dauerhaft niedriger glykämischer Index der gesamten Ration:
- Heu mit NSC unter 10% als Grundlage
- Gutes Weidemanagement
- Mineralfutter ohne synthetische Zusätze und ohne Zucker (auch Johannisbrot enthält viel Zucker)
- Kein Kraftfutter, kein Getreide
- Kein Frischgras oder sehr restriktives Weidemanagement
Abnehmen bei EMS – aber richtig
Übergewichtige EMS-Pferde müssen abnehmen – aber langsam und kontrolliert. Ein zu starker Nahrungsentzug bei Ponys und leichtfuttrigen Rassen kann zur Hyperlipämie führen, einer lebensbedrohlichen Fettstoffwechselstörung. Einer Diät sollte immer eine Stoffwechselbegleitung vorangehen.
→ Unsere VetLine-Serie im Überblick
→ Mehr zu EMS beim Pferd
→ Mehr zu Cushing beim Pferd
Warum trotz perfekter Diät immer wieder Schübe kommen
Das ist der Teil, über den in den meisten Ratgebern nicht gesprochen wird – und der uns täglich erreicht.
In unserer Praxis sehen wir regelmäßig Pferde, die seit Jahren kein Gras bekommen, ausschließlich analysiertes gewässertes Heu fressen, kein Kraftfutter und keine Leckerlis bekommen – und trotzdem alle 6–12 Monate einen neuen Schub haben. Weil die eigentliche Ursache nicht angetastet wurde.
Das kann sein:
- Ein Stoffwechsel, der durch Leberbelastung, Toxine oder chronische Dysregulation dauerhaft aus dem Gleichgewicht ist
- Eine Hufsituation mit mechanischer, ungünstiger Dauerbeanspruchung des Hufbeinträgers
- Eine hormonelle Dysregulation
- EMS oder PPID, die noch nicht diagnostiziert wurde
- Stress als chronischer Auslöser – Stress erhöht Kortisol, Kortisol beeinflusst den Blutzucker ungünstig
- Mineralstoffimbalancen, die trotz Mineralfutter bestehen – weil das falsche Mineralfutter gegeben wird
„Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse" – individuelle Ursachenforschung
Genau bei diesen Fällen empfehlen wir die „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse". Sie macht individuelle Belastungsfelder sichtbar: Leber, Hormonsystem, Mineralstoffhaushalt, Darmflora, Toxine. Auf dieser Grundlage erstellen wir einen individuellen Begleitplan – Fütterungsempfehlung, Kräutermischung und Homöopathie. (Nicht wissenschaftlich anerkannter Informationstest – ersetzt keine tierärztliche Diagnose.)
→ Zur „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse"Mineralstoffversorgung – warum Diät nicht Mangel bedeuten darf
Ein häufiger und folgenreicher Fehler: Das Rehepferd bekommt monatelang nur Heu und Stroh – aber kein Mineralfutter. Die Begründung klingt logisch: „Wir wollen den Stoffwechsel nicht belasten." Das Gegenteil ist richtig. Gerade in der Erholungsphase arbeitet der Organismus auf Hochtouren: Hufhorn muss neu gebildet werden, Entzündungsprodukte müssen abgebaut werden. All das braucht Mikronährstoffe – Zink, Biotin, Selen, Kupfer, Mangan, B-Vitamine, Vitamin E. Ein entmineralisiertes Diätpferd regeneriert langsamer und bleibt anfälliger für den nächsten Schub.
Unser Ansatz: Mineralstoffversorgung über naturnahe, pflanzenbasierte Quellen ohne Melasse, Getreide und synthetische Füllstoffe. Das Nehls Pferdefutter für stoffwechselempfindliche Pferde ist stärkearm, strukturreich und ohne synthetische Zusatzstoffe – entwickelt aus der täglichen Praxisarbeit mit Rehepferden.
Häufige Fragen zur Fütterung bei Hufrehe
Unsere Produkte für Hufrehe-Pferde
Akute Hufsituation: flüssige und getrocknete Kräuter kombiniert – zum Testen, welche Darreichungsform das Pferd annimmt, und als erste naturbelassene Begleitung im Fütterungsalltag.
→ Zum SetStärkearm, strukturreich, ohne synthetische Zusatzstoffe – als alleiniges Krippenfutter für Rehepferde geeignet.
→ Zum ProduktWiederkehrende Schübe trotz Diät – individuelle Ursachenforschung
Was genau hinter der Hufrehe steckt – Stoffwechsel, Leber, Mineralstoffhaushalt, Hormonsystem – zeigt die „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse". Grundlage für einen Begleitplan, der wirklich zu diesem Pferd passt. (Nicht wissenschaftlich anerkannter Informationstest – ersetzt keine tierärztliche Diagnose.)
Zur „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse" →- → Hufrehe beim Pferd: vollständiger Ratgeber mit Notfallhilfe
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