Fütterung bei Sommerekzem beim Pferd – was hilft, was schadet
Die Fütterung ist der wichtigste Hebel – und der am häufigsten unterschätzte
Sommerekzem – alle Themen im Überblick
Karg, proteinarm, rohfaserreich – und ganzjährig konsequent. Kein Getreide, keine Silage, keine synthetischen Futterzusätze, keine üppigen Hochleistungsweiden. Naturbelassene Kräuter statt synthetischer Mineralstoffmischungen. Die Fütterung muss spätestens im Winter beginnen, nicht erst wenn die Insekten kommen – denn die Darmflora braucht Monate, um sich zu stabilisieren. Und: Das Immunsystem darf bei Sommerekzem keinesfalls gestärkt werden – es reagiert bereits über. Das ist unsere Nehlsmeinung aus über 26 Jahren Erfahrung, die von fast allen anderen nicht geteilt wird.
- Die Fütterung ist die Grundvoraussetzung jeder Sommerekzem-Begleitung – ohne sie greifen keine anderen Maßnahmen nachhaltig.
- Protein ist der kritischste Faktor: zu viel Eiweiß destabilisiert die Darmflora, belastet Leber und Nieren und triggert die allergische Bereitschaft.
- Mineralien ja – aber naturbelassen über Kräuter, nicht über synthetisch zusammengesetzte Mineralfutter, die das Calcium-Spurenelement-Verhältnis stören können.
- Ganzjährig: Die Ekzemsaison beginnt nicht im März – sie beginnt in der Darmflora des Winters zuvor.
Warum die Fütterung entscheidender ist als Ekzemerdecke und Insektenschutz
Wer ein Pferd mit Sommerekzem hat, denkt zuerst an die Ekzemerdecke. Dann vielleicht an ein Insektenschutzspray. Die Fütterung kommt – wenn überhaupt – als dritte Maßnahme. Das ist verständlich, denn die Decke wirkt sofort sichtbar. Aber es ist eine Verwechslung von Symptom und Ursache.
Das Sommerekzem ist eine Überreaktion des Immunsystems. Und das Immunsystem sitzt zu über 80 Prozent im Darm. Was das Pferd frisst, bestimmt direkt den Zustand seiner Darmflora – und damit die Reaktionslage seines Immunsystems. Wer die Fütterung nicht anpasst, kämpft mit Decke und Spray gegen eine Ursache, die im Futtertrog liegt.
Die Ekzemerdecke reduziert die Anzahl der Stiche. Das ist gut und sinnvoll. Aber das allergisch sensibilisierte Immunsystem bleibt. Ein einziger Stich an einer ungeschützten Stelle reicht, um die volle Reaktion auszulösen. Wer den Organismus über die Fütterung stabilisiert, verändert die Reaktionslage selbst – nicht nur die Gelegenheit zur Reaktion.
Das Protein-Paradox: Warum gut gefütterte Pferde besonders häufig erkranken
Einer der auffälligsten Befunde aus der langjährigen Praxis des THZ ist das, was wir das Protein-Paradox nennen: Pferde, die jahrzehntelang auf kargen Weiden gesund waren, erkranken häufig genau dann am Sommerekzem, wenn ihre Besitzer anfangen, sie besonders gut zu versorgen.
Der Hintergrund: Das Pferd ist evolutionär auf karge Steppenkost ausgelegt. Ein Überschuss an Protein – ob aus üppigem Frühjahrsgraswuchs, aus Kraftfutter, aus Luzerne oder eiweißreichen Ergänzungsmitteln – überfordert das Verdauungssystem. Der Dünndarm kann das überschüssige Eiweiß nicht vollständig abbauen. Es gelangt unverdaut in den Dickdarm, wo es von Bakterien fermentiert wird. Dabei entstehen Abbauprodukte wie Ammoniak, die die Darmflora destabilisieren – und damit die Immunregulation.
Über 80 Prozent der Immunzellen sitzen im Darm. Ein gestörter Darm bedeutet eine gestörte Immunregulation. Das Immunsystem, das eigentlich präzise auf Pathogene reagieren sollte, beginnt überzureagieren – auch auf eigentlich harmlose Reize wie Insektenspeichel.
Was raus muss: die kritischen Futtermittel
Die erste und wichtigste Frage bei der Fütterungsanpassung ist nicht, was man hinzufügen kann – sondern was weggelassen werden muss. In der Praxis ist das Weglassen des Falschen oft wirkungsvoller als jede Ergänzung.
| Futtermittel / Faktor | Warum problematisch |
|---|---|
| Kraftfutter, Müsli, Getreidemischungen | Hohe Stärke- und Zuckerlast destabilisiert die Darmflora, erhöht Insulinausschüttung, fördert Entzündungsbereitschaft |
| Silage und Heulage | Hoher Proteingehalt, oft Mykotoxin- und Keimbelastung, belastet Leber und Darm erheblich |
| Eiweißreiche Weiden (Frühjahr, frischer Aufwuchs) | Massenhafte Proteinzufuhr in kurzer Zeit, Fruktan-Spitzen fördern Dysbiose und Insulinreaktion |
| Synthetische Futterzusätze, Aromen, Konservierungsstoffe | Belasten Leber als primäres Entgiftungsorgan; viele Zusatzstoffe stehen im Verdacht, Allergiebereitschaft zu erhöhen |
| Luzerne und eiweißreiches Heu | Hoher Rohproteingehalt – für Ekzemerpferde in der Regel zu viel, auch wenn die Qualität gut ist |
| Fertigmineralfutter mit hohem Calciumanteil | Calcium konkurriert im Darm mit Zink, Kupfer und Selen um die Aufnahme – kann Spurenelementmangel verursachen trotz Supplementierung |
Was rein muss: die Bausteine einer ekzemergerechten Fütterung
Raufutter als Basis – strukturreich, proteinarm
Das Grundfutter des Ekzemerpferdes ist qualitativ hochwertiges Heu aus extensiv bewirtschafteten Wiesen – möglichst vom ersten Schnitt, rohfaserreich und proteinarm. Nicht das beste Pferdeheu im Sinne von nährstoffreich, sondern das ursprünglichste im Sinne von karg und strukturreich. Wiesengräser ohne übermäßige Düngung, ohne Intensivanbau, ohne dominante Gräser mit hohem Fruktan-Gehalt.
Stroh als Zusatzraufutter kann sinnvoll sein – es liefert Rohfaser mit sehr wenig Energie und Protein. Wichtig ist dabei die Qualität: kein schimmliges oder mykotoxin-belastetes Stroh.
Weidemanagement – nicht abschaffen, aber anpassen
Kein Pferd sollte wegen Sommerekzems dauerhaft von der Weide ausgesperrt werden. Bewegung auf der Weide ist für das empfindliche Verdauungssystem des Pferdes unverzichtbar – und für sein psychisches Wohlbefinden. Was angepasst werden muss, ist die Art des Weidegangs.
- Frischer Frühjahrsaufwuchs mit hohem Fruktan- und Proteingehalt: zeitlich begrenzen, besonders kritisch März bis Mai
- Abgefressene Weiden meiden: Stressgras auf überbeweideten Flächen enthält erhöhte Fruktan- und Mykotoxinmengen
- Karge, extensiv bewirtschaftete Weiden bevorzugen: natürlich, vielfältig, rohfaserreich
- Weidezeiten an die Insektenaktivität anpassen: Gnitzen sind in Dämmerung und windstillen Abendstunden aktiv – nicht die Weide verbieten, aber die Zeiten wählen
Naturbelassene Mineralien statt synthetischer Mineralfutter
Hier liegt einer der wichtigsten Unterschiede zwischen dem THZ-Ansatz und vielen anderen Empfehlungen. Fertige Mineralfuttermischungen enthalten in der Regel hohe Calciummengen als Trägerstoff. Calcium konkurriert im Darm mit Zink, Kupfer und Selen um die Aufnahme. Das Ergebnis ist oft paradox: Das Pferd bekommt Mineralfutter, hat aber trotzdem einen Spurenelementmangel – weil das Calcium die Aufnahme blockiert.
Kräuter liefern Mineralien und Spurenelemente in einer Form, die der Körper gut verwerten kann – eingebettet in organische Verbindungen, die die Aufnahme erleichtern, ohne andere Mineralstoffe zu verdrängen. Kieselsäure aus Kräutern (z.B. Brennessel, Schachtelhalm) ist für Haut, Fell und Hufe besonders wertvoll. Kalium, Magnesium, Eisen, Kupfer, Zink, Mangan und Selen kommen in naturbelassenen Kräutern in einem ausgewogenen Verhältnis vor.
Spurenelemente – was der Ekzemer besonders braucht
Zinkmangel ist einer der häufigsten Befunde bei Pferden mit Hautproblemen. Zink ist an der Zellregeneration, der Wundheilung und der Immunregulation beteiligt. Ein Mangel zeigt sich unter anderem als erhöhte Empfindlichkeit der Haut, schlechte Wundheilung und gestörter Fellwechsel. Der Bedarf ist in Zeiten aktiver Hautprobleme erhöht.
Kupfer arbeitet eng mit Zink zusammen. Ein Mangel an Kupfer zeigt sich oft in Fellveränderungen und beeinträchtigter Hautpigmentierung. Selen ist als Antioxidans wichtig – besonders in Phasen hoher Entzündungsbereitschaft. Mangan spielt eine Rolle in der Knorpel- und Bindegewebsbildung und beeinflusst den Fettstoffwechsel.
Wichtig: Diese Spurenelemente müssen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander vorliegen. Ein isolierter Überschuss eines Spurenelements kann andere verdrängen. Naturbelassene Kräutergemische bringen diese Spurenelemente in einem biologisch sinnvollen Verhältnis mit.
Nehls Allergosan-Kräuter Pferd
Naturbelassene Kräutermischung für die Fütterungsbegleitung bei Pferden mit empfindlicher Haut – entwickelt von Claudia Nehls aus ihrer persönlichen Erfahrung mit ihrer Haflinger-Stute Sina. Kräuter mit Bezug zu Hautstoffwechsel, Entgiftung und Säure-Basen-Gleichgewicht. Ohne synthetische Zusätze, ohne Getreide.
→ Nehls Allergosan-Kräuter Pferd ansehenLeber und Darm – die zwei Schlüsselorgane bei Sommerekzem
Die Leber als überlastetes Entgiftungsorgan
Die Leber ist das primäre Entgiftungsorgan des Körpers. Bei Ekzemerpferden ist sie häufig dauerhaft belastet – durch Proteinüberschuss, durch Mykotoxine aus Heu und Stroh, durch synthetische Zusatzstoffe im Futter, durch Medikamente (besonders Kortison und Antibiotika bei Langzeitgabe). Eine überlastete Leber kann Allergene weniger effizient abbauen. Die Haut muss einspringen – sichtbar als Juckreiz, Entzündung und Scheuern.
Bitterstoffhaltige Kräuter wie Artischocke, Mariendistel und Löwenzahn können den Gallefluss unterstützen und die Leber entlasten. Sie gehören zur naturheilkundlichen Begleitung des Ekzemers, besonders in der Vorbereitung auf die Ekzemsaison.
Der Darm als Immunzentrum
Über 80 Prozent der Immunzellen des Pferdes sitzen im Darm. Die Darmflora – die Gemeinschaft der Darmbakterien – reguliert, wie das Immunsystem auf Reize reagiert. Eine stabile, artenreiche Darmflora bedeutet eine ausgewogene, regulierte Immunreaktion. Eine destabilisierte Darmflora – durch Proteinüberschuss, Getreide, Antibiotika oder Stress – bedeutet eine fehlergeleitete, überschießende Reaktion.
Was die Darmflora stabilisiert: rohfaserreiches Grundfutter, Bewegung, stressarme Haltung, möglichst naturbelassenes Futter ohne Verarbeitungsrückstände. Was sie destabilisiert: Protein- und Stärkeüberschuss, Antibiotika, Kortison, mangelnde Bewegung, häufige Stallwechsel, Stress.
Ganzjährig – warum der Winter die entscheidende Jahreszeit ist
Die meisten Pferdebesitzer beginnen über die Fütterung ihres Ekzemers nachzudenken, wenn der erste Juckreiz im März sichtbar wird. Das ist zu spät.
Die Darmflora braucht mindestens drei Monate, um sich auf eine veränderte Fütterung einzustellen. Die Leber braucht Zeit, um sich zu regenerieren. Mineralstoffspeicher werden nicht in Wochen aufgefüllt, sondern in Monaten. Wer im Winter mit der Fütterungsanpassung beginnt – proteinarmes Heu, keine synthetischen Zusätze, naturbelassene Kräuterbegleitung – geht stabiler in die Insektensaison als wer im März mit Ergänzungsmitteln nachschießt.
Mineral- und Vitaminmangel entsteht häufig in den Wintermonaten, wenn das Pferd kein frisches Grünfutter bekommt und der Nährstoffgehalt des Heus variiert. Gerade für Ekzemerpferde ist eine kontinuierliche, naturbelassene Mineralstoffversorgung über Kräuter im Winter besonders wichtig.
Was viele Ratgeber empfehlen – und warum wir es anders sehen
Ein Blick in gängige Fütterungsratgeber für Ekzemerpferde zeigt ein Bild, das in Teilen mit unserer Erfahrung übereinstimmt – und in einem zentralen Punkt deutlich abweicht.
Übereinstimmung: Proteinreduktion, Getreideverzicht, Zinkversorgung, Leberfunktion beachten – das sind Empfehlungen, die wir teilen und die in der Praxis nachweislich Bedeutung haben.
Unsere Meinung und Abweichung vom Standard: Viele Anbieter empfehlen explizit, das Immunsystem des Ekzemerpferdes zu stärken. Echinacea, Immunbooster, abwehrstärkende Kräuter. Aus unserer Sicht ist das ein grundlegender Fehler. Das Sommerekzem ist eine Überreaktion – das Immunsystem arbeitet zu intensiv, nicht zu schwach. Wer es weiter stimuliert, verstärkt die Überreaktion. Was gebraucht wird, ist Regulation, keine Stärkung.
Ein weiterer häufiger Fehler: Schwarzkümmelöl wird weitverbreitet als Ergänzung bei Sommerekzem empfohlen. Schwarzkümmelöl hat immunmodulierende Eigenschaften – die Wirkung hängt stark von der individuellen Reaktionslage des Pferdes ab. Es gibt Pferde, die davon profitieren, und Pferde, bei denen es die Symptome verschlechtert. Pauschalempfehlungen sind hier aus unserer Sicht problematisch. Die individuelle Begleitung über eine Haaranalyse kann zeigen, ob und in welcher Form ein Einsatz sinnvoll ist.
Häufige Fragen zur Fütterung bei Sommerekzem
Unsere Sets für die Ekzemsaison – innen und außen
Fütterung allein reicht – aber die Saison verlangt auch äußeren Schutz. Unsere beiden Sets verbinden beides: eine naturbelassene innere Fütterungsbegleitung mit äußerem Insektenschutz für rund 50 Tage.
ca. 50 Tage · Innere Begleitung: Allergosan Kräuter (2 kg) + Haut Itch (500 ml) · Äußere Pflege: Allergosan Insekt Öl (3×0,5 l) + Parasitweg-Spray (4×0,5 l) + Sprühflasche. Entwickelt für Pferde mit empfindlicher Haut und Neigung zu allergischen Reaktionen.
→ Zum Setca. 50 Tage · Innere Begleitung: Haut-Vet (2×750 g) · Äußere Pflege: Allergosan Insekt Öl (2×0,5 l) + Parasitweg-Spray (3×0,5 l) + Pflegepuder (50 g) + Sprühflasche. Für alle Pferde in der Insektensaison.
→ Zum SetFütterung angepasst – und trotzdem kein Fortschritt?
Wenn die Fütterungsumstellung allein nicht ausreicht, liegen oft individuelle Hintergründe vor: Leberbelastungen, Darmflora-Störungen, hormonelle Imbalancen oder spezifische Unverträglichkeiten. Die Haaranalyse macht sichtbar, was individuell aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Zur Bioresonanz-Haaranalyse →Weitere Ratgeber im Sommerekzem-Cluster
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