Hinweis für Turnier- und Sportreiter (ADMR / FEI)
ADMR und FEI – was Turnierreiter über Kräuter und Karenzzeiten wissen sollten
Die wichtigsten Regelwerke im Überblick, eine ehrliche Karenzzeiten-Orientierung pro Rohstoff – und warum die Verantwortung am Ende immer beim Halter liegt.
Auch naturbelassene Kräuter können Substanzen enthalten, die nach den Regeln der FN (ADMR) oder der FEI (EPSL) im Turniersport mit einer Karenzzeit belegt sind oder vom Wettkampf ausschließen. Die FEI testet pflanzliche Produkte nicht und gibt für sie keine Freigaben – die Verantwortung vor einem Turnierstart liegt ausschließlich beim Halter und beim betreuenden Tierarzt. Für die meisten in der Naturheilkunde verwendeten Pflanzen gelten als Faustregel 48 Stunden Karenz vor einem Turnier; einige Rohstoffe (Mädesüß, Weidenrinde, Ingwer, Süßholz, Mönchspfeffer) brauchen länger; einzelne Pflanzen (Teufelskralle, Baldrian, Passionsblume) sind im Turniereinsatz gar nicht vorgesehen und gehören in die trainingsfreie Phase. Unten finden Sie eine Orientierungstabelle pro Rohstoff.
- In Deutschland gilt für nationale Turniere die ADMR der FN – diese Liste ist die für die meisten Turnierreiter maßgebliche.
- Für internationale Starts gilt zusätzlich die FEI-EPSL mit den Kategorien „Banned Substances" und „Controlled Medication".
- Die FEI testet keine pflanzlichen Produkte und genehmigt sie nicht. Ein Hersteller-Stempel „FEI-konform" ist ohne Chargenanalytik nicht haltbar.
- Standard-Karenz für viele Kräuter nach ADMR: 48 Stunden vor Turnierstart.
- Verlängerte Karenz (5–7 Tage) für Pflanzen mit längeren Auswaschzeiten: Mädesüß, Weidenrinde, Ingwer, Süßholz, Mönchspfeffer.
- Nicht für den Turniereinsatz vorgesehen: Teufelskralle, Baldrian, Passionsblume, Wermut, Beifuß, Steinklee.
- Die Verantwortung trägt der Halter. Eine elektive Probe vor wichtigen Wettkämpfen schafft im Zweifel Klarheit.
Welche Regelwerke gelten – ein kurzer Überblick
Es gibt nicht eine einzige Liste, sondern mehrere parallele Regelwerke. Wer regelmäßig Turniere reitet, sollte wissen, welches Regelwerk für die jeweils gestartete Klasse maßgeblich ist.
ADMR der FN (Deutschland)
Die Anti-Doping- und Medikamentenkontroll-Regeln der Deutschen Reiterlichen Vereinigung gelten für alle FN-Turniere in Deutschland – also für die Klassen LK, A, L, M und S im nationalen Turniersport. Die ADMR ist in vielen Punkten strenger als die FEI-Liste. Auch bei eher unauffälligen Pflanzen wie Brennnessel oder Anissamen wird eine Karenzzeit empfohlen. Für die allermeisten Turnierreiter in Deutschland ist die ADMR die wirklich maßgebliche Liste. Die aktuelle Fassung findet sich auf pferd-aktuell.de.
FEI Equine Prohibited Substances List (international)
Die EPSL der FEI gilt international für FEI-Starts in Springen (CSI), Dressur (CDI), Vielseitigkeit (CCI), Distanzreiten (CEN) und Voltigieren (CV). Die Liste unterscheidet zwei Kategorien:
- Banned Substances: Substanzen ohne legitime therapeutische Anwendung beim Sportpferd – nie erlaubt.
- Controlled Medication: Substanzen mit therapeutischem Wert, deren Einsatz außerhalb des Wettkampfs möglich ist – mit Karenzzeit bis zur Wettkampfprobe.
Die aktuelle Liste kann auf inside.fei.org/fei/cleansport/ad-h/prohibited-list eingesehen werden. Die FEI veröffentlicht zusätzlich eine Datenbank mit Suchfunktion.
USEF (USA)
Die Liste des amerikanischen Verbands USEF ist bei pflanzlichen Stoffen strenger als FEI und ADMR. Lavendel, Kamille, Hopfen und Melisse werden dort explizit als „prohibited" geführt. Für deutsche Halter meist irrelevant – wer aber in den USA startet, sollte sich gesondert informieren.
Die FEI hat in einer offiziellen Stellungnahme darauf hingewiesen, dass sie pflanzliche Mittel weder testet noch freigibt. Sie warnt ausdrücklich vor Produkten, deren Inhaltsstoffe und Mengen „nicht im Detail bekannt sind". Ein Hersteller, der pauschal mit „FEI-konform" wirbt, kann diese Aussage ohne Chargen-Analytik nicht halten. Dieselbe Logik gilt für jeden Naturhersteller – auch für uns. Wir geben deshalb keine Doping-Freigaben, sondern eine möglichst genaue Karenzzeit-Orientierung auf Grundlage der publizierten Listen und Auswaschzeiten.
Naturbelassen heißt nicht automatisch unbedenklich
Ein verbreitetes Missverständnis: Was natürlich ist, könne im Turniersport ohne Bedenken eingesetzt werden. Diese Annahme ist sachlich nicht haltbar. Viele Substanzen, die heute in der modernen Tiermedizin als Arzneistoffe geführt werden, stammen ursprünglich aus Pflanzen – Salicylsäure aus der Weidenrinde, Atropin aus der Tollkirsche, Digitalis aus dem Fingerhut. Wenn eine Pflanze einen messbaren Einfluss auf den Organismus hat, kann sie auch in einer Wettkampfprobe nachweisbar sein.
Hinzu kommen zwei weitere Aspekte, die in der Praxis oft unterschätzt werden. Erstens: Die Empfindlichkeit moderner Nachweismethoden ist hoch. Substanzen können noch im Labor festgestellt werden, lange nachdem sie im Organismus messbare Spuren hinterlassen haben – ein Auswasch-Zeitraum muss deshalb am Nachweis bemessen werden, nicht an einer angenommenen Eigenschaft der Pflanze. Zweitens: Kontaminationen aus Heu, Stroh oder Weide (Mohnsamen, Steinklee, Theobromin-Reste aus Kakaoschalenkontakt) können unabhängig von der Fütterung zu positiven Befunden führen. Auch das ist ein Grund, vor wichtigen Wettkämpfen eine elektive Probe in Erwägung zu ziehen.
Wie wir Karenzzeiten einordnen – das THZ-Kategoriensystem
Um den Überblick zu erleichtern, verwenden wir vier Kategorien. Sie sind eine Orientierung, keine Garantie, und sie ersetzen den Blick in die aktuelle ADMR-Liste nicht.
- Kategorie A: Für diese Rohstoffe ist keine Karenzzeit in den gängigen Listen dokumentiert. Sie gelten im Turniersport als unproblematisch.
- Kategorie B: Standardkarenz von 48 Stunden vor Turnierstart. Das ist die in der Branche am häufigsten gewählte Linie und entspricht den meisten Wettbewerber-Angaben.
- Kategorie C: Verlängerte Karenz von 5 bis 7 Tagen. Diese Rohstoffe enthalten Leitsubstanzen mit längeren Auswaschzeiten oder werden in den Listen ausdrücklich genannt.
- Kategorie D: Diese Rohstoffe sind für den Turniereinsatz nicht vorgesehen. Sie haben in der Naturheilkunde ihren traditionellen Anwendungsbereich – aber außerhalb des Wettkampfgeschehens, in der trainingsfreien Phase.
Karenzzeiten-Orientierung pro Rohstoff (alphabetisch)
Die folgende Liste ist alphabetisch sortiert und folgt der oben beschriebenen Kategorisierung. Wichtig: Es handelt sich um eine recherchebasierte Orientierung auf Grundlage der publizierten ADMR-Einzelpflanzenlistungen, FEI-Detection-Times und veröffentlichter Auswaschzeiten der Leitsubstanzen. Sie ersetzt nicht die Chargen-Analytik im konkreten Einzelfall. Die Angabe in Klammern hinter der Pflanze nennt die jeweilige Leitsubstanz, an der sich die Karenzzeit-Einordnung orientiert.
| Rohstoff | Leitsubstanz | Kategorie | Karenz / Hinweis |
|---|---|---|---|
| Anis-Samen | Anethol | B | 48 Stunden Karenz nach ADMR |
| Artischocke | Cynarin | B | 48 Stunden Karenz |
| Baldrian | Valerensäure | D | FEI Controlled Medication; im Turniersport in der Regel nicht einsetzbar |
| Bierhefe | Hefezellbestandteile | A | Keine dokumentierte Karenzzeit |
| Birkenblatt | Flavonoide | B | 48 Stunden Karenz |
| Brennnessel-Blatt | Histamin, Mineralien | B | 48 Stunden Karenz nach ADMR |
| Echinacea / Sonnenhut | Echinacosid | B | 48 Stunden Karenz |
| Eukalyptus | Cineol | B | 48 Stunden Karenz |
| Fenchel | Anethol | B | 48 Stunden Karenz |
| Goldrute | Saponine | B | 48 Stunden Karenz |
| Hagebutte | Vitamin C, Galaktolipid | A | Keine dokumentierte Karenzzeit |
| Hopfen | – | D | USEF-gelistet im Zusammenhang mit „calming"-Anwendungen; nicht für den Turniereinsatz vorgesehen |
| Huminsäuren | – | A | Keine dokumentierte Karenzzeit |
| Ingwer | Gingerole | C | 7 Tage Karenz; Gingerole bis zu 7 Tage nachweisbar – häufig genannte 48 h sind in der Praxis zu kurz |
| Johanniskraut | Hypericin | C | 7 Tage Karenz; zusätzlich Vorsicht wegen Photosensibilisierung |
| Kamille-Blüte | α-Bisabolol | C | 3 bis 5 Tage; USEF-gelistet, FEI prüft regelmäßig |
| Knoblauch | Allicin | B | 48 Stunden Karenz |
| Korianderpresskuchen | ätherische Öle gering | A | Keine dokumentierte Karenzzeit |
| Kümmel | ätherische Öle | B | 48 Stunden Karenz |
| Lavendel | Linalool | C | 5 Tage Karenz; USEF-gelistet |
| Leinöl | Omega-3-Fettsäuren | A | Keine dokumentierte Karenzzeit |
| Löwenzahn | Bitterstoffe | A | Keine dokumentierte Karenzzeit |
| Mädesüß | Salicylsäure | C | 7 Tage Karenz; Salicylsäure ist FEI Controlled Medication |
| Mariendistel-Samen | Silymarin | A | Keine dokumentierte Karenzzeit |
| Melisse | Citronellal | C | 5 Tage Karenz; USEF-gelistet, ADMR-erwähnt; „calming"-Anwendungen generell verboten |
| Mohnsamen | Morphin, Codein | D | Kontaminationsrisiko in Heu und Stroh |
| Mönchspfeffer | Agnusid | C | 7 Tage Karenz; Agnusid wird mit Bezug zum Hormonsystem geführt |
| Passionsblume | Harman-Alkaloide | D | FEI- und USEF-gelistet; nicht für den Turniereinsatz vorgesehen |
| Petersilie-Kraut | ätherische Öle | B | 48 Stunden Karenz |
| Pfefferminze-Blatt | Menthol | B | 48 Stunden Karenz |
| Salbei | Thujon, Kampfer | B | 48 Stunden Karenz |
| Schachtelhalm | Kieselsäure | A | Keine dokumentierte Karenzzeit |
| Schafgarbe | Bitterstoffe, ätherische Öle | B | 48 Stunden Karenz |
| Schwarzkümmel-Samen | Thymochinon | B | 48 Stunden Karenz |
| Seealgen | Jod, Mineralien | A | Keine dokumentierte Karenzzeit; Jod-Obergrenzen beachten |
| Spitzwegerich | Iridoide | B | 48 Stunden Karenz |
| Steinklee | Cumarin | D | Cumarin steht auf der FEI Prohibited List |
| Süßholzwurzel | Glycyrrhizin | C | 5 bis 7 Tage Karenz; Bezug zur Cortisol-Achse in den Listen |
| Teufelskralle | Harpagosid | D | Seit 2016 auf der FEI-Liste; nicht für den Turniereinsatz; bei Bedarf nur außerhalb der Saison oder mit langem Vorlauf (eine Woche+) |
| Thymian | Thymol | B | 48 Stunden Karenz; in dopingrelevanten Listen geführt |
| Weidenrinde | Salicin → Salicylsäure | C | 7 Tage Karenz, wie Mädesüß |
| Weihrauch | Boswelliasäuren | B | 48 Stunden Karenz |
| Wermut | Thujon | D | Nicht für den Turniereinsatz vorgesehen |
| Zeolith | mineralisch | A | Keine dokumentierte Karenzzeit |
Die FEI weist in ihren Originaldokumenten ausdrücklich darauf hin, dass jede Substanz – auch pflanzlicher Herkunft –, die im Wettkampf beruhigend („calming"/tranquilisierend) oder anregend („stimulating") auf das Pferd einwirken soll, verboten ist. Das gilt auch dann, wenn die einzelne Pflanze formal nicht explizit in einer Liste steht. Mischungen, die mit entsprechenden Anwendungs-Aussagen am Markt sind, gehören damit nicht in den Turniereinsatz – unabhängig von ihrer pflanzlichen Zusammensetzung.
Die hier aufgeführten Rohstoffe decken die in der Tierheilkunde am häufigsten verwendeten Pflanzen ab. Sie ist eine Orientierung – die maßgebliche und tagesaktuelle Quelle bleibt die ADMR der FN. Bei Pflanzen, die hier nicht gelistet sind, gilt im Zweifel: die ADMR-Liste konsultieren oder mit dem Tierarzt vor Turnierstart Rücksprache halten.
Praktische Empfehlungen für den Turnieralltag
Wer regelmäßig auf Turnieren startet und gleichzeitig naturheilkundlich füttert, kommt mit einigen einfachen Routinen weit:
- Karenzzeit vor jedem Turnier einplanen. Faustregel: Bei Standardmischungen 48 Stunden, bei längeren Karenzen oben in der Tabelle 7 Tage vor dem ersten Start die Fütterung umstellen.
- Mischungen mit „calming"-Bezug pauschal aus der Turnierphase nehmen. Jede Mischung, deren Anwendungsbeschreibung auf eine beruhigende oder anregende Einwirkung im Wettkampf abzielt, ist im Turniereinsatz nicht vorgesehen – unabhängig davon, ob die einzelne Pflanze formal auf einer Liste steht.
- Heu und Stroh kennen. Bei Kontaminationsrisiko (Mohn in Wildkräuterheu, Steinklee in Klee-Heu) lieber eine zweite Quelle oder eine Heuanalyse einsetzen.
- Bei wichtigen Wettkämpfen elektive Probe. Die FEI bietet ein elektives Testing an, das Klarheit über die Auswaschsituation des Pferdes schafft.
- Listen aktuell halten. ADMR und EPSL werden jährlich überarbeitet. Vor jeder Saison einmal die jeweils aktuelle Fassung zur Kenntnis nehmen.
Unsere Haltung zum Thema
Im Tierheilkundezentrum Nehls geben wir keine pauschalen Freigaben für den Turniersport. Das tun – ehrlich gesagt – auch die meisten anderen seriösen Anbieter nicht, auch wenn die Marketing-Sprache manchmal anderes vermuten lässt. Wer ein Naturprodukt verarbeitet, kann ohne Chargen-Analytik keine garantierte Doping-Freiheit zusichern. Was wir liefern können, ist eine möglichst saubere Orientierung: für jeden eingesetzten Rohstoff eine fundierte Karenzzeit-Einschätzung, eine konsequente Trennung zwischen Rohstoffen für den Trainingsalltag und solchen, die in die wettkampfferne Phase gehören, und eine ehrliche Kommunikation darüber, wo die Verantwortung liegt.
Wer mehrere Rohstoffe in einer Mischung kombiniert, sollte sich an der jeweils längsten dokumentierten Karenzzeit orientieren – das sogenannte Worst-Case-Prinzip. Eine Mischung mit Mädesüß und Brennnessel folgt damit nicht der 48-Stunden-Regel für Brennnessel, sondern der 7-Tage-Empfehlung für Mädesüß.
Individuelle Begleitung für das Sportpferd
Wenn Sie ein Sportpferd naturheilkundlich begleiten möchten und gleichzeitig in der Turniersaison stehen, lohnt sich ein individueller Blick. Die „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse" macht individuelle Belastungsfelder sichtbar und ist – verbunden mit dem persönlichen Beratungsgespräch – die Grundlage für einen Fütterungs-Begleitplan, der zur Saisonplanung passt. Ausgewertet von Tatjana Siebert und unserem Team. (Nicht wissenschaftlich anerkannter Informationstest – ersetzt keine tierärztliche Diagnose.)
Zur „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse" →