Kurze Zusammenfassung: Hufrehe beim Pferd erkennen
Hufrehe beginnt selten mit dem Vollbild, das viele kennen – dem Pferd, das sich kaum noch bewegt und deutlich in Rehehaltung steht. Die meisten Schübe kündigen sich früher an, oft so leise, dass die Zeichen im Stallalltag leicht übersehen werden.
Typische frühe Anzeichen sind: verstärkte Wärme an den Vorderhufen, eine fühlbar stärkere Pulsation an der Zehenarterie, vorsichtiges Anlaufen nach Standphasen, Widerwilligkeit beim Hufegeben und ein verkürzter, gebundener Schritt – besonders auf hartem Boden und in engen Wendungen.
Im akuten Schub zeigen Pferde deutliche Lahmheit, Wendeschmerz, starke Hufwärme und die charakteristische Sägebockstellung, bei der die Vorderbeine nach vorne gestreckt werden. Eine akute Hufrehe ist immer ein Notfall – sofort tierärztlich abklären lassen.
Im chronischen Stadium können die Hufe kalt werden, da die Durchblutung nachlässt. Es bilden sich Reheringe an der Hufwand, die weiße Linie verbreitert sich, und das Hufbein kann sich absenken oder rotieren.
Besonders aufmerksam sollten Halter von Pferden und Ponys mit EMS, PPID (Cushing) oder Übergewicht sein – diese Tiere zeigen Hufrehe oft subtiler und schleichender als andere.
Fachliche Einordnung
Dieser Ratgeber wurde von Tierärztin Katrin Knecht gemeinsam mit dem Team des Tierheilkundezentrums Nehls erstellt. Katrin Knecht bringt über 20 Jahre veterinärmedizinische Erfahrung in den Bereichen Fütterung, Stoffwechsel und naturorientierte Tierbegleitung ein. Die beschriebenen Hinweise ersetzen keine tierärztliche Diagnostik oder Behandlung, sondern helfen, mögliche Anzeichen frühzeitig wahrzunehmen und richtig einzuordnen.
Warum Hufrehe so oft zu spät erkannt wird
In unserer täglichen Praxis im Tierheilkundezentrum Nehls zeigt sich immer wieder dasselbe Muster: Hufrehe scheitert selten daran, dass die Symptome grundsätzlich unklar wären. Sie scheitert daran, dass Menschen die Zeichen zunächst falsch einordnen.
Ein mageres Pferd passt für viele nicht ins typische Bild. Eine einseitige Lahmheit wirkt zunächst eher orthopädisch als stoffwechselbedingt. Ein Pferd, das nur etwas vorsichtiger läuft oder ungern Hufe gibt, erscheint vielen noch nicht als Notfall. Genau hier liegt das Problem.
Hinzu kommt: Der akute Reheschub, bei dem das Pferd die Bewegung komplett verweigert und kaum noch steht, ist nach neueren Erkenntnissen oft die Spitze des Eisbergs. Bei Pferden mit endokriner Hufrehe – also auf dem Boden von EMS oder PPID – kündigt sich das Geschehen oft über Wochen oder Monate an, bevor es zur offensichtlichen Krise kommt.
Wer lernt, die frühen, leisen Zeichen zu lesen, kann frühzeitig handeln und seinem Pferd viel Schmerz ersparen.
Die drei Stadien der Hufrehe – und ihre Zeichen
Stadium 1: Das Vorläuferstadium – die leisen Zeichen
Das Vorläuferstadium der Hufrehe ist das schwierigste, weil die Veränderungen noch so unspektakulär sind, dass sie im Stallalltag leicht als „Wehwehchen“ abgetan werden. Ponys zeigen sich dabei oft noch unaufälliger als Großpferde.
Was du beobachten kannst:
- Das Pferd gibt die Hufe widerwilliger als sonst oder lehnt sich beim Aufheben deutlich an
- Es läuft auf hartem Boden etwas gebunden oder klemmig – besonders vorne und in Wendungen
- Der Schritt wirkt verkürzt, vorsichtig, weniger schwungvoll als gewohnt
- Nach längeren Standphasen braucht das Pferd mehr Zeit, um „in Gang zu kommen“
- Die Vorderhufe fühlen sich wärmer an als die Hinterhufe – am besten im Seitenvergleich tasten
- An der Zehenarterie (seitlich am Fesselkopf) ist eine leichte, aber spürbare Pulsation zu fühlen
- Das Pferd wirkt in sich gekehrt, unaufmerksamer oder leicht gereizt
- Beim Hufschmied wird das Pferd unkooperativer als sonst
Keines dieser Zeichen allein beweist eine Hufrehe. Wenn sich aber mehrere davon häufen – besonders in Kombination mit einem Risikofaktor wie Weidewechsel, Futterumstellung, Übergewicht oder bekanntem EMS – sollte immer frühzeitig tierärztlich hingeschaut werden.
Wichtig: Die Hufzangenprobe ist im Vorläuferstadium oft wenig aussagekräftig. Viele Pferde mit beginnender Hufrehe reagieren auf Zangendruck kaum. Für die Früherkennung sind Gangbild, Hufwärme und Pulsation oft zuverlässigere Hinweise.
Stadium 2: Der akute Reheschub – immer ein Notfall
Im akuten Schub ist die Diagnose meist nicht mehr schwer zu stellen – aber die Situation ist ernst. Jetzt zählt jede Stunde.
Typische Zeichen des akuten Schubs:
- Deutliche Lahmheit, oft an beiden Vorderhufen gleichzeitig
- Starker Wendeschmerz – das Pferd dreht sich nur noch ungern im Kreis
- Die Vorderhufe sind heiß, die Pulsation an der Zehenarterie ist klar spürbar und pochend
- Das Pferd nimmt die typische Sägebockstellung ein: Vorderbeine weit nach vorne gestreckt, Hinterbeine weit unter den Körper genommen
- Das Pferd liegt deutlich häufiger als gewohnt oder will sich gar nicht mehr aufraffen
- Es verweigert das Hufegeben vollständig
- Manche Pferde zeigen kolikähnliches Verhalten – Unruhe, Schwitzen, Wälzen
- Die Futteraufnahme sinkt, das Pferd wirkt apathisch
Was jetzt sofort zu tun ist:
- Tierarzt anrufen – sofort
- Pferd auf weichen, tiefen Untergrund bringen (dick eingestreute Box, Sand, Späne)
- Weidegang und Kraftfutter sofort stoppen
- Raufutter in angepasster Menge anbieten
- Keine unnötigen Wege – jeder Schritt ist schmerzhaft
- Ob und wie gekühlt wird, welche Medikation sinnvoll ist und welche Hufmaßnahmen erforderlich sind – das gehört in die Hand des Tierarztes
Stadium 3: Die chronische Hufrehe – wenn Schäden bleiben
Chronische Hufrehe entsteht, wenn der akute Schub nicht rechtzeitig behandelt wird oder sich Schübe wiederholen. Sie kann sich bereits 48 bis 72 Stunden nach dem akuten Beginn entwickeln.
Zeichen der chronischen Hufrehe:
- Die Hufe sind jetzt häufig kalt, weil die Durchblutung nachlässt
- Das Pferd lahmt weiterhin, wirkt apathisch und bevorzugt das Liegen
- An der Hufwand bilden sich Reheringe – horizontale Rillen
- Die weiße Linie an der Hufsohle verbreitert sich sichtbar
- Die Zehenwand verläuft konkav statt gerade – der Huf kann eine Knolle bilden
- Bei Röntgen sieht man: das Hufbein rotiert oder senkt sich ab
- Im schwersten Fall: Hufbeindurchbruch durch die Sohle oder Ausschuhen
In unserer über 26-jährigen Arbeit im Tierheilkundezentrum Nehls sehen wir regelmäßig Röntgenbilder, bei denen sich eine Rotation oder Senkung im Verlauf einer konsequenten ganzheitlichen Therapie deutlich verbessert hat – manchmal bis zur vollständigen Regeneration.
Hufrehe bei EMS und PPID – die besonders heimtückische Form
Pferde und Ponys mit EMS (Equines Metabolisches Syndrom) oder PPID (Cushing-Syndrom) entwickeln Hufrehe auf einem grundlegend anderen Weg. Das macht ihre Symptome oft subtiler und den Verlauf schleichender.
Was bei diesen Pferden auffällt:
- Wiederkehrende Reheschübe ohne klaren äußeren Auslöser
- Fühligkeit, die sich schleichend einschleicht und nicht mehr ganz verschwindet
- Fettdepots am Hals (Mähnenkamm), hinter den Schultern, an Kruppe oder Schweif
- Beim PPID-Pferd: verzögerter Fellwechsel, langes lockiges Fell, Muskelschwund der Oberlinie
- Das Pferd reagiert schon auf kleine Grasmengen mit einem Schub
So tastest du die Pulsation – eine praktische Anleitung
- Stell dich seitlich neben das Pferd, halte die Fessel locker in einer Hand
- Lege Zeige- und Mittelfinger seitlich an den Fesselkopf, leicht unterhalb des Fesselgelenks
- Beim gesunden Pferd ist die Pulsation kaum spürbar oder gar nicht wahrnehmbar
- Eine deutliche, pochende Pulsation – wie ein kleiner Herzschlag unter deinen Fingern – ist ein Warnsignal
- Vergleiche immer beide Vorderhufe miteinander und mit den Hinterhufen
Tipp: Übe diese Untersuchung regelmäßig am gesunden Pferd, damit du ein Gefühl dafür entwickelst, was „normal“ für dein Pferd ist.
Risikogruppen – bei welchen Pferden besonders aufmerksam sein?
- Ponys und Robustpferderassen (Isländer, Tinker, Haflinger, Welsh Ponys, Shetlandponys)
- Übergewichtige Pferde
- Pferde mit EMS oder PPID
- Pferde nach Weidewechsel oder Futterumstellung
- Pferde mit langer Bewegungspause
- Stuten nach der Geburt – wenn die Nachgeburt nicht vollständig abgeht
- Pferde nach Koliken oder Vergiftungen
- Pferde auf einseitig belastendem Untergrund – Belastungsrehe
Häufige Fragen aus der Praxis
Kann Hufrehe auch nur an einem Huf auftreten?
Ja. Hufrehe beginnt nicht selten einseitig, meist an einem Vorderhuf. Typisch ist aber, dass sich das Bild auf beide Vorderhufe ausweitet, wenn nicht früh gehandelt wird.
Muss die Sägebockstellung vorhanden sein, damit es Hufrehe ist?
Nein. Die Sägebockstellung ist ein mögliches, aber keineswegs immer vorhandenes Zeichen. Viele Pferde zeigen vorher deutlich subtilere Veränderungen.
Ist die Hufzangenprobe ein sicheres Diagnosezeichen?
Nicht allein. Im akuten Schub kann der Huf bereits so stark schmerzen, dass zusätzlicher Druck mit der Hufzange nicht immer eine eindeutige Mehrreaktion auslöst.
Kann Hufrehe vollständig heilen?
Frühzeitig erkannte Hufrehe ohne bleibende Hufbeinveränderungen ist grundsätzlich heilbar. In unserer Praxis sehen wir regelmäßig Vorher-Nachher-Röntgenbilder, die zeigen: Auch Hufbeinrotationen können sich erheblich verbessern – wenn die Ursache dauerhaft bearbeitet wird.
Was unterscheidet akute von chronischer Hufrehe?
Bei akuter Hufrehe sind Schmerz, Wärme und Pulsation stark ausgeprägt. Bei chronischer Hufrehe klingen diese Zeichen oft ab, während die Strukturschäden im Huf weiterwachsen. Weniger Schmerz bedeutet nicht automatisch Besserung.
Wie wir im Tierheilkundezentrum Nehls bei Hufrehe begleiten
Unsere Begleitung setzt immer ergänzend zur tierärztlichen Behandlung an – nie anstelle von ihr. Im Zentrum steht die Frage: Was steckt hinter diesem Schub? Was hat das System dieses Pferdes anfällig gemacht?
Dafür nutzen wir die Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse: Sie hilft uns, individuelle Belastungsfelder und mögliche Zusammenhänge sichtbar zu machen. Auf dieser Basis erstellen wir einen individuell abgestimmten Therapieplan aus Kräutermischungen, Homöopathie und Fütterungsanpassung.
→ Nehls Huf-Kombi Set – pflanzenbasierte Ergänzung zur Fütterung bei Hufbelastungssituationen
→ Nehls Hufkräuter Spezial – unsere Basisversorgung für einen gesunden Huf
→ Nehls Hufkräuter Spezial flüssig – für Pferde, die Trockenkräuter ablehnen
Weiterführende Ratgeber zum Thema Hufrehe
- → Hufrehe beim Pferd: vollständiger Ratgeber mit Notfallhilfe (Hauptratgeber)
- → Huflederhaut und Hufbeinrotation: medizinischer Hintergrund
- → Hufrehe im Frühjahr: Anweiden und Weidestart sicher gestalten
- → Hufrehe im Winter: die unterschätzte Rehezeit
- → Erfahrungsberichte: So haben Pferdehalter Hufrehe mit Nehls begleitet
