EMS beim Pferd – Equines Metabolisches Syndrom
Stoffwechselstörung verstehen, erkennen und ganzheitlich begleiten
- EMS (Equines Metabolisches Syndrom) ist eine Stoffwechselstörung mit Insulindysregulation, typischen Fettdepots und erhöhter Hufrehe-Anfälligkeit – vor allem bei leichtfuttrigen Rassen.
- EMS entwickelt sich schleichend über Monate oder Jahre. Erste Zeichen sind häufig ein harter Mähnenkamm (Cresty Neck), Fettdepots und wiederkehrende Fühligkeit.
- Die Diagnose erfolgt tierärztlich über Insulinwert und oralen Glukosetoleranztest (OGT) – Laborwerte allein sind kein abschließendes Urteil, das Gesamtbild des Pferdes zählt.
- Fütterungsanpassung, angepasste Bewegung und konsequente Ursachenarbeit sind die tragenden Säulen im Management – kein einmaliges Eingreifen, sondern ein dauerhafter Ansatz.
Was ist EMS beim Pferd – und warum wird es so häufig diagnostiziert?
Immer häufiger erhalten Pferdebesitzer die Diagnose Equines Metabolisches Syndrom. Oft fällt sie im Zusammenhang mit einem Hufrehe-Schub. Aus unserer Erfahrung im Tierheilkundezentrum Nehls ist das Thema deutlich vielschichtiger. Wir begleiten seit über 26 Jahren Pferde mit Stoffwechselstörungen – und was wir dabei sehen, ist: EMS ist kein klar abgegrenztes Krankheitsbild mit eindeutigen Auslösern, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Stoffwechselentgleisungen, die sich sehr unterschiedlich äußern können.
Ein voller Cresty Neck allein ist keine Diagnose. Und ein Laborwert, der einmalig außerhalb des Referenzbereichs liegt, auch nicht. Viele dieser Werte sind stark schwankend – abhängig von Fütterungszeitpunkt, Jahreszeit, Stress bei der Blutentnahme und individuellem Tagesrhythmus. Die Diagnose braucht immer das gesamte Pferd im Blick: seine Hufe, seine Fütterungsgeschichte, sein Gewicht, sein Verhalten, seine Haltungsbedingungen.
EMS Symptome beim Pferd – woran erkenne ich es?
- Cresty Neck: harter, verdickter Mähnenkamm – fühlt sich fest, fast knorpelartig an
- Fettdepots: über den Augen, am Schweifansatz, an der Kruppe, hinter den Schultern
- Wiederkehrende Hufrehe ohne klaren äußeren Auslöser
- Abnehmschwäche: Pferd nimmt trotz Diät nicht oder kaum ab
- Dauerhaft gesteigerter Appetit, Heißhunger auf der Weide
- Lethargie und mangelnde Muskelentwicklung der Oberlinie
- Bei Stuten: unregelmäßiger Zyklus oder Fruchtbarkeitsstörungen
Nicht alle Zeichen müssen gleichzeitig vorhanden sein. Auch normalgewichtige Pferde können EMS entwickeln.
EMS zeigt sich nicht plötzlich, sondern entwickelt sich über einen langen Zeitraum. Gerade in der Anfangsphase werden die Zeichen leicht übersehen oder falsch eingeordnet. Das auffälligste Zeichen ist die veränderte Fettverteilung: Anders als bei normalem Übergewicht, das sich gleichmäßig verteilt, zeigt EMS charakteristische Fettdepots an spezifischen Stellen.
Wichtig: Nicht alle EMS-Pferde sind offensichtlich übergewichtig. Manche wirken scheinbar normalgewichtig, zeigen aber diese charakteristischen Fettdepots. Auch schlanke Pferde können eine Insulindysregulation entwickeln – besonders wenn genetische Veranlagung und ungünstige Fütterung zusammenkommen.
Welche Pferde sind besonders gefährdet?
Grundsätzlich kann jedes Pferd EMS entwickeln. Bestimmte Rassen sind jedoch deutlich häufiger betroffen:
- Ponyrassen: Shetlandponys, Welsh Ponys, Deutsches Reitpony, Connemara
- Robustpferderassen: Haflinger, Fjordpferd, Tinker, Isländer, Noriker
- Weitere: Araber, Morgan Horse, Paso Peruano und PRE – für diese Rassen wird ebenfalls eine genetische Veranlagung diskutiert
Individuelle Risikofaktoren: Übergewicht, Bewegungsmangel, chronischer Stress, unregelmäßige Fütterungszeiten, qualitativ schlechtes Heu mit hohem Zuckergehalt, genetische Vorbelastung.
Wie wird EMS beim Pferd diagnostiziert?
- Das Pferd muss mindestens 6 Stunden nüchtern sein – auch keine Leckerlis in den Stunden davor
- Stress bei der Blutentnahme erhöht den Insulinwert künstlich
- Definitive Referenzwerte existieren bis heute nicht – viele sind Schätzwerte aus Studien
- Jahreszeit beeinflusst den Wert: Im Herbst sind Insulinwerte bei vielen Pferden physiologisch höher
- Ein Pferd kann normale Laborwerte und typische EMS-Zeichen zeigen – und umgekehrt
Die Diagnose EMS basiert auf einer Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und Laborwerten. Der bevorzugte Standardtest ist der orale Glukosetoleranztest (OGT). Das Pferd muss dabei mindestens 6 Stunden nüchtern sein. Nach der Blutabnahme der Nüchternwerte für Blutzucker und Insulin erhält das Pferd eine kontrollierte Menge Glukose – zwei Stunden später wird erneut Blut abgenommen. Ein anhaltend erhöhter Insulinspiegel nach diesem Test ist ein Hinweis auf EMS.
Was wir in unserer Praxis immer wieder betonen: Laborwerte sind ein Baustein, kein Urteil. Die Einordnung braucht immer das Gesamtbild – Fettverteilung, Fütterungsgeschichte, Bewegung, Hufsituation, Verhalten.
EMS und Hufrehe – was hängt wirklich zusammen?
Die Verbindung zwischen EMS und Hufrehe ist real – aber sie ist nicht so linear wie oft dargestellt. Wer seinem Pferd wirklich helfen möchte, muss nicht nur den Insulinwert im Blick haben, sondern das gesamte System betrachten. Huffehlstellungen, chronische Entzündungen, Stressbelastungen oder schlechte Heuqualität spielen oft eine genauso große Rolle.
→ Hufrehe beim Pferd – vollständiger Ratgeber mit Notfallhilfe
EMS und Cushing – was ist der Unterschied?
EMS und Cushing (ECS/PPID) werden häufig verwechselt oder gleichgesetzt. Dabei sind es zwei verschiedene Erkrankungen, die jedoch ähnliche Symptome zeigen können und sich manchmal gegenseitig begünstigen.
| Merkmal | EMS | Cushing (ECS/PPID) |
|---|---|---|
| Alter | Jedes Alter, auch jung | Meist über 15 Jahre |
| Ursache | Insulindysregulation, Übergewicht | Tumor der Hirnanhangdrüse, übermäßige Cortisol-Produktion |
| Fell | Normaler Fellwechsel | Verzögerter Fellwechsel, lockiges Langfell typisch |
| Gewicht | Oft Übergewicht, typische Fettdepots | Kann dünn werden trotz gutem Appetit |
| Diagnose | OGT, Insulinwert | ACTH-Wert im Blut |
| Medikamente | Keine zentralen Medikamente – Fütterung und Bewegung stehen im Vordergrund | Pergolid (Prascend) als Standardmedikament |
| Hufrehe-Anfälligkeit | Erhöht durch Insulindysregulation | Erhöht durch Cortisol, das Insulinresistenz fördern kann |
Beide Erkrankungen können gleichzeitig auftreten, vor allem bei älteren, übergewichtigen Pferden. Ein wichtiger Praxis-Hinweis: Kortison sollte bei EMS-Pferden nicht gegeben werden – es verstärkt die Insulinresistenz und kann einen Hufrehe-Schub auslösen oder verschlimmern.
EMS Pferd richtig füttern – die wichtigsten Grundsätze
- Heu als Basis: ca. 1,5 kg je 100 kg Sollgewicht bei Abnehmbedarf
- Heu wässern (15–30 Min.) reduziert wasserlösliche Kohlenhydrate um 20–30%
- Keine langen Fresspausen: Heunetz verhindert Stress durch Hunger
- Heuanalyse: Zuckergehalt unter 10% NSC anstreben (LUFA-Test)
- Kein Getreide, keine Melasse, keine zuckerhaltigen Leckerlis
- Weide kontrollieren: kein Frühjahrsweidegang ohne Management
- Keine Radikaldiät – Hyperlipämie-Risiko besonders bei Ponys
- Mineralfutter ohne Zusatzzucker zur Versorgung sicherstellen
Die Fütterung ist bei EMS die wichtigste Stellschraube. Das Ziel: den Insulinspiegel stabilisieren, ohne das Pferd in eine Mangelversorgung zu treiben. Qualitativ hochwertiges, strukturreiches Heu ist die Basis. Lange Fresspausen sind für EMS-Pferde schädlich – das Pferd sollte immer Zugang zu Raufutter haben, notfalls über engmaschige Heunetze.
Die Rolle der Leber – ein oft unterschätzter Faktor
Was in vielen EMS-Ratgebern zu kurz kommt: die Leber. Sie ist das zentrale Organ des Zuckerstoffwechsels. Bei EMS-Pferden ist die Leber oft chronisch überlastet – durch hochkalorisches Futter, synthetische Zusatzstoffe in Ergänzungsfuttermitteln und Mykotoxine in schlechtem Heu. Das erklärt, warum viele EMS-Pferde trotz strenger Diät nicht wirklich besser werden: Wenn die Leber nicht entlastet wird, dreht sich das Rad immer weiter.
Bewegung bei EMS – wie viel, welche Art?
Regelmäßige Bewegung ist bei EMS keine Option, sondern eine notwendige Grundlage. Bewegung verbessert die Insulinempfindlichkeit der Zellen und fördert die Durchblutung. Es geht nicht um intensive Trainingseinheiten, sondern um kontinuierliche, moderate Bewegung: tägliche ruhige Schrittarbeit von 30–45 Minuten, Führarbeit auf verschiedenen Böden, oder ein Offenstall mit langen Wegen zwischen Futter und Wasser. Wenn gleichzeitig Hufrehe besteht: Bewegung erst nach tierärztlicher Freigabe aufbauen.
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In unserer täglichen Praxis erleben wir immer wieder, dass die Betrachtung des gesamten Pferdes entscheidend ist. Keine Checkliste, kein Laborwert und kein Standardprotokoll kann ersetzen, was ein aufmerksamer, erfahrener Blick auf das individuelle Tier liefert.
Mit der Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse machen wir energetische Zusammenhänge sichtbar: Welche Bereiche im Organismus sind aus der Balance? Wo zeigt sich die eigentliche Belastung – in der Leber, im Hormonsystem, in der Darmdurchblutung? Auf dieser Basis entstehen individuelle Konzepte mit naturbelassenen Kräutern und ausgewogener Mineralstoffversorgung.
Wir stellen keine Diagnosen im schulmedizinischen Sinn und ersetzen nicht die tierärztliche Abklärung – wir ergänzen sie um die Perspektive, die oft fehlt: das Pferd als Ganzes.
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