Fütterung bei Hufrehe – was wirklich hilft und was nicht
Mehr als Diät: Heu, Fruktan, Weide und warum trotz Nulldiät Schübe kommen
Hufrehe – alle Themen im Überblick
Fütterung ist einer der wichtigsten Hebel bei Hufrehe – aber kein Allheilmittel und kein Schema. Im akuten Schub gilt: Weide und Kraftfutter sofort stoppen, qualitatives Heu in angepasster Menge, kein Nahrungsentzug. Langfristig entscheidet nicht die strengste Diät, sondern die individuell passende Fütterung, die Heuqualität und das Weidemanagement. Was uns nach über 26 Jahren täglich beschäftigt: Viele Pferde bekommen trotz Null-Diät und gewässertem Heu immer wieder Schübe – weil die eigentliche Ursache nicht die Fütterung allein ist, sondern ein Stoffwechsel, der aus dem Gleichgewicht geraten ist.
- Im akuten Schub: Weide und Kraftfutter sofort stoppen – Heu in angepasster Menge weiter anbieten, kein Nahrungsentzug
- Heuqualität vor Heumenge: NSC (Zucker + Stärke) unter 10% in der Trockenmasse ist das Ziel
- Heu wässern senkt den Zuckeranteil – senkt aber auch Mineralstoffe; Mineralversorgung anpassen
- Fruktan im Gras: Risikophasen sind Frühjahr, Herbst und kühle Nächte mit sonnigem Tag
- Mineralfutter ist Pflicht – auch in der Diätphase; entmineralisierte Rehepferde regenerieren langsamer
- Trotz strenger Diät immer wieder Schübe? Dann liegt die Ursache oft woanders: Stoffwechsel, Leber, EMS, PPID
Warum Fütterung bei Hufrehe mehr ist als Diät
„Kein Gras, kein Getreide, nur Heu." Das ist die bekannteste Formel bei Hufrehe – und sie ist nicht falsch. Aber sie greift zu kurz.
In unserer täglichen Praxis sehen wir regelmäßig Pferde, die seit Jahren streng geführt werden: kein Weidegang, kein Kraftfutter, gewässertes Heu, keine Leckerlis. Und dennoch kommt der nächste Schub. Manchmal sogar bei Pferden, die ausschließlich Heu und Stroh bekommen.
Das zeigt: Fütterung ist ein zentraler Baustein – aber sie ist nicht der einzige. Sie kann den Stoffwechsel entlasten oder belasten. Aber sie kann einen grundlegend entgleisten Stoffwechsel nicht allein korrigieren. Deshalb verstehen wir Fütterung bei Hufrehe immer als Teil eines größeren Bildes – neben Hufsituation, Bewegung, Haltung und systemischer Ursachenforschung.
Akuter Schub: Was sofort zu tun ist – fütterungsseitig
Sobald der Verdacht auf Hufrehe besteht oder der Tierarzt die Diagnose gestellt hat, gilt fütterungsseitig:
Sofort stoppen: Weidegang, Kraftfutter, Müsli, Mash, Leckerlis, Brot, Obst, Karotten in größeren Mengen.
Weiter anbieten: Qualitatives Heu in angepasster Menge – nicht zu wenig, nicht zu viel. Kein Nahrungsentzug. Das Pferd ist ein Dauerfresser, dessen Verdauungssystem kontinuierlich mit Raufutter versorgt sein muss. Lange Fresspausen erhöhen das Magengeschwür-Risiko und setzen das Pferd zusätzlichem Stress aus. Niemals mehr als 5 Stunden ohne Futter.
| Futterzustand | Heu täglich | Ergänzung |
|---|---|---|
| Übergewichtig | ca. 1–1,5 kg pro 100 kg Körpergewicht | Mit Stroh strecken |
| Normalgewichtig | ca. 1,5–2 kg pro 100 kg Körpergewicht | Optional Stroh |
| Untergewichtig / mager | Zur freien Verfügung | Kein Stroh als Ersatz |
Heu – das Fundament der Hufrehe-Fütterung
Heu ist bei Hufrehe das wichtigste Futtermittel – aber nicht jedes Heu ist gleich. Das entscheidende Problem ist oft nicht die Menge, sondern die Qualität.
Heuqualität: NSC als Zielwert
Hochleistungsgras, das für Milchwirtschaft optimiert wird (vor allem Deutsches Weidelgras), enthält deutlich mehr Fruktan und Zucker als extensiv gewonnenes Wiesenheu. Analysen zeigen Schwankungen zwischen 2% und 18% Zucker im Heu – ein enormer Unterschied für ein empfindliches Pferd. Unsere Empfehlung: Eine LUFA-Heuanalyse ist bei Rehepferden keine Luxusmaßnahme, sondern Grundlage. Zielwert: NSC (Zucker + Stärke + Fruktan zusammen) unter 10% in der Trockenmasse.
Wann Heu wässern sinnvoll ist – und wann nicht
Heu 30–60 Minuten vollständig eingetaucht wässern senkt den wasserlöslichen Zuckeranteil um bis zu 40%. Gleichzeitig werden jedoch Mineralstoffe, Kalzium, Phosphor und Magnesium ausgewaschen. Wer dauerhaft wässert ohne die Mineralstoffversorgung anzupassen, erzeugt einen Mangel.
Wässern nicht nötig wenn: Analysiertes Heu mit NSC unter 10% vorliegt · Das Pferd keine Insulinresistenz oder EMS hat · Eine dauerhafte Lösung gesucht wird – dann lieber besseres Heu besorgen.
Wichtig: Gewässertes Heu sofort verfüttern – es bildet sich schnell Schimmel.
Keine langen Fresspausen
Das Pferd ist evolutionär auf 16–18 Stunden Fresszeit täglich ausgelegt. Lange Pausen erhöhen Stress, fördern Magengeschwüre und können paradoxerweise Stoffwechselentgleisungen begünstigen. Heunetze mit engerer Maschenweite verlangsamen die Futteraufnahme, ohne die Menge zu erhöhen – eine der besten Maßnahmen bei Diätpferden.
Fruktan, Gras und Weide – differenziert, nicht dogmatisch
Die häufigste Aussage über Hufrehe und Weide lautet: „Kein Gras." Die ehrlichere Aussage lautet: Es kommt auf das Pferd, die Jahreszeit, das Wetter und den Hintergrund an.
Warum Gras gefährlich werden kann
Gras enthält Fruktan – einen Mehrfachzucker, der als Energiespeicher dient. Im Dickdarm des Pferdes kann Fruktan nicht enzymatisch abgebaut werden. Gelangt zu viel Fruktan in den Dickdarm, kommt es zu einer Verschiebung der Darmflora, pH-Absenkung, Bildung von Endotoxinen – diese gelangen über die Darmwand ins Blut und können eine Hufrehe auslösen.
Der Fruktangehalt im Gras schwankt erheblich:
- Jahreszeit: Höchste Werte im Frühjahr (Mai) und Herbst (Oktober/November)
- Tageszeit: Nachmittags nach sonnigem Tag deutlich höher als morgens
- Witterung: Kühle Nächte mit sonnigem Tag = Hochrisikolage; warmes bedecktes Wetter mit gutem Wachstum = geringe Fruktanakkumulation
- Grasart: Deutsches Weidelgras bildet besonders hohe Fruktanmengen; Knaulgras und Wiesenfuchsschwanz deutlich weniger
- Pflanzenstress: Kurz gestresstes, abgefressenes Gras speichert mehr Fruktan als gut gewachsenes überständiges Gras
Kluges Weidemanagement statt pauschaler Weideentzug
Pferde ohne EMS/PPID-Hintergrund nach einem einmaligen Schub:
- Weide in der Erholungsphase schrittweise wieder einführen
- Günstigste Weidezeiten: früh morgens vor 10 Uhr oder abends nach Sonnenuntergang
- Risikophasen meiden: sonnige Frühjahrs- und Herbsttage, besonders nach Nachtfrost
- Kein Weidegang auf abgefressenen Kurzgrasweiden – gestresstes Gras enthält mehr Fruktan
- Immer Heu vor dem Weidegang anbieten – ein voller Heumagen verlangsamt die Grasaufnahme
Pferde mit EMS oder PPID:
- Weidemanagement deutlich strikter; in Hochrisikophasen vollständiger Weideentzug
- Fressbremse kann helfen – reduziert Futteraufnahme um 30–70%; nicht dauerhaft einsetzen
- Ende Juni/Juli günstiger für Weideeinstieg als Frühjahr (niedrigere Fruktanwerte)
- Immer in Absprache mit dem Tierarzt
Was wirklich schadet – Kraftfutter, Leckerlis, Karotten
Kraftfutter
Bei Hufrehe gehört Kraftfutter in der akuten Phase vollständig aus der Ration. Getreide (Hafer, Gerste, Mais) enthält viel Stärke – überschreitet sie die Dünndarmkapazität, gelangt unverdaute Stärke in den Dickdarm und löst denselben Mechanismus aus wie zu viel Fruktan. Langfristig gilt: Die meisten Freizeitpferde brauchen bei ausreichend gutem Heu gar kein Kraftfutter. Ist Kraftfutter unvermeidlich, gilt: getreidefrei, melassefrei, in kleinen Portionen über den Tag verteilt.
Karotten, Äpfel, Leckerlis
Äpfel und Birnen enthalten 10–12% Zucker, Karotten bis zu 10%. Für ein gesundes Pferd kein Problem – für ein empfindliches Rehepferd mit Insulinresistenz ist selbst eine Karotte täglich ein dauerhafter Belastungsfaktor. Brot ist wegen seines hohen Stärkegehalts besonders problematisch. Getrocknete Leckerlis enthalten durch die Trocknung konzentrierten Zucker – auch wenn sie als „energiearm" vermarktet werden. Ein bis zwei Karotten bei stabilen Verhältnissen sind tolerierbar. In größeren Mengen als Trostpflaster sind sie keine gute Idee.
Fütterung bei EMS und PPID – besondere Anforderungen
Pferde mit EMS (Equines Metabolisches Syndrom) oder PPID (Cushing) entwickeln Hufrehe auf einem grundlegend anderen Weg: nicht primär durch Fütterungsfehler, sondern durch einen dauerhaft erhöhten Insulinspiegel, der die Lamellenschicht des Hufbeinträgers direkt schädigt. Das bedeutet: Diese Pferde können einen Reheschub bekommen, auch wenn die Fütterung objektiv gut ist – weil das Hormonsystem nicht mitspielt.
Ziel ist ein dauerhaft niedriger glykämischer Index der gesamten Ration:
- Heu mit NSC unter 10% als Grundlage
- Kein Kraftfutter, kein Getreide
- Kein Frischgras oder sehr restriktives Weidemanagement
- Mineralfutter ohne Melasse, ohne Zucker, ohne Getreide
- Trägerfuttermittel: unmelassierte Rübenschnitzel statt Müsli
Abnehmen bei EMS – aber richtig
Übergewichtige EMS-Pferde müssen abnehmen – aber langsam und kontrolliert. Ein zu starker Nahrungsentzug bei Ponys und leichtfuttrigen Rassen kann zur Hyperlipämie führen, einer lebensbedrohlichen Fettstoffwechselstörung. Faustregel: maximal 1–2 cm Bauchumfangverlust pro Woche (gemessen in der Gurtlage). Bewegung ist dabei der wichtigste Partner der Diät – moderates tägliches Training verbessert die Insulinsensitivität der Zellen deutlich mehr als Futterreduktion allein.
Warum trotz perfekter Diät immer wieder Schübe kommen
Das ist der Teil, über den in den meisten Ratgebern nicht gesprochen wird – und der uns täglich erreicht.
In unserer Praxis sehen wir regelmäßig Pferde, die seit Jahren kein Gras bekommen, ausschließlich analysiertes gewässertes Heu fressen, kein Kraftfutter und keine Leckerlis bekommen – und trotzdem alle 6–12 Monate einen neuen Schub haben. Weil die eigentliche Ursache nicht angetastet wurde.
Das kann sein:
- Ein Stoffwechsel, der durch Leberbelastung, Toxine oder chronische Dysregulation dauerhaft aus dem Gleichgewicht ist
- Eine Hufsituation mit mechanischer Dauerbeanspruchung des Hufbeinträgers
- Eine hormonelle Dysregulation (EMS oder PPID), die noch nicht diagnostiziert wurde
- Stress als chronischer Auslöser – Stress erhöht Kortisol, Kortisol beeinflusst den Blutzucker, und ein schwankender Blutzucker belastet die Huflederhaut
- Mineralstoffimbalancen, die trotz Mineralfutter bestehen – weil das falsche Mineralfutter gegeben wird
„Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse" – individuelle Ursachenforschung
Genau bei diesen Fällen empfehlen wir die „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse". Sie macht individuelle Belastungsfelder sichtbar: Leber, Hormonsystem, Mineralstoffhaushalt, Darmflora, Toxine. Auf dieser Grundlage erstellen wir einen individuellen Begleitplan – Fütterungsempfehlung, Kräutermischung und Homöopathie.
Mineralstoffversorgung – warum Diät nicht Mangel bedeuten darf
Ein häufiger und folgenreicher Fehler: Das Rehepferd bekommt monatelang nur Heu und Stroh – aber kein Mineralfutter. Die Begründung klingt logisch: „Wir wollen den Stoffwechsel nicht belasten." Das Gegenteil ist richtig. Gerade in der Erholungsphase arbeitet der Organismus auf Hochtouren: Hufhorn muss neu gebildet werden, Entzündungsprodukte müssen abgebaut werden. All das braucht Mikronährstoffe – Zink, Biotin, Selen, Kupfer, Mangan, B-Vitamine, Vitamin E. Ein entmineralisiertes Diätpferd regeneriert langsamer und bleibt anfälliger für den nächsten Schub.
Unser Ansatz: Mineralstoffversorgung über naturnahe, pflanzenbasierte Quellen ohne Melasse, Getreide und synthetische Füllstoffe. Das Nehls Pferdefutter für stoffwechselempfindliche Pferde ist stärkearm, strukturreich und ohne synthetische Zusatzstoffe – entwickelt aus der täglichen Praxisarbeit mit Rehepferden.
Häufige Fragen zur Fütterung bei Hufrehe
Unsere Produkte für Hufrehe-Pferde
Akute Hufsituation: flüssige und getrocknete Kräuter kombiniert – zum Testen welche Darreichungsform das Pferd annimmt, und als erste naturbelassene Begleitung.
→ Zum SetStärkearm, strukturreich, ohne synthetische Zusatzstoffe – als alleiniges Krippenfutter für Rehepferde geeignet.
→ Zum ProduktWiederkehrende Schübe trotz Diät – individuelle Ursachenforschung
Was genau hinter der Hufrehe steckt – Stoffwechsel, Leber, Mineralstoffhaushalt, Hormonsystem – zeigt die „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse". Grundlage für einen Begleitplan, der wirklich zu diesem Pferd passt.
Zur „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse" →Weitere Ratgeber im Hufrehe-Cluster
- → Hufrehe beim Pferd – vollständiger Ratgeber mit Notfallhilfe
- → Hufrehe-Symptome erkennen – Vorläufer, akutes und chronisches Stadium
- → Hufrehe vorbeugen – Weidemanagement, Fütterung, Risikofaktoren
- → Hufbeinträger, Rotation & Senkung – was im Huf wirklich passiert
- → Erfahrungsberichte: Hufrehe erfolgreich begleitet
