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Allergieweide – warum Ekzemer-Pferde früh auf die Weide sollten

THZ Tierheilkundezentrum Nehls · Sommerekzem-Cluster

Allergieweide – warum Ekzemer-Pferde früh auf die Weide sollten

Das Zeitfenster vor dem ersten Gnitzenflug – und wie man es klug nutzt

Fachliche Einordnung
Dieser Ratgeber wurde zunächst von unserer Gründerin Tierheilpraktikerin Nehls aus ihrer persönlichen Erfahrung als Tierheilpraktikerin mit eigener Praxis beschrieben und dann im Team mit unserer Tierärztin Katrin Knecht (seit über 20 Jahren in der Naturheilkunde tätig) und auf Basis der Erfahrungen unserer Tierheilpraktikerin Tatjana Siebert und unserer Beraterinnen zusammengefasst und aktualisiert.
Tatjana SiebertGeprüfte Tierheilpraktikerin (VDT), zertif. Ernährungsberaterin für Tiere (Paracelsus/TÜV)
Katrin KnechtTierärztin, seit über 20 Jahren in der Naturheilkunde tätig
Die Inhalte ersetzen keine tierärztliche Diagnostik oder Begleitung.
Kurze Antwort: Warum früh auf die Weide?

Viele Gnitzen werden erst bei stabil warmen Temperaturen aktiv. Ekzemer-Pferde, die bereits früh im Frühjahr kontrolliert auf die Weide kommen, können Licht, Bewegung und frische Luft nutzen, bevor der Insektendruck stark ansteigt. Der Organismus kommt ruhiger in die Saison – statt abrupt in eine bereits belastete Phase hineinzustolpern. Entscheidend ist nicht ob, sondern wie: mit angepassten Weidezeiten, frühzeitiger Ekzemerdecke und einer Fütterung, die schon im Frühjahr stimmt.

Das Zeitfenster, das viele Pferdebesitzer verpassen

Viele Pferdebesitzer denken beim Sommerekzem erst dann intensiv nach, wenn das Scheuern schon begonnen hat. Wenn Mähnenkamm und Schweifrübe empfindlich werden, wenn die ersten Schuppen sichtbar sind oder wenn das Pferd unruhig auf der Weide steht. Genau dort liegt jedoch oft der entscheidende Fehler. Bei Ekzemer-Pferden beginnt die sinnvolle Vorbereitung nicht mitten in der Saison – sondern davor.

Das Sommerekzem entsteht nicht durch Wärme oder Weidegang an sich, sondern durch die Überreaktion des Organismus auf den Speichel bestimmter Insekten – vor allem der Gnitzen aus der Culicoides-Gruppe. Diese Insekten werden aktiv, sobald Wetter, Feuchtigkeit und Temperatur günstig sind. Trifft der erste starke Insektendruck auf ein ohnehin sensibles Haut- und Immunsystem, eskaliert die Reaktion schneller und stärker. Genau deshalb ist die Frühweide für viele Ekzemer-Pferde kein Nebenthema, sondern ein strategisch wichtiges Zeitfenster.

Frühe Weidephasen können sinnvoll sein, solange der große Gnitzenflug noch nicht begonnen hat. In dieser Zeit profitieren viele Pferde von Licht, Bewegung, frischer Luft und einem ruhigen Anweiden ohne die volle Insektenbelastung. Der Organismus kann sich sortierter auf die Saison einstellen – Haut, Stoffwechsel und allgemeine Stabilität geraten dann weniger abrupt unter Druck.

Frühweide bedeutet nicht unkontrollierte Weide Gerade Ekzemer-Pferde brauchen Management. Sobald das Insektenaufkommen steigt, sollten Weidezeiten angepasst werden. Feuchte, windstille Abendstunden und morgendliche Phasen mit hoher Gnitzenaktivität sind oft problematischer als trockenere, luftigere Zeiten am Mittag.

Die richtige Weide für den Ekzemer

Nicht jede Weide ist gleich. Nasse Senken, stehendes Wasser und windgeschützte Ecken begünstigen Insekten. Trockene, offenere Flächen sind für empfindliche Pferde meist die bessere Wahl. Konkret bedeutet das:

  • Trocken und schnell abtrocknend – felsige oder steinige Böden sind ideal; sie bringen zusätzlich den Vorteil eines kargen, proteinarmen Bewuchses
  • Windexponiert – windige Hochlagen, Bergweiden oder Deiche an der Küste sind für Ekzemerpferde deutlich günstiger als windgeschützte Niederungen
  • Kein stehendes Gewässer in der Nähe – idealer Abstand mindestens mehrere Kilometer
  • Extensiv bewirtschaftet – karge Gräser statt Weidelgras, keine Pestizide, keine Kunstdünger, ca. 1 Hektar pro Pferd
  • Unterstand vorhanden – dunkler, trockener Stall- oder Unterstandsbereich als Rückzugsort vor Insekten

Die Ekzemerdecke: früh einsetzen, nicht erst wenn die Haut brennt

Zur Frühjahrsstrategie gehört fast immer auch die Ekzemerdecke. Nicht als letzte Rettung, wenn das Pferd sich schon wund scheuert – sondern frühzeitig und vorausschauend. Viele Besitzer warten zu lange. Ist die Haut erst gereizt, steigt der Aufwand deutlich. Wird die Decke dagegen rechtzeitig eingesetzt, kann sie helfen, den ersten starken Reizdruck auf die Haut deutlich zu reduzieren.

Wichtig: Die Decke zum Pferd passend auswählen, sauber halten und nicht dauerhaft ohne Pausen tragen lassen. Auch Ekzemerhaut braucht gelegentlich Luft und Licht. Die Decke ist eine wertvolle Unterstützung – sie ersetzt jedoch nicht die Arbeit an der eigentlichen Ursache.

Fütterung und Stoffwechsel – schon im Frühjahr

Auch die Fütterung gehört bei Ekzemer-Pferden nicht erst im Sommer auf den Prüfstand. Gerade im Frühjahr lohnt sich der Blick auf Haut, Darm, Stoffwechsel und Mineralstoffversorgung. Eine übersichtliche, bedarfsgerechte Fütterung kann dazu beitragen, dass das Pferd stabiler in die belastende Zeit startet.

Entscheidend ist nicht möglichst viel, sondern möglichst passend. Ekzemer-Pferde profitieren von Klarheit, Konstanz und Reduktion unnötiger Reize – kein Kraftfutter, keine synthetischen Mineralstoffmischungen, kein eiweißreicher Frühjahrsaufwuchs in großen Mengen. Naturbelassene Kräuter als Mineralstoffquelle und zur Begleitung des Hautstoffwechsels haben sich in der Praxis bewährt – ganzjährig, nicht nur saisonal.

→ Ausführlicher: Fütterung bei Sommerekzem – was hilft, was schadet

Häufige Fragen: Ekzemer-Pferd und Frühjahrsweide

Warum sollten Ekzemer-Pferde früh auf die Weide?
Viele Gnitzen treten erst bei stabil warmen Temperaturen und bestimmten Feuchtigkeitsbedingungen verstärkt auf. Frühweide vor dem Hauptflug kann helfen, dass Pferde Bewegung, Licht und frische Luft nutzen, bevor der Insektendruck stark ansteigt. Der Organismus kommt ruhiger in die Saison.
Wann beginnt die Gnitzen-Saison?
Je nach Wetterlage kann der erste stärkere Gnitzenflug bereits im Frühjahr einsetzen, häufig ab April oder Mai. Feuchte, windstille Bedingungen begünstigen ihre Aktivität besonders. In milden Jahren kann es auch früher sein – ein Grund, die Begleitung schon ab Februar/März zu beginnen.
Welche Rolle spielt eine Ekzemerdecke?
Ekzemerdecken dienen als mechanischer Schutz vor stechenden Insekten. Viele Pferde profitieren davon, wenn die Decke frühzeitig eingesetzt wird, bevor die Haut bereits gereizt ist. Sie ist eine wertvolle Unterstützung – aber kein Ersatz für Fütterungsoptimierung und Weidemanagement.
Welche Faktoren beeinflussen das Sommerekzem noch?
Neben Insektenkontakt spielen auch Hautzustand, Stoffwechsel, Darmgesundheit, Mineralstoffversorgung und das allgemeine Management des Pferdes eine Rolle. Das Sommerekzem ist eine komplexe Immunreaktion – wer nur den Insektenschutz optimiert, aber Fütterung und Haltung vernachlässigt, wird langfristig weniger Stabilität erreichen.

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