Die Trächtigkeit und die anschließende Laktationszeit zählen zu den anspruchsvollsten Lebensphasen einer Stute – unabhängig von Rasse oder Nutzung. In keiner anderen Zeit wirken Fütterung, Haltung und Management so unmittelbar auf zwei Organismen zugleich: auf die Stute selbst und auf das heranwachsende beziehungsweise neugeborene Fohlen. Entscheidungen, die in dieser Phase getroffen werden, haben Einfluss auf Gesundheit, Entwicklung und Belastbarkeit – oft weit über die Geburt hinaus.
Während sich die grundsätzlichen physiologischen Abläufe bei allen Pferderassen ähneln, zeigen sich in der Praxis deutliche Unterschiede im Stoffwechsel, in der Futterverwertung und in der Reaktion auf Über- oder Unterversorgung. Gerade deshalb ist eine differenzierte Betrachtung sinnvoll, die sowohl allgemeine wissenschaftliche Grundlagen als auch rassetypische Besonderheiten berücksichtigt.
Trächtigkeit – ein komplexer Anpassungsprozess im Organismus
Die Trächtigkeit der Stute dauert im Durchschnitt rund 330 bis 340 Tage und verläuft keineswegs gleichförmig. Bereits in den ersten Monaten kommt es zu tiefgreifenden hormonellen und metabolischen Anpassungen, lange bevor äußerlich Veränderungen sichtbar werden. Der Organismus der Stute stellt sich darauf ein, ein genetisch eigenständiges Lebewesen zu versorgen, ohne dabei das eigene Gleichgewicht zu verlieren.
In der Frühträchtigkeit ist der zusätzliche Nährstoffbedarf noch moderat. Dennoch wird hier der Grundstein gelegt: Eine stabile Versorgung unterstützt die hormonelle Steuerung, das Immunsystem und die frühe embryonale Entwicklung. Fehler in dieser Phase bleiben häufig unbemerkt, können sich jedoch später auswirken.
Das letzte Drittel der Trächtigkeit – steigender Bedarf, begrenzte Kapazität
Ab etwa dem siebten Trächtigkeitsmonat steigt der Nährstoffbedarf der Stute deutlich an. Rund zwei Drittel des fetalen Wachstums finden in den letzten drei Monaten statt. Knochen, Sehnen, Organe und Muskulatur entwickeln sich nun besonders intensiv, gleichzeitig nimmt der Platz im Bauchraum ab. Die Futteraufnahme kann mechanisch eingeschränkt sein, während der Bedarf an Energie, hochwertigem Eiweiß, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen deutlich steigt.
In dieser Phase zeigt sich besonders klar, dass nicht die Futtermenge entscheidend ist, sondern die Nährstoffdichte und -qualität. Eine Überversorgung mit Energie bei gleichzeitigem Mangel an bestimmten Spurenelementen ist ein häufiges Problem in der Praxis – unabhängig von der Pferderasse.
Spurenelemente, Vitamine und ihre Bedeutung für das Fohlen
Kupfer, Zink, Mangan, Selen sowie die Vitamine A und E spielen eine zentrale Rolle für die Skelettentwicklung, die Enzymaktivität und das Immunsystem des ungeborenen Fohlens. Studien aus der Pferdezucht zeigen, dass selbst moderate Defizite in der Trächtigkeit Auswirkungen auf die spätere Belastbarkeit und Gesundheit des Jungpferdes haben können.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Qualität der Kolostralmilch. Da Pferde keine Antikörper über die Plazenta übertragen, ist das Fohlen vollständig auf die Aufnahme von Biestmilch in den ersten Lebensstunden angewiesen. Die Zusammensetzung dieser Milch wird maßgeblich durch die Versorgung der Stute in den letzten Wochen der Trächtigkeit beeinflusst.
Laktation – maximale Anforderungen an Stoffwechsel und Energiehaushalt
Mit der Geburt erreicht die physiologische Belastung der Stute ihren Höhepunkt. Die Milchproduktion erfordert erhebliche Mengen an Energie, Eiweiß, Mineralstoffen und Wasser. In den ersten Wochen der Laktation kann der Nährstoffbedarf um bis zu 70 bis 80 Prozent über dem Erhaltungsbedarf liegen.
Unabhängig von der Rasse ist es in dieser Phase entscheidend, einen starken Konditionsverlust zu vermeiden, ohne den Stoffwechsel zu überlasten. Eine unzureichende Versorgung kann zu verminderter Milchleistung, Gewichtsverlust und erhöhter Stressanfälligkeit führen. Eine Überversorgung hingegen kann insbesondere bei stoffwechselempfindlichen Pferden problematisch sein.
Robuste und leichtfuttrige Rassen – besondere Aufmerksamkeit erforderlich
Bei robusten, genügsamen Pferderassen wie dem Haflinger, aber auch bei Fjordpferden, Isländischen Pferden oder anderen ursprünglichen Typen, kommt eine Besonderheit hinzu: Diese Pferde verwerten Futter sehr effizient. Was im Erhaltungsstoffwechsel ein Vorteil ist, kann in Trächtigkeit und Laktation zur Herausforderung werden.
Ein zu hoher Energieüberschuss – etwa durch stark melassierte oder zuckerreiche Futtermittel – kann den Stoffwechsel belasten, ohne den tatsächlichen Bedarf an Spurenelementen und hochwertigen Proteinen zu decken. Gleichzeitig bleiben subklinische Mängel oft lange unbemerkt, da die Tiere äußerlich vital wirken.
Gerade bei solchen Rassen ist es besonders wichtig, die Ration nicht pauschal zu erhöhen, sondern gezielt zu ergänzen.
Ergänzende Nährstoffzufuhr – warum Kräutermischungen sinnvoll sein können
In der Praxis hat es sich bewährt, empfohlene Zusatzmengen nicht primär über stark angereicherte Kraftfutter, sondern über naturbasierte Ergänzungen abzudecken. Hochwertige Kräutermischungen wie unsere Nehls Kräuter für trächtige und laktierende Stuten können dabei eine wichtige Rolle spielen. Sie liefern Nährstoffe in natürlicher Matrix, enthalten sekundäre Pflanzenstoffe und fügen sich harmonisch in die Verdauungsphysiologie des Pferdes ein.
Statt isolierter Einzelsubstanzen steht hier die funktionelle Ergänzung im Vordergrund. Ziel ist es, den Organismus zu begleiten, nicht ihn zu überreizen. Gerade in sensiblen Phasen wie Trächtigkeit und Laktation zeigt sich, dass diese Form der Ergänzung oft besser akzeptiert wird und sich leichter in bestehende Fütterungskonzepte integrieren lässt.
Kritische Betrachtung stark verarbeiteter Futtermittel
Ein genauer Blick auf viele handelsübliche Futtermittel lohnt sich insbesondere in dieser sensiblen Phase. Zahlreiche Produkte enthalten neben vergleichsweise geringen Mengen an Kräutern oder natürlichen Rohstoffen einen hohen Anteil an Zucker, Melasse, Füllstoffen oder technologischen Zusatzstoffen. Auch künstliche Aromen, synthetische Vitamine und Bindemittel sind weit verbreitet.
Aus fachlicher Sicht ist bei trächtigen und laktierenden Stuten Zurückhaltung geboten. Eine dauerhaft hohe Zuckerzufuhr kann den Stoffwechsel belasten, insbesondere bei leichtfuttrigen Rassen. Füllstoffe tragen wenig zur tatsächlichen Nährstoffversorgung bei, während künstliche Zusatzstoffe zwar analytische Werte verbessern, jedoch nicht zwangsläufig die physiologische Verwertung unterstützen.
Viele Praktiker berichten, dass eine klare, überschaubare Zusammensetzung mit nachvollziehbaren Rohstoffen gerade in dieser Phase die bessere Wahl ist.
Regulation statt Überversorgung
Ein moderner Ansatz in der Pferdefütterung besteht darin, nicht allein auf Mengen und Tabellenwerte zu setzen, sondern körpereigene Regulationsprozesse zu unterstützen. Ziel ist es, Bedingungen zu schaffen, unter denen die Stute Nährstoffe effizient aufnehmen, verwerten und weitergeben kann – an das ungeborene Fohlen oder über die Milch an das neugeborene Jungtier.
Dieser Ansatz ist rassenübergreifend sinnvoll, zeigt aber gerade bei robusten Pferden besondere Vorteile. Eine maßvolle, bewusst zusammengestellte Ergänzung kann dazu beitragen, den Bedarf zu decken, ohne den Stoffwechsel unnötig zu belasten.
Haltung, Ruhe und Management als ergänzende Faktoren
Neben der Fütterung spielen Haltung und Management eine zentrale Rolle. Stress wirkt sich unmittelbar auf hormonelle Prozesse aus und kann sowohl den Trächtigkeitsverlauf als auch die Laktation beeinflussen. Ruhige Abläufe, stabile Sozialstrukturen, ausreichend Bewegungsmöglichkeiten und eine stressarme Abfohlumgebung fördern das Wohlbefinden der Stute und wirken sich positiv auf Geburt und Milchleistung aus.
Fazit
Die Fütterung trächtiger und laktierender Stuten erfordert unabhängig von der Pferderasse ein hohes Maß an Aufmerksamkeit. Allgemeine wissenschaftliche Grundlagen bilden die Basis, doch erst die Berücksichtigung individueller und rassetypischer Besonderheiten macht eine Versorgung wirklich bedarfsgerecht.
Gerade robuste Rassen wie der Haflinger zeigen, dass „weniger, aber gezielt“ häufig der nachhaltigere Weg ist. Eine ausgewogene, qualitativ hochwertige Fütterung, ergänzt durch naturbasierte Komponenten und getragen von gutem Management, schafft die Grundlage für gesunde Stuten und einen optimalen Start ins Leben für das Fohlen.
