Fütterung bei Atemwegsproblemen beim Pferd
Was wirklich hilft, was schadet – und welche Nährstoffe die Lunge unterstützen können.
Dieser Ratgeber wurde zunächst von unserer Gründerin Tierheilpraktikerin Nehls aus ihrer persönlichen Erfahrung mit ihren eigenen Tieren und als Tierheilpraktikerin mit eigener Praxis in verschiedenen Kapiteln beschrieben und dann im Team mit unserer Tierärztin Katrin Knecht (seit über 20 Jahren in der Naturheilkunde tätig) und auf Basis der Erfahrungen unserer Tierheilpraktikerin Tatjana Siebert und unserer Beraterinnen zusammengefasst und aktualisiert.
Grundlage sind über 26 Jahre Fütterungsbegleitung bei Atemwegspferden – vom ersten Huster bis zu chronischen Verläufen. Unsere Erfahrung: Der größte Hebel liegt in der Fütterung, nicht in den Kräutern. Die Inhalte ersetzen keine tierärztliche Diagnostik oder Therapie.
Fütterung bei Atemwegsproblemen beginnt nicht mit Kräutern – sie beginnt mit dem Heu. Staubarmes, qualitativ hochwertiges Raufutter (gewässert oder bedampft), kein Getreide in der akuten Phase, Kraftfutter anfeuchten, Fressen vom Boden. Ergänzend können kaltgepresste Pflanzensamenöle mit Gamma-Linolensäure (GLA) – wie Nachtkerzenöl und Schwarzkümmelöl – die Atemwegsfunktion fütterungsbezogen unterstützen. Bronchialkräuter ohne immunstimulierende Bestandteile (kein Echinacea) können begleiten.
Warum Fütterung bei Atemwegsproblemen so entscheidend ist
Medikamente können akute Symptome lindern. Kräuter können begleiten. Aber beides verliert seine Wirkung, wenn das Grundproblem weiter besteht: das tägliche Einatmen von Staubpartikeln, Schimmelsporen und Allergenen aus dem Futter.
Studien zeigen: Schlechtes Heu enthält bis zu zwölfmal mehr Staub als gutes Heu – und selbst gutes Heu enthält noch sechsmal mehr Staub als Heulage. Die Lunge eines Atemwegspferdes steht täglich unter Beschuss. Ohne Fütterungsoptimierung ist keine nachhaltige Verbesserung möglich.
Gleichzeitig gibt es Nährstoffe, die aktiv auf die Entzündungssituation in den Atemwegen einwirken können. Dieser Artikel führt durch alle relevanten Fütterungsebenen – vom Heu bis zum Öl, vom Kraftfutter bis zu den Bronchialkräutern.
Was wir aus 26 Jahren Praxis sehen: Die meisten Halter sind bereit, in teure Bronchialkräuter zu investieren – aber das Heu wird weiter trocken aus der Raufe gefressen. Das ist die falsche Reihenfolge. Oft sind es die kleinen Dinge in der täglichen Fütterung – wie Heunetze auf Bodenhöhe oder ein Schuss Wasser über das Kraftfutter –, die zusammen mehr bewirken als jede Hochdosis-Kräutermischung.
Ebene 1 – Heu: die wichtigste Stellschraube
Heu ist das Grundnahrungsmittel des Pferdes und gleichzeitig die größte Staubquelle im Stall. Selbst hochwertiges Heu enthält Schimmelpilzsporen, Bakterien und lungengängige Partikel – das lässt sich nicht vermeiden, nur reduzieren.
Heuqualität – was zählt wirklich?
Nicht jedes Heu ist gleich. Ein mikrobiologisch belastetes Heu erkennt man nicht immer mit dem Auge. Entscheidend sind Ernte- und Lagerbedingungen: Heu, das bei der Ballenherstellung zu feucht war, begünstigt Schimmelwachstum. Rundballen, die tagelang in einer Raufe liegen, sind besonders problematisch – das Pferd steckt die Nase direkt in das keimbelastete Material.
Auch wenn die sichtbar befallene Stelle entfernt wurde – die Sporen sind bereits im gesamten Ballen verteilt. Das gilt auch für Heulage. Schimmelsporen können die asthmatische Reaktion massiv verstärken.
Fressen vom Boden – nicht von oben
Die Fressposition hat direkte Auswirkungen auf die Atemwege. Pferde sind von Natur aus Bodenfresser – mit dem Kopf nach unten kann Schleim aus den Atemwegen abfließen. Heunetze über Kopfhöhe sind für Atemwegspferde ungünstig: Sie erhöhen die Staubbelastung direkt in der Atemzone und behindern den natürlichen Schleimabfluss. Wenn Heunetze eingesetzt werden, immer bodennah positionieren.
Heu wässern oder bedampfen?
Für Atemwegspferde gilt: kein trockenes Heu. Wässern reduziert lungengängige Partikel um bis zu 90 %, Bedampfen tötet zusätzlich Schimmelsporen und Bakterien ab. Welche Methode passt, hängt vom Einzelfall ab – ausführlich erklärt im Artikel Heustaub reduzieren.
Heulage – keine pauschale Lösung
Heulage ist deutlich staubärmer als Heu und wird deshalb häufig empfohlen. Aus unserer Praxis: Viele Pferde – besonders solche mit empfindlicher Verdauung – vertragen Heulage nicht gut. Blähungen, Kotwasser und Verdauungsprobleme sind häufige Folgen. Die Umstellung sollte immer langsam und unter Beobachtung erfolgen.
Ebene 2 – Kraftfutter: anfeuchten und entstauben
Kraftfutter kann erheblich zur Staubbelastung beitragen – je nach Zustand des Getreides und der Verarbeitungsform. Für Atemwegspferde gelten folgende Grundregeln:
- Pelletiertes Kraftfutter bevorzugen – es staubt deutlich weniger als Schrot oder gequetschter Hafer
- Kraftfutter immer anfeuchten – ein Schuss Wasser vor der Fütterung bindet Staubpartikel wirkungsvoll
- Öl über das Futter – 1–3 % Pflanzenöl über das Kraftfutter bindet Staub und liefert gleichzeitig wertvolle Fettsäuren
- Heu nicht im Stall zerteilen – beim Aufschütteln von Heu in der Stallgasse entstehen Staubwolken, die sich bis zu 100 Minuten in der Luft halten
Getreidereiche Rationen erhöhen den Ammoniakgehalt im Stall. Weniger Getreide bedeutet weniger Ammoniak – und das entlastet die Atemwege zusätzlich. Bei akutem Equinem Asthma empfehlen wir, Getreide zunächst vollständig wegzulassen und den Energiebedarf über hochwertige Raufutterqualität und Öle zu decken.
Nehls Pferdefutter Atemwege
Staubarm und allergenreduziert, mit Bronchialkräutern. Entwickelt für Pferde mit chronischen Atemwegsproblemen.
→ Mehr zum Pferdefutter AtemwegeEbene 3 – Öle: die unterschätzte Komponente
Öle sind in der Pferdefütterung weit mehr als Kalorienlieferanten. Bestimmte Pflanzensamenöle enthalten mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die im Stoffwechsel eine Rolle bei Entzündungsprozessen spielen – das ist sowohl in der Humanmedizin als auch in der Pferdepraxis seit Langem Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung.
Welche Fettsäuren sind bei Atemwegspferden relevant?
Im Zusammenhang mit den Atemwegen werden vor allem zwei Fettsäurefamilien diskutiert:
- Gamma-Linolensäure (GLA) – eine Omega-6-Fettsäure, die vor allem in Nachtkerzenöl, Borretschöl und Schwarzkümmelöl vorkommt. Sie ist Vorstufe entzündungsmodulierender Botenstoffe.
- Alpha-Linolensäure (ALA) – eine Omega-3-Fettsäure aus pflanzlichen Quellen wie Leinsamen. Der Körper wandelt ALA teilweise in die aktiven Omega-3-Formen EPA und DHA um – bei Pferden allerdings nur zu einem geringen Anteil.
- EPA und DHA – langkettige Omega-3-Fettsäuren, die direkt bioaktiv sind. Sie kommen hauptsächlich in marinen Quellen wie Algen- oder Fischöl vor.
In einer Studie an Pferden mit chronischer Entzündung der unteren Atemwege erhielten zwei Gruppen eine staubarme Haltung und Fütterung. Eine Gruppe bekam zusätzlich Omega-3-Fettsäuren aus marinen Quellen. In der Omega-3-Gruppe reduzierten sich Husten-Score und Entzündungszellen in der Lungenspülprobe deutlich stärker als in der Kontrollgruppe. Die Studie zeigt: Langkettige Omega-3-Fettsäuren haben bei Atemwegspferden einen dokumentierten Einfluss – auch wenn die praktische Umsetzung beim Pferd durch die Akzeptanz der Öle nicht immer einfach ist.
Nachtkerzenöl und Schwarzkümmelöl – unsere Empfehlung für Atemwegspferde
Besonders bewährt in der Atemwegs-Praxis haben sich kaltgepresste Pflanzensamenöle mit hohem Gehalt an Gamma-Linolensäure (GLA). Nachtkerzenöl enthält rund 9–10 % GLA und wird wissenschaftlich im Zusammenhang mit entzündungsmodulierenden Prozessen untersucht. Schwarzkümmelöl liefert zusätzlich den charakteristischen Wirkstoff Thymochinon und mehrfach ungesättigte essenzielle Fettsäuren – es wird seit den 1980er Jahren bei Pferden mit Atemwegsproblemen eingesetzt.
Aus der Beratung: Eine Halterin hatte ein Jahr lang mit Hustenkräutern und Inhalationen probiert, der Husten blieb. Auf unsere Empfehlung hin kombinierte sie konsequent Heu wässern mit täglich 30 ml Schwarzkümmelöl. Nach acht Wochen war der morgendliche Reizhusten deutlich seltener, nach drei Monaten kaum noch zu hören. Solche Verläufe sind keine Garantie – aber sie sind kein Einzelfall, wenn die Reihenfolge stimmt.
Nehls Schwarzkümmel & Nachtkerzenöl (Bio-Qualität, nativ)
Die Kombination aus kaltgepresstem Schwarzkümmelöl und Nachtkerzenöl in Bio-Qualität – reich an Gamma-Linolensäure (GLA) und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Tägliche Zufütterung über das Kraftfutter oder direkt über das Futter. Auch bei Hautthemen und Fellwechsel bewährt.
→ Mehr zum Nehls Schwarzkümmel & NachtkerzenölLeinsamen – die klassische ALA-Quelle
Leinsamen enthalten über 50 % Alpha-Linolensäure und sind eine gute tägliche Omega-3-Basis. Wichtig zu wissen: Pferde wandeln ALA nur zu etwa 5–10 % in die aktiven Formen EPA und DHA um. Leinsamen sind deshalb eine solide Basiszufuhr, aber in ihrer Umwandlungseffizienz begrenzt. Kombiniert mit einem GLA-reichen Öl entsteht ein ausgewogenes Fettsäureprofil.
Nehls Leinsamen-Leckerlis
Als tägliche Leinsamenzufuhr bewährt – mit hohem Omega-3-Anteil als ALA. Von Pferden sehr gut akzeptiert, einfach in der täglichen Fütterung, auch als Belohnung einsetzbar. Ideal als Ergänzung zu einem GLA-reichen Öl.
→ Mehr zu den Nehls Leinsamen-LeckerlisWas ist mit Algen- und Fischöl?
Algenöl und Fischöl liefern EPA und DHA direkt in bioaktiver Form. Das ist aus fachlicher Sicht die effizienteste Zufuhr. In der Praxis gibt es allerdings Hürden: Fischöl wird von vielen Pferden schlecht akzeptiert, und die Produktqualität variiert erheblich. Wer marine Omega-3-Quellen einsetzen möchte, sollte auf Bio-Qualität und kurze Haltbarkeit achten – diese Öle oxidieren sehr schnell.
Weitere Öle im Kontext der Pferdefütterung
Neben den speziell für Atemwege eingesetzten Ölen gibt es weitere Öle, die in der Pferdefütterung eine Rolle spielen:
- Weizenkeimöl – besonders reich an natürlichem Vitamin E, einem fettlöslichen Antioxidans, das im Zusammenhang mit entzündlichen Prozessen immer wieder wissenschaftlich untersucht wird
- Sonnenblumenöl – als Energielieferant und Trägeröl für fettlösliche Vitamine
Kaltgepresste Öle oxidieren schnell. Nur Öle in lichtdichten Behältern (braune Glasflaschen) verwenden, kühl lagern, angebrochene Flaschen zügig aufbrauchen. Ranziges Öl schadet mehr als es nützt. Und: Pferde langsam an die Ölfütterung gewöhnen – nicht mehr als 1 g pro kg Körpergewicht pro Tag, verteilt auf mehrere Mahlzeiten.
Ebene 4 – Bronchialkräuter: was wirklich begleiten kann
Hustenkräuter ohne gleichzeitige Haltungs- und Fütterungsoptimierung haben keinen relevanten Einfluss auf chronische Atemwegserkrankungen. Das ist wissenschaftlicher Konsens. Mit konsequenter Staubreduktion und Fütterungsanpassung können Bronchialkräuter jedoch sinnvoll ergänzen.
Bewährte Kräuter für die Atemwege des Pferdes: Thymian, Spitzwegerich, Eibischwurzel, Anis, Fenchel, Königskerze, Eukalyptus, Schlüsselblume, Süßholzwurzel. Diese Kräuter unterstützen fütterungsbezogen die Selbstreinigung der Bronchien und können schleimhautpflegend wirken.
Was wir aus der Beratung immer wieder erleben: Wer Kräuter einsetzt, ohne vorher den Staub zu reduzieren, sieht kaum dauerhafte Effekte. Wer beides kombiniert, kommt in den meisten Fällen weiter. Ehrlich gesagt: Wir haben in 26 Jahren keinen einzigen Fall erlebt, in dem Bronchialkräuter alleine ein chronisches Atemwegsproblem stabil reguliert hätten – immer war die Haltungs- und Fütterungsoptimierung der wichtigste Hebel.
Echinacea (Sonnenhut), Mistel, Holunder, Taigawurzel und ähnliche immunstimulierende Kräuter sind bei allergisch bedingtem Equinem Asthma kontraindiziert. Sie können den allergischen Prozess verstärken. Viele handelsübliche Bronchialkräuter-Mischungen enthalten Echinacea – das ist für Atemwegsallergiker der falsche Weg. Im THZ setzen wir konsequent auf Bronchialkräuter ohne immunstimulierende Bestandteile.
Nehls Broncho-Fit & Nehls Broncho-Elexier
Broncho-Fit (getrocknete Kräuter) und Broncho-Elexier (flüssig) enthalten Eukalyptus, Anis, Fenchel, Thymian und Weißdorn – ohne immunstimulierende Bestandteile. Entwickelt aus 26 Jahren Praxiserfahrung.
→ Broncho-Fit · → Broncho-ElexierEbene 5 – Weitere Nährstoffe mit Atemwegsbezug
Vitamin A
Vitamin A ist unverzichtbar für gesunde Schleimhäute im Atemtrakt. In der Regel ausreichend über Weidegras, Heu und Möhren versorgt – bei reiner Heufütterung ohne Weidegang kann ein Mineralfutter mit Vitamin A sinnvoll sein.
Vitamin C und Vitamin E
Antioxidantien wie Vitamin C und Vitamin E können entzündliche Prozesse in der Lunge unterstützend begleiten. Die Forschungslage ist noch nicht abschließend, aber es gibt Hinweise auf positive Effekte bei Atemwegspferden – besonders Vitamin E zusammen mit mehrfach ungesättigten Ölen.
Kieselsäure
Kieselsäurehaltige Pflanzen wie Schachtelhalm und Spitzwegerich werden traditionell zur Unterstützung der Stabilität von Lungengewebe und Schleimhäuten eingesetzt. Spitzwegerich ist gleichzeitig ein anerkanntes Bronchialkraut.
Eiweiß und Ammoniak
Zu viel Eiweiß in der Ration erhöht die Ammoniakproduktion – und Ammoniak ist einer der Hauptauslöser für Reizungen der Atemwegschleimhäute. Bei Atemwegspferden deshalb auf eine bedarfsgerechte, nicht übermäßige Eiweißversorgung achten.
Fütterungsplan Atemwegspferd – auf einen Blick
| Bereich | Empfehlung | Meiden |
|---|---|---|
| Raufutter | Hochwertiges Heu gewässert/bedampft; Fütterung vom Boden | Trockenes Heu, Rundballen in Raufe, schimmeliges Heu |
| Kraftfutter | Pellets, angefeuchtet; mit Öl entstauben | Staubiges Getreide, trockene Schrot-Rationen |
| Öle (GLA-reich) | Nachtkerzenöl, Schwarzkümmelöl (kaltgepresst) | Ranziges Öl, Supermarkt-Speiseöle, Raffinatöle |
| Leinsamen | Täglich als ALA-Basis | Überdosierung (max. 1 g Öl pro kg KGW/Tag) |
| Kräuter | Thymian, Spitzwegerich, Eibisch, Anis, Fenchel, Königskerze | Echinacea, Mistel, Sonnenhut, Taigawurzel (bei Allergikern!) |
| Nährstoffe | Vitamin A, C, E; Kieselsäure; bedarfsgerechtes Eiweiß | Eiweißüberschuss (Ammoniakbildung) |
| Fressposition | Vom Boden oder bodennahem Heunetz | Heuraufen oder Netze über Kopfhöhe |
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