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Hufrollenentzündung (Podotrochlose)

Hufrollenentzündung (Podotrochlose)
THZ Tierheilkundezentrum Nehls · Bewegungsapparat

Hufrollenentzündung beim Pferd

Podotrochlose – erkennen, verstehen, ganzheitlich begleiten. Aus 26 Jahren Erfahrung.

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Fachliche Einordnung
Dieser Ratgeber wurde zunächst von unserer Gründerin Tierheilpraktikerin Nehls aus ihrer persönlichen Erfahrung mit ihren eigenen Tieren und als Tierheilpraktikerin mit eigener Praxis beschrieben und dann im Team mit unserer Tierärztin Katrin Knecht (seit über 20 Jahren in der Naturheilkunde tätig) und auf Basis der Erfahrungen unserer Tierheilpraktikerin Tatjana Siebert zusammengefasst und aktualisiert.
Tatjana SiebertGeprüfte Tierheilpraktikerin (VDT), zertif. Ernährungsberaterin für Tiere (Paracelsus/TÜV).
Katrin KnechtTierärztin, seit über 20 Jahren in der Naturheilkunde tätig.
Grundlage sind über 26 Jahre tägliche Begleitung von Pferden mit Hufrollenentzündung. Die Inhalte ersetzen keine tierärztliche Diagnostik oder Behandlung.
Kurz zusammengefasst
  • Podotrochlose: Degenerative Veränderung an Strahlbein, tiefer Beugesehne und Hufrollenschleimbeutel.
  • Betroffen sind fast immer die Vorderbeine – meist beidseitig, oft mit unterschiedlichem Schweregrad.
  • Typische Altersgruppe: 6 bis 14 Jahre, Durchschnitt etwa 8 Jahre. Wallache scheinen häufiger betroffen.
  • Häufigstes Symptom: Vermehrtes Stolpern, klammer Gang, Entlastung der Vorderhufe abwechselnd im Stand.
  • Vier-Säulen-Begleitung: Korrekte Hufbearbeitung · Angepasste Bewegung · Fütterung · Phytotherapie.
  • Abgrenzung zur Hufrehe: Bei Hufrolle abwechselnde Entlastung; bei Hufrehe beide Vorderhufe gleichzeitig vorgestreckt.

Was ist die Hufrollenentzündung?

Direkte Antwort: Was ist die Hufrollenentzündung? Die Hufrollenentzündung – fachlich Podotrochlose, auch Hufrollennekrose oder Palmar-Huf-Syndrom – ist eine entzündliche, degenerative Veränderung im Hufrollenbereich. Dort treffen drei Strukturen aufeinander: das Strahlbein (ein kleiner Knochen im hinteren Huf), die tiefe Beugesehne und der Hufrollenschleimbeutel. Wird dieses feine Zusammenspiel überlastet, entstehen Entzündungen und irreversible Veränderungen. Sie gilt als nicht heilbar – das Fortschreiten lässt sich aber durch passende Hufbearbeitung, dosierte Bewegung, Fütterung und naturheilkundliche Begleitung deutlich verlangsamen.

Die Hufrollenentzündung gehört zum arthrotischen Formenkreis und ist nach der klassischen Arthrose eine der häufigsten Lahmheitsursachen bei Reitpferden. In unserer Beratungspraxis gehört sie zu den Diagnosen, die wir am häufigsten vorgelegt bekommen. Der Begriff „Hufrolle" selbst ist übrigens keine Krankheit, sondern eine anatomische Struktur: Jedes Pferd hat vier Hufrollen – je eine in jedem Huf.

Die Hufrolle besteht aus drei Strukturen: dem Strahlbein (einem kleinen Knochen im hinteren Hufbereich), dem Hufrollenschleimbeutel (Bursa podotrochlearis) und dem unteren Teil der tiefen Beugesehne. Diese Strukturen bilden gemeinsam eine Art Umlenksystem: Die tiefe Beugesehne gleitet bei jedem Schritt über das Strahlbein, der Schleimbeutel dient als Polster zwischen Knochen und Sehne.

Wenn dieses fein abgestimmte System überlastet wird, entstehen Entzündungen und degenerative Veränderungen: Am Strahlbein kann es zu Auftreibungen und Knochenumbauten kommen, die tiefe Beugesehne kann ausfasern, der Schleimbeutel sich entzünden (Bursitis). Was wir in 26 Jahren Begleitung immer wieder erleben: Die Krankheit schleicht sich ein – Pferdebesitzer berichten oft von Monaten mit einem „irgendwie nicht mehr ganz richtigen" Pferd, bevor die Diagnose kommt.

Symptome – woran erkenne ich eine Hufrollenentzündung?

Direkte Antwort: Wie erkenne ich eine Hufrollenentzündung? Das wichtigste frühe Symptom ist vermehrtes Stolpern – fast ausnahmslos. Dazu kommen: klammer Gang auf hartem Boden und in Wendungen, Landung auf der Zehe statt flach, zögerliches Fußen, „Einlaufen" im Warmreiten. Besonders typisch ist die Stellung im Stand: Das Pferd setzt die Vorderhufe abwechselnd nach vorn, mal links, mal rechts – das ist der wichtigste Unterscheidungspunkt zur Hufrehe, bei der beide Vorderhufe gleichzeitig vorgestreckt werden. In unserer Beratung hören wir diese Beschreibungen von Haltern täglich.

Frühsymptome

Die Hufrollenentzündung beginnt meist schleichend und diffus. Bevor eine deutliche Lahmheit auftritt, zeigen viele Pferde bereits unspezifische Symptome:

  • Klammer Gang besonders auf hartem Boden und in Wendungen
  • Zögerliches Fußen – das Pferd „setzt nicht richtig auf"
  • Landung auf der Zehe – das Pferd schont die Trachten
  • Stolpern – fast ausnahmsloses Symptom, besonders im unebenen Gelände
  • Einlaufen: während des Warmreitens kann sich das Gangbild verbessern
  • Vorne entlastende Stellung im Stand: Das Pferd setzt einen Vorderhuf weit nach vorn, um die Hufrolle zu entlasten. Oft wechselt es: mal links, mal rechts. Genau dieser Wechsel ist ein Unterscheidungsmerkmal zur Hufrehe (bei der beide Vorderhufe gleichzeitig vorgestreckt werden).

Fortgeschrittene Symptome

  • Deutliche Lahmheit, oft einseitig sichtbar (auch wenn beide Hufrollen betroffen sind)
  • Stützbeinlahmheit
  • Wendeschmerz, besonders auf engem Zirkel
  • Verweigern im Parcours bei zuvor springfreudigen Pferden – das Pferd fürchtet den Schmerz bei der Landung
  • Trachtenzwanghuf: Durch die Entlastung der Trachtenregion verkümmert der Hornstrahl allmählich
  • Veränderter Abrieb vorne am Huf
  • Muskelatrophie bei einseitiger langanhaltender Schonung
Abgrenzung zur Hufrehe Bei der Hufrollenentzündung setzt das Pferd die Vorderhufe abwechselnd nach vorn, um die Hufrolle zu entlasten. Bei der Hufrehe werden in der Regel beide Vorderhufe gleichzeitig weit nach vorne gestreckt. Außerdem ist bei Hufrehe die Pulsation der Zehenarterien stark spürbar. Die endgültige Unterscheidung ist Sache des Tierarztes.

Ursachen – warum entsteht eine Hufrollenentzündung?

Direkte Antwort: Woher kommt die Hufrollenentzündung? Die Podotrochlose ist eine Faktorenkrankheit – mehrere Ursachen wirken zusammen: Überbelastung der Hufrolle (typisch bei Reitpferden durch gebogene Linien, Wendungen, Springen), ungünstige Hufform (steile oder flache Hufe, enge Trachten), Beschlag- und Korrekturfehler, Gliedmaßenfehlstellungen, Aufzuchtschäden durch Nährstoffmängel, Bewegungsmangel, inadäquate Belastung junger Pferde, genetische Veranlagung und Durchblutungsstörungen am Strahlbein. In unserer Beratung sehen wir fast immer mehrere dieser Faktoren gleichzeitig.

Die Podotrochlose ist eine sogenannte Faktorenkrankheit – mehrere Ursachen wirken zusammen. Die Hauptursache ist eine Überbelastung der Hufrolle. Das erklärt, warum sie bei Reitpferden so viel häufiger auftritt als bei Wildpferden: Durch gebogene Linien, enge Wendungen, hartes Dressurreiten und Springen wird das Umlenksystem der Hufrolle anders beansprucht als bei der reinen Fluchtbewegung nach vorn.

Die wichtigsten Einzelfaktoren

  • Ungünstige Hufform: Zu steile oder zu flache Hufe mit engen Trachten haben eine verminderte Dämpfungswirkung und belasten die Hufrolle.
  • Korrektur- und Beschlagfehler: Eine der wichtigsten beeinflussbaren Ursachen – aus unserer Erfahrung oft unterschätzt.
  • Gliedmaßen- und Zehenstellung: Fehlstellungen verlagern die Belastung einseitig.
  • Aufzuchtschäden: Nährstoffmängel in der Aufzucht können die Entwicklung der Hufrolle ungünstig prägen – ein Thema, das in unserer Beratung immer wieder eine Rolle spielt.
  • Haltungsfehler: Bewegungsmangel, dauerhaft harter Boden.
  • Inadäquate Belastung: Besonders bei jungen, noch nicht belastungsreifen Pferden im Leistungssport.
  • Genetische Veranlagung: Familiäre Häufungen sprechen für eine erbliche Komponente.
  • Durchblutungsstörungen: Thrombotische Veränderungen an distalen Strahlbeinarterien können zu Nekrosen führen.

Warum die Hufsituation bei Hufrolle so zentral ist

Essentiell ist bei allen Erkrankungen des Bewegungsapparates eine korrekte Hufsituation – und bei der Podotrochlose ganz besonders. Die heutige Lehrmeinung verhindert eine korrekte Hufsituation leider häufig, statt sie herzustellen. Eine ungünstige Hufform mit engen Trachten, ein falsch gesetzter Beschlag, eine nicht austarierte Zehenstellung – jeder dieser Punkte für sich kann eine Hufrolle anstoßen oder unterhalten. In der Beratung verweisen wir Halter konsequent an gute Hufbearbeiter, wenn wir merken, dass die Hufsituation die eigentliche Baustelle ist. Aus unserer Erfahrung lässt sich so mancher Hufrollenschub durch eine saubere Hufkorrektur vermeiden, für die keine Spritze und kein Bisphosphonat nötig wäre.

Und noch ein Gedanke: die Aufzucht

Nährstoffmängel in der Aufzucht – oder, genauso problematisch, hochdosierte synthetische Vitamine und Mineralien in den ersten Lebensjahren – können die Entwicklung von Strahlbein und umliegenden Strukturen ungünstig prägen. Der heute übliche Fohlenstarter führt zu schnellem Wachstum, das naturgemäß bedeutend langsamer vonstatten gehen würde. Der Bewegungsapparat erhält dabei oft erste, bleibende Schäden. Man möchte das Beste für sein Pferd – und erreicht, leider, das Gegenteil dessen. Wer ein achtjähriges Pferd mit Podotrochlose vor sich hat, muss manchmal ähnlich in der Aufzucht suchen wie beim Spat.

Diagnostik beim Tierarzt

Direkte Antwort: Wie wird die Hufrollenentzündung diagnostiziert? Das zuverlässigste Instrument ist die diagnostische Leitungsanästhesie: Der Nerv, der die Hufrolle versorgt, wird lokal betäubt. Geht das Pferd danach lahmfrei, ist die Hufrolle die Schmerzquelle. Ergänzend kommen die klinische Untersuchung, Beugeproben (besonders die Keilprobe), Röntgen (zeigt Veränderungen am Strahlbein) und zunehmend MRT (sichtbar werden auch Weichteile) zum Einsatz. Röntgenbefunde und klinisches Bild stimmen nicht immer überein – das ist ein wichtiger Punkt für Halter, die nur dem Röntgen trauen wollen.

Die Diagnose Hufrollenentzündung gehört eindeutig in tierärztliche Hand. Verschiedene Untersuchungen kommen zum Einsatz:

Klinische Untersuchung

Der Tierarzt beobachtet das Gangbild (auf hartem und weichem Boden, auf gerader Linie und im Zirkel), prüft die Stellung der Gliedmaßen, begutachtet den Huf selbst und die Stellung im Stand.

Zehengelenksbeugeprobe und Keilprobe

Die Keilprobe belastet gezielt den Hufrollenbereich. Das Pferd steht dabei mit dem Vorderhuf auf einem Keil, sodass die Zehe angehoben und die Hufrolle gedehnt wird. Nach einer Minute muss das Pferd antraben. Stärker werdende Lahmheit ist ein deutlicher Hinweis auf Hufrollenproblematik.

Diagnostische Anästhesie

Das zuverlässigste Instrument zur Diagnose. Der Nerv, der die Hufrolle versorgt, wird lokal betäubt. Geht das Pferd anschließend lahmfrei, ist die Hufrollenregion die Schmerzquelle. Das sogenannte „Umspringen der Lahmheit" nach einer Anästhesie gilt als eindeutige Diagnose der Podotrochlose.

Röntgen

Das Röntgenbild zeigt Veränderungen am Strahlbein – Auftreibungen an den unten im Strahlbein verlaufenden Kanälen gelten als typisch. Aber: Röntgenologische Befunde korrelieren nicht immer mit dem klinischen Bild. Es gibt Pferde mit deutlichen Röntgenveränderungen, die schmerzfrei laufen, und umgekehrt. Röntgen ist ein Baustein, nicht die alleinige Wahrheit.

MRT

Das MRT (Magnetresonanztomographie) liefert bei Hufrollenproblemen zunehmend wichtige Informationen, weil es auch die Weichteile (tiefe Beugesehne, Schleimbeutel) sichtbar macht. In manchen Fällen deckt das MRT Veränderungen auf, die im Röntgen unsichtbar bleiben.

Drei Mini-Erfahrungsberichte aus unserer Beratung

In unserer täglichen Beratung erleben wir immer wieder, dass die Diagnose „Hufrolle" nicht das Ende der Geschichte sein muss. Drei Beispiele:

CM
Christina mit Wallach Merlin
Hufgelenksentzündung · 9 Wochen Begleitung · Haaranalyse

„Bei Merlin wurde eine Hufgelenksentzündung diagnostiziert. Ich habe dann die Bioresonanz-Haaranalyse in Auftrag gegeben, weil mir die individuelle Pferdefütterung sehr wichtig war. Merlin ist auf bestem Wege – die Beweglichkeit wird immer besser, es gibt Tage, da lahmt er gar nicht mehr und würde am liebsten einen Hüpfer nach dem anderen machen. Am Montag war unsere Tierärztin da, welche ebenfalls sehr zufrieden ist. Aktuell gehen wir immer etwas spazieren, tagesabhängig, damit Bewegung ins Gelenk kommt – das scheint ihm sehr gut zu tun."

JC
Jessica mit Stute Cosma
Entzündung Hufgelenk · 2 Monate Leidensweg · zwei Tierkliniken

„Ich hatte Cosma gerade erst gekauft, als sie in der Box hängen blieb und sich schwer zerschrammte. Wenig später ging sie lahm. In der Tierklinik hieß es: Überbein entzündet. Spritzen, Verband, Stallruhe. Als ich wieder reiten wollte, ging sie erneut lahm – diesmal vorne rechts. Wieder Tierklinik, Diagnose 'Vertreten', wieder Entzündungshemmer. Das zog sich über zwei Monate. Ich war verzweifelt: neues junges Pferd, dauernd lahm. Dann schickte ich Haare zum Tierheilkundezentrum. Dort wurde eine Entzündung im Hufgelenk festgestellt und eine individuelle Empfehlung gegeben. Nach wenigen Tagen (nicht Monaten wie bei den Tierärzten) ging Cosma lahmfrei – und hat bis heute nichts wieder gehabt."

Übrigens: Jessica hatte auch ihre Stute Dixi bei uns in Begleitung – ein schwerer Atemwegsfall. Dixis Geschichte lesen →

AF
Andrea mit Andalusier-Stute Farida
Hufrollensyndrom Stufe 4 links, Stufe 3 rechts

„Die Diagnose Hufrollensyndrom Stufe 4 war vernichtend. Starke Schmerzmittel wechselten sich mit Kortison-Gaben ab, im Frühjahr war Farida völlig apathisch. Mein Tierarzt sagte, diese Art Behandlung geht nicht auf Dauer. Dann die Entscheidung zur ganzheitlichen Begleitung mit Haaranalyse, Kräutern und Globuli. Schon nach einigen Wochen ging es ihr besser – heute wird Farida wieder 1–2 Mal pro Woche im Schritt geritten."

Faridas komplette Geschichte lesen →

Schulmedizinische Begleitung

Direkte Antwort: Welche schulmedizinischen Verfahren gibt es? Akut kommen Schmerzmittel und Entzündungshemmer zum Einsatz, Kortison kann direkt in die Hufrolle injiziert werden. Der Schlüssel aber ist die Hufbearbeitung: Stoßdämpfende Spezialbeschläge wie Eiereisen mit Polsterung entlasten die tiefe Beugesehne. Bisphosphonate (Tildren/Osphos) hemmen den Knochenabbau – Studien zeigen deutliche Besserung nach 2–6 Monaten. Stoßwellentherapie wird ergänzend eingesetzt. Die Neurektomie sehen wir sehr kritisch: Sie nimmt den Schmerz, aber nicht die Ursache – und das Warnsignal fehlt dann.

Schmerzlinderung und Entzündungshemmung

Im akuten Schub kommen zunächst Schmerzmittel und Entzündungshemmer (z.B. Phenylbutazon, Firocoxib) zum Einsatz. Kortison kann direkt an die Hufrolle injiziert werden. Beides bringt Linderung, behandelt aber nicht die Ursache. Eine Dauermedikation ist wegen der Nebenwirkungen (Magen, Leber, Nieren) nicht möglich.

Spezialbeschlag und Hufbearbeitung

Die Hufbearbeitung ist der Schlüssel. Stoßdämpfende Spezialbeschläge wie Eiereisen mit Polsterung verringern die Stoßbelastung und entlasten die tiefe Beugesehne. Ziel ist, die Zugkraft auf die Hufrolle zu reduzieren und eine gleichmäßige Lastverteilung zu erreichen. Manche Hufbearbeiter setzen auch auf einen möglichst natürlichen Hufausschnitt ohne Beschlag – der richtige Weg ist individuell und gehört in erfahrene Hände.

Bisphosphonate (Tildren, Osphos)

Clodronsäure ist derzeit das einzige speziell zur Behandlung des Hufrollensyndroms zugelassene Bisphosphonat. Es hemmt die knochenabbauenden Osteoklasten und führt zu vermehrter Einlagerung von Kalzium in den Knochen. In einer Vergleichsstudie verbesserten sich die Lahmheiten bei Pferden mit höherer Tiludronat-Dosis deutlich; 2 bis 6 Monate nach der Behandlung konnten viele wieder normal gearbeitet werden. Die Erfolgsaussichten sind umso größer, je früher nach Auftreten der Symptome behandelt wird.

Stoßwellentherapie

Die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) fokussiert Schalldruckwellen auf den Schmerzherd. Diskutiert werden Veränderungen in der Mikrostruktur des Gewebes, Beeinflussung der Nervenstrukturen und Durchblutungsförderung. Behandlungserfahrungen zeigen bei einem Teil der Pferde deutliche Besserung, in manchen Fällen sogar radiologisch erkennbare Knochenneubildung.

Neurektomie – kritisch zu betrachten

Die Neurektomie (Durchtrennung der Palmarnerven) macht das Pferd schmerzfrei, beseitigt aber die Podotrochlose nicht. Das klingt auf den ersten Blick attraktiv, ist aber kritisch: Das schmerzfreie Pferd kann sich selbst überlasten, weil es das Warnsignal Schmerz nicht mehr hat. Zudem fehlt die Wahrnehmung für Verletzungen oder Hufkrankheiten in diesem Bereich. Wir sehen die Neurektomie als allerletzten Ausweg, nicht als Standardoption.

Unsere Einordnung Die Hufrollenentzündung ist kein Fall, bei dem die Naturheilkunde alle tierärztlichen Verfahren ersetzt. Im Gegenteil: Eine gute Begleitung beginnt mit einer sauberen tierärztlichen Diagnose und – wo indiziert – schulmedizinischer Erstversorgung. Die naturheilkundliche Seite ergänzt dann dort, wo es um Langzeitbegleitung geht, wo wiederholte Kortison-Injektionen nicht mehr sinnvoll sind und wo der Pferdehalter selbst aktiv werden möchte.

Naturheilkundliche Begleitung

Direkte Antwort: Welche Kräuter helfen bei der Hufrollenentzündung? Bewährt haben sich Teufelskralle (entzündungshemmend und nach 6+ Monaten knorpelschützend), Mädesüß/Spierkraut (sanft entzündungshemmend durch natürliche Salicylate), Hagebutte (knorpelschützend durch Galaktolipide), Ingwer (durchblutungsfördernd) und Glucosamin (Knorpelbaustein). Aus unserer Erfahrung wirken diese Kräuter als abgestimmte Kombination deutlich zuverlässiger als einzeln. Teufelskralle und Ingwer sind dopingrelevant (96 h ADMR-Karenz) und nicht geeignet bei Hufrehe, Cushing, Magengeschwüren und trächtigen Stuten.

Die vier Säulen

Die Prinzipien sind dieselben wie bei anderen arthrotischen Erkrankungen: Haltung mit stetiger freier Bewegung, Bewegung in dosierter Form (ruhige Schritttouren, wenig enge Wendungen, plane Böden), Fütterung ausgewogen und mineralstoffoptimiert, und – besonders wichtig bei der Podotrochlose – Hufbearbeitung. Die Details haben wir im Pillar zu Lahmheiten beim Pferd ausführlich beschrieben.

Bewegung bei Hufrolle – der richtige Weg

Ruhige, gleichmäßige Bewegung ist bei der Hufrollenentzündung besonders wichtig, weil sie die Durchblutung im Huf anregt: 15 Minuten Schritt und langsamer Trab erhöhen die Zirkulation im Huf deutlich. Das Pferd darf aber nicht überfordert werden. Zu vermeiden sind: enge Wendungen, harte Böden, Springen, lange Galoppstrecken auf unebenem Grund. Stattdessen: ruhige, lange Schrittritte auf weichem, planem Boden.

Unsere Produktempfehlung bei Hufrolle

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Flüssiges Ergänzungsfuttermittel mit Mädesüß (Spierkraut), Teufelskralle, Hagebutte, Ginkgo, Pinus pinaster, Weidenrinde und Yucca. Gut aufnehmbar, auch für Pferde geeignet, die Pulverprodukte nicht gern fressen. Bei der Hufrollenentzündung besonders passend, weil die Kombination gezielt auf Schleimbeutel, Sehnen und Knochen wirkt – also auf die Strukturen, die bei der Podotrochlose mitbetroffen sind. Wichtig: Wegen des Teufelskralle-Anteils nicht für trächtige Stuten, Hufrehe- oder Cushing-Patienten und nicht bei Magengeschwüren; bei Turnierpferden ADMR-Karenz 96 Stunden.

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Wichtig: Doping-Karenz bei Teufelskralle und Ingwer Teufelskralle ist laut ADMR der Deutschen Reiterlichen Vereinigung dopingrelevant. Bei geplantem Turnierstart muss die Fütterung mindestens 96 Stunden (4 Tage) vor dem Start eingestellt werden. Auch Ingwer gilt als dopingrelevant. Nicht geeignet sind Produkte mit Teufelskralle für tragende Stuten, Pferde mit Hufrehe oder Cushing sowie Pferde mit Magengeschwüren.

Warum diese Kombination bei Hufrolle

Aus 26 Jahren Begleitung hat sich für uns gezeigt: Bei der Hufrollenentzündung braucht es eine Mischung, die sowohl auf den Knorpel des Strahlbein-Hufgelenk-Bereichs wirkt als auch auf die Entzündung von Sehne und Schleimbeutel. Deshalb kombinieren wir in der Beratung oft Gelenk-Stark (Glucosamin für Knorpel), Lauf-Fit Spezial (Kräuter mit Zimt für Sehnen/Schleimbeutel) und für flüssigkeitsliebende Pferde alternativ oder ergänzend easy tasty.

Homöopathische Begleitung

Die Homöopathie bei der Hufrollenentzündung wird am besten individuell abgestimmt, beispielsweise über eine Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse. Bewährte Komplexmittel sind Nehls Vet-Komplex Nr. 2 und Nr. 9.

Können Pferde mit Hufrollenentzündung noch geritten werden?

Die ehrliche Antwort: Das hängt vom Stadium ab und davon, was „reiten" bedeutet. Pferde mit Hufrollensyndrom müssen sich bewegen – gleichzeitig dürfen sie nicht überfordert werden. Die große Sportkarriere ist bei einer diagnostizierten Hufrollenentzündung in den meisten Fällen zu Ende, weil die Gefahr erneuter Schübe bestehen bleibt. Als Freizeitpartner können Pferde mit Hufrollenentzündung aber durchaus noch ein schönes Leben haben – viele werden jahrelang im Schritt mit gelegentlichen Trab- und Galopppassagen geritten. Das Gespräch mit dem behandelnden Tierarzt und dem Hufschmied ist entscheidend.

Häufige Fragen zur Hufrollenentzündung

Ist die Hufrollenentzündung heilbar?
Nein. Die Podotrochlose gilt als nicht heilbar, weil die degenerativen Veränderungen am Strahlbein, an der tiefen Beugesehne und am Schleimbeutel nicht rückgängig zu machen sind. Ziel jeder Behandlung ist, das Fortschreiten zu bremsen und die Schmerzen zu lindern. Mit passender Hufbearbeitung, dosierter Bewegung, durchdachter Fütterung und naturheilkundlicher Begleitung erreichen viele Pferde über Jahre eine gute Lebensqualität.
In welchem Alter tritt die Hufrollenentzündung typischerweise auf?
Meist zwischen dem 6. und 14. Lebensjahr, Durchschnittsalter etwa 8 Jahre. Wallache scheinen häufiger betroffen zu sein. Aber auch junge und ungerittene Pferde können an der Podotrochlose erkranken – was auf die Rolle genetischer und aufzuchtbedingter Faktoren hinweist.
Ist die Hufrollenentzündung eine reine Sportpferde-Krankheit?
Sie ist bei Sport- und Springpferden deutlich häufiger, weil gebogene Linien, enge Wendungen und Sprünge die Hufrolle besonders belasten. Aber auch Freizeitpferde, Kutschpferde und sogar junge oder ungerittene Pferde können betroffen sein.
Wie wird die Hufrollenentzündung sicher diagnostiziert?
Die eindeutigste Diagnose liefert die diagnostische Leitungsanästhesie: Wenn die Lahmheit nach Betäubung der Hufrollenregion verschwindet, spricht das für die Podotrochlose. Ergänzend werden Röntgen und zunehmend MRT eingesetzt – das MRT zeigt auch Weichteilveränderungen.
Was ist der Unterschied zur Hufrehe?
Bei der Hufrolle setzt das Pferd die Vorderhufe abwechselnd nach vorn – mal der linke, mal der rechte, zur Entlastung. Bei Hufrehe werden in der Regel beide Vorderhufe gleichzeitig weit vorgestreckt. Außerdem ist bei Hufrehe die Pulsation der Zehenarterien stark spürbar, die Hufe sind warm. Die endgültige Unterscheidung gehört in tierärztliche Hand.
Hilft ein Spezialbeschlag wirklich?
Ja, ein fachgerecht angepasster Beschlag kann spürbare Entlastung bringen. Stoßdämpfende Beschläge (Eiereisen mit Polster, Kunststoffhufeisen) verringern die Belastung der Hufrolle. Manche Pferde profitieren von einem natürlichen Hufausschnitt ohne Beschlag. Der richtige Weg ist individuell und sollte mit einem erfahrenen Hufschmied oder Hufbearbeiter gemeinsam mit dem Tierarzt entschieden werden.
Helfen Kräuter wirklich bei Hufrollenentzündung?
Teufelskralle, Weidenrinde und Ingwer haben gut belegte entzündungshemmende Eigenschaften – besonders Teufelskralle zeigt in Studien zusätzlich eine knorpelschützende Wirkung nach 6+ Monaten. Die Wirkung tritt nicht sofort ein (erst nach 2–3 Wochen), ist aber gut dokumentiert. Kräuter allein lösen das Problem nicht – sie ergänzen eine passende Haltung, Hufbearbeitung und angepasste Bewegung. Beachten Sie Doping-Karenzen bei Turnierpferden.
Sollte ich eine Neurektomie machen lassen?
Die Neurektomie ist kritisch zu betrachten. Sie nimmt zwar den Schmerz, beseitigt aber nicht die Podotrochlose – das Pferd kann sich selbst überlasten, weil das Warnsignal fehlt. Außerdem fehlt die Wahrnehmung für andere Hufprobleme. Wir sehen die Neurektomie als allerletzten Ausweg, nicht als Standardoption.

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Persönliche Beratung
Tatjana Siebert
Geprüfte Tierheilpraktikerin (VDT) · Zertifizierte Ernährungsberaterin für Tiere (Paracelsus/TÜV)
Beantwortet eure Fragen zu Hufrolle, Bewegungsapparat, Fütterung und Haaranalyse.
und unser erfahrenes Team mit Sina, Sabrina, Lara, Julia, Vanessa & Josie.
Wir stehen für Sie/Euch da – per Beratung oder über die Haaranalyse.