Warmblut: Was der Begriff wirklich bedeutet – und was das für die Fütterung heißt
Warum „Warmblut" keine Rasse ist und die Ration deshalb aus der Arbeit folgt statt aus dem Papier – über 26 Jahre Praxiserfahrung
Warmblut ist keine Rasse. Es ist ein Zuchtprinzip: leichter und sportlicher als das Kaltblut, ruhiger und großrahmiger als das Vollblut, gezüchtet in offenen Stutbüchern und selektiert über Leistung. Weltweit zählen rund hundert Rassen dazu. Mit der Bluttemperatur hat der Begriff nichts zu tun – die liegt bei jedem Pferd bei etwa 38 Grad.
Für den Halter folgt daraus etwas Unbequemes: Aus dem Wort „Warmblut" lässt sich kein Futterbedarf ableiten. Ein Hannoveraner im Grand Prix, ein Westfale im Offenstall und eine Zuchtstute auf der Weide brauchen drei verschiedene Rationen.
Aus unserer Erfahrung als Tierheilpraktiker ist beim Warmblut deshalb weniger der Stoffwechsel das Thema als der Magen – und die Ration, die der Gewohnheit folgt statt der tatsächlichen Arbeit. Die Diagnose stellt Ihr Tierarzt. Wir ordnen ein, was in der Fütterung dazu passt.
- Warmblutzucht arbeitet mit offenen Stutbüchern: Entscheidend ist das Zuchtziel, nicht allein die Abstammung. Deutsche Warmblüter laufen unter dem Oberbegriff „Deutsches Reitpferd".
- Der häufigste Fehler aus unserer Sicht: Die Ration bleibt gleich, während die Arbeit weniger wird – nach Verletzung, im Winter, nach dem Wechsel vom Sport in die Freizeit.
- Als Orientierung in der Fachliteratur gelten weniger als ein Gramm Stärke je Kilogramm Körpermasse pro Mahlzeit und weniger als zwei Gramm pro Tag.
- Fresspausen über vier bis sechs Stunden gelten als Risikofaktor für den Magen. Heu kommt vor dem Kraftfutter.
- Was wir aus 26 Jahren Praxis sehen: Bei Turnierpferden summieren sich mit jeder zusätzlichen Ergänzung die Karenzzeiten.
Wenn Turnierbetrieb und Fresspausen den Alltag bestimmen. Anhänger, fremder Stall, zwei Stunden ohne Heu vor der Prüfung. Für Pferde in diesem Rhythmus begleiten wir die Fütterung mit Nehls Magen-Vet für Pferde aus Süßholzwurzel und Oregano: 50 g täglich auf zwei bis drei Mahlzeiten. Geht es um die Verdauung insgesamt, etwa in Übergangsphasen, nehmen wir Nehls Attis & Sunnys Magen & Darm Fit: erste sechs Wochen 50 g täglich, danach 30 bis 40 g.
Wenn die Arbeit weniger geworden ist als die Ration. Verletzungspause, Winterhalbjahr, Wechsel vom Sport in die Freizeit: Das Pferd bekommt weiter, was es im Training bekam, und setzt an. Für die Fütterung in dieser Phase gibt es die Nehls Meta-Kräuter, täglich 50 g beim Großpferd, 40 g beim Kleinpferd, 30 g bei Pony und Esel. Der erste Schritt bleibt trotzdem die Ration selbst: Kraftfutter runter, Raufutter halten.
Wenn die Grundversorgung stehen soll. Ein Sportpferd, das über die Saison schwitzt, und ein Freizeitpferd auf einer artenarmen Standweide haben denselben blinden Fleck: die Mineralversorgung. Als Dauerbasis geben wir VetLine Surf and Turf Basic Mineral Pferd, ein naturbelassenes Mineralfutter aus marinen und pflanzlichen Quellen – durchgehend, nicht phasenweise. 3,5 kg reichen bei einem mittelgroßen Pferd rund zwei Monate.
Wenn die Lage unklar ist. Leistungsabfall ohne Befund, ein Jungpferd in der Aufzucht, ein neu gekauftes Pferd ohne Vorgeschichte. Wo wir anfangen, klären wir im kostenlosen Erstgespräch, telefonisch unter 05642 988 8826, Mo–Fr 9–12 und 14–17 Uhr. Wer tiefer einsteigen will, nimmt die „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse" als Ausgangspunkt. (Nicht wissenschaftlich anerkannter Informationstest – ersetzt keine tierärztliche Diagnose.)
Alle genannten Produkte sind Ergänzungsfuttermittel und ersetzen keine tierärztliche Diagnostik oder Behandlung. Vor jedem Turnierstart gelten die Karenzzeiten – welche Pflanzen betroffen sind, steht hier.
Was „Warmblut" bedeutet und was nicht
Die Einteilung in Kaltblut, Warmblut und Vollblut beschreibt Typ und Temperament, nicht die Bluttemperatur. Entstanden ist das Warmblut, weil aus schweren Landpferden Militär-, Kutsch- und Reitpferde werden sollten. Dafür wurden leichtere, edlere Typen eingekreuzt, zuerst orientalische Pferde, später englisches Vollblut.
Der entscheidende Unterschied zur Vollblutzucht liegt im Stutbuch. Warmblutverbände führen offene Stutbücher: Eine Stute kann eingetragen werden, wenn sie das Zuchtziel erfüllt, auch wenn ihre Eltern nicht im selben Buch stehen. Gezüchtet wird auf ein Ergebnis statt auf eine geschlossene Blutlinie. Deutsche Warmblüter laufen deshalb unter dem Oberbegriff „Deutsches Reitpferd", mit einem abgestimmten Zuchtziel: ein edles, korrektes, gesundes Pferd mit schwungvollen, elastischen Bewegungen, das durch Temperament und Rittigkeit für Reitzwecke jeder Art geeignet ist.
Die bekannten deutschen Zuchtgebiete – Hannoveraner, Holsteiner, Oldenburger, Westfale, Trakehner, Bayerisches und Württemberger Warmblut – sind Regionen mit eigenen Verbänden, Körungen und Stutbüchern, keine voneinander abgeschotteten Rassen. Die Ausnahme ist der Trakehner: Dort ist das Stutbuch weitgehend geschlossen, eingekreuzt werden nur englisches Vollblut, Araber und Shagya-Araber.
Für die Beratung ist das der praktisch wichtigste Punkt dieses Artikels. Wer wissen will, was sein Pferd braucht, findet die Antwort nicht im Zuchtbuch, sondern im Trainingsplan, im Heu und in der Uhr am Stall.
Herkunft und Zuchtgeschichte in Kürze
Die organisierte Warmblutzucht beginnt im 18. Jahrhundert mit den Staatsgestüten: 1732 Trakehnen in Ostpreußen, 1735 das Landgestüt Celle in Niedersachsen. Ziel war, den Bauern brauchbare Hengste zur Verfügung zu stellen und das Militär zu versorgen. Registriert wurden Bedeckungen und Abfohlungen von Anfang an – die Datenbasis, auf der die heutigen Zuchtwerte aufbauen. Im 19. Jahrhundert kam englisches Vollblut dazu, um Gangqualität und Ausdauer zu verbessern.
Bis in die 1940er-Jahre blieb das Warmblut ein kräftiges Arbeits- und Militärpferd. Die Mechanisierung nahm ihm diese Aufgabe, und innerhalb weniger Jahrzehnte entstand daraus das moderne Sportpferd: leichter, großrahmiger, mit mehr Bewegungsqualität und deutlich mehr Blutanteil. Diese Umzüchtung ist schnell gegangen – und sie erklärt, warum Röntgenbefunde, Fundament und Erbfehler in der Zuchtdiskussion heute neben Bewegung und Springvermögen stehen.
Warum der Magen beim Warmblut die Schwachstelle ist
Der Magen eines Großpferdes fasst etwa 15 bis 20 Liter und produziert rund um die Uhr Säure, unabhängig davon, ob Futter da ist. Gepuffert wird über Speichel, und Speichel entsteht durch Kauen. Ein Pferd, das frisst, schützt seinen Magen; ein Pferd mit leerem Magen tut es nicht.
Genau das kollidiert mit dem Alltag eines Sportpferds. Untersuchungen zur Häufigkeit von Magengeschwüren kommen je nach Disziplin, Trainingsintensität und Methode zu sehr unterschiedlichen Zahlen; für Pferde im aktiven Sport werden Anteile von etwa vierzig bis über neunzig Prozent berichtet, für Freizeitpferde niedrigere, aber ebenfalls beachtliche Werte. Über die Höhe lässt sich streiten. Über die Richtung nicht. Vier Stellschrauben haben Sie selbst in der Hand:
Fresspausen. Pausen ohne Raufutter sollten vier bis sechs Stunden nicht überschreiten. Die größte Heumenge gehört in die Nacht, weil dort die längste Lücke entsteht. Engmaschige Heunetze verlängern die Fresszeit, ohne die Menge zu erhöhen.
Reihenfolge. Heu vor dem Kraftfutter, idealerweise mit etwas Abstand. Kraftfutter auf leeren Magen ist eine der ungünstigsten Konstellationen überhaupt – und im Turnierstall gleichzeitig die häufigste, weil morgens die Zeit drückt.
Stärkemenge. Als Orientierung gelten weniger als ein Gramm Stärke je Kilogramm Körpermasse pro Mahlzeit und weniger als zwei Gramm pro Tag. Bei einem 600-kg-Warmblut sind das rund 600 g je Mahlzeit, ungefähr ein Kilo Hafer. Was darüber hinausgeht, erreicht den Dickdarm unverdaut. Drei kleine Portionen schlagen zwei große, und bei nachlassender Arbeit fällt zuerst das Kraftfutter weg.
Eiweiß. Hier sehen wir den umgekehrten Fehler: Halter, die Muskulatur aufbauen wollen, erhöhen die Proteinmenge über Luzerne oder eiweißbetonte Müslis. Muskulatur entsteht aber durch Training; überschüssiges Protein muss die Leber umbauen und über die Nieren ausgeschieden werden.
Wie Magen und Darm beim Pferd zusammenhängen, haben wir ausführlich in einem eigenen Beitrag beschrieben: Magen und Darm beim Pferd.
Was in der Zucht heute diskutiert wird
Zwei Themen begegnen uns im Gespräch mit Züchtern regelmäßig. Osteochondrose entsteht im Wachstum, beeinflusst von Genetik, Fütterungsintensität und Bewegungsangebot. In Ihrer Hand liegen die Energiedichte in der Aufzucht und der tägliche Auslauf auf abwechslungsreichem Boden. Schnelles Wachstum durch energiereiche Fütterung ist bei großrahmigen Warmblütern ein Risiko, keine Investition; geklärt wird die Frage über das Röntgenbild.
WFFS, das Warmblood Fragile Foal Syndrome, ist eine autosomal-rezessiv vererbte Bindegewebsschwäche, ausgelöst durch eine Mutation im PLOD1-Gen. Träger sind selbst völlig gesund. Erkranken kann ein Fohlen nur, wenn beide Elterntiere Träger sind; dann sind rechnerisch fünfundzwanzig Prozent der Nachkommen betroffen und nicht lebensfähig. Die Angaben zur Trägerfrequenz in Reitpferdepopulationen schwanken je nach Erhebung erheblich, häufig genannt wird ein Bereich um zehn bis fünfzehn Prozent. Seit 2013 gibt es einen Gentest aus Blut oder Haarwurzeln.
Unsere Position dazu ist schlicht: Wer züchtet, testet. Der Trägerstatus ist kein Makel und kein Grund, ein Pferd aus der Zucht zu nehmen – er ist eine Information, die man für die Anpaarung braucht. Über Fütterung lässt sich hier nichts regeln.
Wie wir im THZ an ein Warmblut herangehen
Wir fangen nicht beim Produkt an. Wir fangen bei vier Fragen an: Wie viele Stunden am Tag hat das Pferd Raufutter vor sich, und wie lang ist die längste Pause? Wie viel Kraftfutter bekommt es pro Mahlzeit – und wie viel bekam es, als es noch mehr gearbeitet hat? Wie viele Stunden bewegt es sich täglich, Reiten eingeschlossen? Und was hat der Tierarzt bisher gesehen?
Aus den Antworten ergibt sich die Reihenfolge. Meist ändern wir zuerst Ration und Rhythmus und schauen vier Wochen später, was davon übrig geblieben ist. Bei einem Turnierpferd planen wir die Karenzzeiten ein, bevor überhaupt etwas in den Trog kommt. Was wir nicht tun: fünf Produkte gleichzeitig empfehlen. Dann weiß hinterher niemand, was gewirkt hat.
Beratung vor der Futterumstellung
Bevor Sie am Futter etwas ändern, sprechen Sie mit uns. Das kostenlose Erstgespräch dauert in der Regel zwanzig Minuten, danach wissen Sie, in welcher Reihenfolge Sie vorgehen. Telefonisch: 05642 988 8826, Mo–Fr 9–12 und 14–17 Uhr.
Häufige Fragen zum Warmblut
Pferd verändert sich, und die Befunde sagen nichts?
Manche Halter rufen an und sagen mit halbem Lachen: „An so Hokuspokus glaube ich eigentlich nicht, aber ich weiß nicht mehr weiter." Wir nehmen das nicht persönlich, im Gegenteil. Wenn Training, Befunde und Beschlag stimmen und trotzdem etwas nicht passt, lohnt der Blick auf die individuelle Belastungssituation Ihres Pferdes. Die „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse" ist Ausgangspunkt für einen Begleitplan, mit persönlichem Gespräch und sechs Monaten Begleitung durch Tatjana Siebert und unser Beraterinnen-Team. Sie ist für uns ein Werkzeug, keine Wahrheit. (Nicht wissenschaftlich anerkannter Informationstest – ersetzt keine tierärztliche Diagnose.)
Lieber zuerst reden? Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, wo wir bei Ihrem Pferd anfangen – telefonisch unter 05642 988 8826.
Zur „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse" →