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Abruptes Abweiden: Die unsichtbare Gefahr im Pferdedarm

THZ Tierheilkundezentrum Nehls · Ratgeber Pferd

Abweiden beim Pferd

Von der Weide aufs Heu – warum die Futterumstellung im Herbst zwei bis drei Wochen braucht und wir dabei beim Darm anfangen

Direkte Antwort: Wie weide ich mein Pferd richtig ab?

Die Nächte werden kalt, die Weide gibt kaum noch etwas her, und Sie überlegen, ob Ihr Pferd ab nächster Woche einfach im Winterquartier bleibt. Bitte nicht von heute auf morgen. Auch wenn auf beiden Seiten „nur Gras" steht: Heu unterscheidet sich chemisch gewaltig von frischem Weidegras, und die Darmflora muss sich umstellen. Ein abruptes Abweiden kann sie massiv stören und im schlimmsten Fall Kolik oder Hufrehe auslösen. Wir planen zwei bis drei Wochen: Heu schon auf der Weide dazu, Weidezeit schrittweise kürzen, Wasser und Bewegung sichern – und den Darm in dieser Zeit begleiten.

Kurz zusammengefasst
  • Weidegras besteht zu rund 80 % aus Wasser, Heu nur noch zu 10–15 %. Ein 500-kg-Pferd muss auf Heu bis zu 40 Liter täglich zusätzlich trinken.
  • Die Bakterien passen sich in wenigen Tagen an, bis das Mikrobiom wieder voll arbeitet, vergehen zwei bis drei Wochen.[1]
  • Herbstkoliken entstehen selten durch das Heu allein, sondern durch die Summe: weniger Bewegung, kälteres Wasser, Fresspausen, trockener Darminhalt.
Womit begleiten? Erst die Lage, dann das Mittel

Wenn Ihr Pferd in den nächsten Wochen ins Winterquartier zieht. Dann begleiten wir den Darm durch die Umstellung mit dem VetLine Entero Clean Duo Aktiv: Entero Clean Basic als Pulver und Entero Clean Liquid in einem Set, sechs Wochen parallel, am besten ab dem Tag, an dem die Weidezeit kürzer wird. Für ein mittleres Pferd nennt die Produktseite rund 20 g Basic und 2 × 7,5 ml Liquid täglich, Liquid die ersten drei Tage in halber Menge.

Als Grundlage über den ganzen Winter. VetLine Surf and Turf Basic Mineral läuft als tägliche Mineralbasis mit, 30 g für ein mittleres Pferd, Einstieg mit 1 kg. Bei Schilddrüsenproblemen sprechen Sie uns vorher an.

Wenn in der Umstellung etwas passiert – Kotwasser, das stärker wird, Blähungen, angelaufene Beine, fühliger Gang. Erst Tierarzt. Danach klären wir im kostenlosen Erstgespräch, wo wir ansetzen – telefonisch unter 05642 988 8826. Kommt das jeden Herbst wieder, nehmen wir die „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse" als Ausgangspunkt für einen Begleitplan. (Nicht wissenschaftlich anerkannter Informationstest – ersetzt keine tierärztliche Diagnose.)

Turnierpferde: Karenz für das Duo Aktiv laut Produktseite 48 Stunden. Alle genannten Produkte sind Ergänzungsfuttermittel und ersetzen keine tierärztliche Diagnostik oder Behandlung.

Was sich im Futter schlagartig ändert

Beim Trocknen und Lagern verliert Gras nicht nur Wasser, es verändert seine ganze Zusammensetzung:

  • Wasser: Weidegras besteht zu rund 80 % aus Wasser, Heu nur noch zu 10–15 %. Ein 500-kg-Pferd nimmt über die Weide täglich bis zu 40 Liter Wasser auf. Diese Menge muss es auf Heu komplett zusätzlich trinken.
  • Struktur und Kauen: Heu ist stängeliger und verholzter. Das Pferd kaut länger, bildet mehr Speichel und puffert so den Magen – vorausgesetzt, das Gebiss ist in Ordnung.
  • Nährstoffe und Zucker: Der Proteingehalt sinkt meist. Der Zuckergehalt schwankt weniger als auf der Weide, ist aber nicht automatisch niedriger. Bei empfindlichen Pferden schafft nur eine Heuanalyse Klarheit. Omega-3-Fettsäuren bauen sich beim Trocknen und Lagern rasch ab.

Das Mikrobiom im Umbau

Im Blind- und Dickdarm leben Billionen Mikroorganismen, die auf das aktuelle Futter spezialisiert sind. Die wichtigste Gruppe für die Energiegewinnung sind die zellulosespaltenden Bakterien, vor allem aus den großen Stämmen Firmicutes und Bacteroidetes. Sie bauen die Faser zu flüchtigen Fettsäuren ab, der Hauptenergiequelle des Pferdes. Die leichter verdauliche Faser im Weidegras ernährt andere Bakterien als die verholzten Bestandteile im Heu – für Heu braucht das Pferd Spezialisten.

Wie schnell sich die Darmflora umbaut, ist inzwischen untersucht: Bei Ponys, die abrupt von der Weide auf Heu wechselten, zeigten sich die meisten Veränderungen in den ersten drei Tagen.[1][2] Bis das neue Mikrobiom eingespielt ist und die Nährstoffe wieder voll ausnutzt, vergehen aber etwa zwei bis drei Wochen.

Aus unserer Sicht entsteht beim abrupten Wechsel genau in dieser Lücke das Problem: Die auf Gras eingestellten Bakterien verlieren ihre Grundlage und sterben in großer Zahl ab, die Faserspezialisten fürs Heu wachsen erst nach. Die Darmflora gerät aus dem Gleichgewicht (Dysbiose), und beim Absterben werden bakterielle Giftstoffe (Endotoxine) frei, die über eine gereizte Darmschleimhaut ins Blut gelangen können. Eine Dysbiose bringt zudem die Immunregulation durcheinander – bei Allergikern und Pferden mit chronischen Atemwegsproblemen sehen wir, dass sich die Beschwerden dann verstärken können.

Signale richtig deuten: Leichtes Kotwasser oder ein kleiner Konditionsknick in den ersten Wochen sind oft Ausdruck des normalen Umbaus. Hält das Kotwasser länger an, wird es stärker oder nimmt Ihr Pferd deutlich ab, passen Sie das Management an und ziehen Sie den Tierarzt hinzu.

Heu ist die Heizung des Pferdes. Die Verdauung von Raufutter im Dickdarm erzeugt Wärme. An nasskalten, windigen Tagen steigt der Energiebedarf – zusätzliches Raufutter ist dann die physiologisch sinnvollste Energiequelle.

Warum Herbstkoliken entstehen

Sie kennen Ihr Pferd. Wenn es in den ersten Heu-Wochen anders frisst, anders äppelt oder anders läuft, nehmen Sie das ernst. Probleme wie Kotwasser oder Verstopfungskoliken entstehen im Herbst selten durch das Heu allein, sondern durch die Summe aller Veränderungen: weniger Bewegung, kälteres Wasser, lange Fresspausen und trockenerer Darminhalt. Auch ein unbemerkter Wechsel der Heucharge im Stall ist eine eigene Futterumstellung – in einer großen Studie aus Texas war ein kürzlicher Heuwechsel mit einem deutlich erhöhten Kolikrisiko verbunden.[3] Erste Alarmzeichen sind oft leise: angelaufene Beine, Blähungen, Kotwasser.

Kolik- oder Rehe-Zeichen: Tierarzt rufen – und uns gleich mit.
  • Unruhe, Scharren, Wälzen, Umschauen zum Bauch, kein Kotabsatz
  • Fühliger Gang auf hartem Boden, warme Hufe, pochende Pulsation an der Zehenarterie, Sägebockstellung
  • Bei Rehe-Verdacht bis zum Tierarzt: weicher, tiefer Untergrund, Weide und Kraftfutter stoppen, Heu in angepasster Menge weiter anbieten
  • Bekommt Ihr Pferd gegen die Rehe Schmerzmittel, gilt strenge Boxenruhe auf weicher Einstreu: Das Pferd merkt den Schmerz nicht mehr und tritt wieder normal auf.

Alle Frühzeichen: Hufrehe-Symptome erkennen.

So gelingt der Übergang – Schritt für Schritt

Das ist viel Aufwand, wir wissen das. Für den Stallalltag ist der schnelle Schnitt einfach, für den Darm ist er ein Bruch. Der häufigste Fehler aus unserer Sicht: Das Tor geht zu, weil das Gras nichts mehr taugt, und niemand denkt daran, dass der Darm noch auf Gras eingestellt ist.

  1. Schon auf der Weide Heu anbieten. Am besten zwei bis drei Wochen vor dem Umstellungstermin. So bleiben die Faserspezialisten im Darm aktiv und gewöhnen sich fließend ans Heu.
  2. Weidezeit schrittweise reduzieren. Über 14 bis 21 Tage in Schritten von 15 bis 30 Minuten täglich – niemals von heute auf morgen.
  3. Trinkmenge sichern. Tränken täglich auf Funktion und Durchfluss prüfen. Viele Pferde trinken eiskaltes Wasser ungern; eine nasse, warme Mash-Mahlzeit hilft. Leicht angefeuchtetes Heu erhöht die Wasseraufnahme, muss aber frisch zubereitet und zeitnah verfüttert werden, weil es beim Stehen schnell verdirbt.
  4. Keine langen Fresspausen. Der Pferdemagen bildet pausenlos Säure, die ohne Raufutter ungepuffert die Schleimhaut angreift. Heu idealerweise lose vom Boden auf sauberem, befestigtem Untergrund – gut für Zähne und Oberlinie, ohne Sandaufnahme.
  5. Stroh langsam dazunehmen. Stehen die Pferde im Winterquartier auf Stroh, bieten Sie es schon in der Umstellung in kleinen Mengen an. Das beugt Verstopfungskoliken vor.
  6. Für Bewegung sorgen. Bewegung hält die Darmmotorik auf Trab und senkt das Kolikrisiko.
  7. Heuchargen fließend wechseln. Neue Chargen über etwa 7 bis 10 Tage schrittweise unter das gewohnte Heu mischen.

Das Mikrobiom ist ein Gewohnheitstier. Geben Sie ihm zwei bis drei Wochen. Die Gegenrichtung beschreibt unser Ratgeber Pferd anweiden im Frühjahr, die kalte Jahreszeit der Ratgeber Hufrehe im Winter.

Unsicher, ob Ihr Pferd die Umstellung gut wegsteckt? Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam auf Fütterung und Lage Ihres Pferdes – telefonisch unter 05642 988 8826, Mo–Fr 9–12 und 14–17 Uhr.

Häufige Fragen zum Abweiden beim Pferd

Wie lange dauert das Abweiden beim Pferd?
Zwei bis drei Wochen. Die Bakterienarten im Darm passen sich in wenigen Tagen an, bis das Mikrobiom eingespielt ist und die Nährstoffe wieder voll ausnutzt, dauert es länger. Kürzen Sie die Weidezeit über 14 bis 21 Tage.
Ist Kotwasser nach der Umstellung auf Heu normal?
Leichtes Kotwasser in den ersten Wochen ist oft Ausdruck des normalen Umbaus. Hält es länger an, wird es stärker oder nimmt Ihr Pferd ab, gehört es zum Tierarzt – Zähne und Parasiten kommen ebenso in Frage.
Warum muss mein Pferd im Winter mehr trinken?
Weil das Wasser aus dem Gras fehlt. Ein 500-kg-Pferd nimmt über die Weide bis zu 40 Liter täglich auf, die es auf Heu zusätzlich trinken muss. Warme Mash-Mahlzeiten und frisch angefeuchtetes Heu helfen.
Kann mein Pferd durch das Abweiden Hufrehe bekommen?
Ja, das ist möglich. Hufrehe hat fast immer mehrere Ursachen. Die häufigste Form hängt mit einem dauerhaft zu hohen Insulinspiegel zusammen – dahinter stehen oft Darm, Leber und Fütterung. Andere Formen entstehen durch Überlastung am Huf oder durch Giftstoffe, etwa nach einem abrupten Futterwechsel.

Jeden Herbst wieder Kotwasser, dicke Beine oder ein fühliger Gang?

Manche Halter rufen bei uns an und sagen mit halbem Lachen: „An so Hokuspokus glaube ich eigentlich nicht, aber ich weiß nicht mehr weiter." Wir nehmen das nicht persönlich – im Gegenteil. Wenn die Umstellung jedes Jahr Probleme macht, schauen wir auf Darm und Stoffwechsel dahinter. Die „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse" ist dafür unser Werkzeug, keine Wahrheit: Tatjana Siebert und unser Team werten sie aus und besprechen mit Ihnen den Begleitplan. (Nicht wissenschaftlich anerkannter Informationstest – ersetzt keine tierärztliche Diagnose.)

Zur „Nehls-Bioresonanz-Haaranalyse" →
Quellen
  1. Garber A, Hastie P, McGuinness D, Malarange P, Murray J-A (2020): Abrupt dietary changes between grass and hay alter faecal microbiota of ponies. PLoS ONE 15(8): e0237869.
  2. Fernandes KA, Kittelmann S, Rogers CW, Gee EK, Bolwell CF, Bermingham EN, Thomas DG (2014): Faecal microbiota of forage-fed horses in New Zealand and the population dynamics of microbial communities following dietary change. PLoS ONE 9(11): e112846.
  3. Cohen ND, Gibbs PG, Woods AM (1999): Dietary and other management factors associated with colic in horses. Journal of the American Veterinary Medical Association 215(1): 53–60.
Fachliche Einordnung
Dieser Ratgeber entstand im Team des Tierheilkundezentrums Nehls aus der täglichen Praxisarbeit und aus Fachgesprächen mit Tierärztin Katrin Knecht – auf Grundlage von über 26 Jahren Begleitung von Pferden, Ponys und Eseln – und wurde mit unserer Tierheilpraktikerin Tatjana Siebert (VDT) aufbereitet und aktualisiert.

Im THZ Tierheilkundezentrum Nehls arbeiten wir Hand in Hand für das Wohl der Tiere: Während diese Veröffentlichungen auf der naturheilkundlichen Praxis unserer Tierheilpraktikerinnen beruhen, bringt Tierärztin Katrin Knecht (seit über 20 Jahren in der Naturheilkunde tätig) ihre tiermedizinische Expertise vor allem im Hintergrund ein. Sie hat die VetLine und unsere flüssigen Rezepturen entwickelt und steht im internen Fachkonsil bei schwierigen Fragestellungen zur Verfügung.

Zur Person:
Tatjana Siebert – Geprüfte Tierheilpraktikerin (VDT), zertif. Ernährungsberaterin für Tiere (Paracelsus/TÜV). Kundenberatung und Haaranalyse-Auswertung bei THZ.
Katrin Knecht – Tierärztin, seit über 20 Jahren in der Naturheilkunde tätig. Entwicklerin der VetLine und der flüssigen THZ-Rezepturen, internes Fachkonsil.
Grundlage ist die praktische Begleitung von Pferden, Ponys und Eseln durch die Futterumstellungen im Jahreslauf.
Stand: 22. Oktober 2026. Die Inhalte ersetzen keine tierärztliche Diagnostik oder Behandlung.
Wenn Sie reden wollen
Unser Beratungsteam mit Lara, Sabrina, Sina, Vanessa und Tatjana (Geprüfte Tierheilpraktikerin VDT & zertifizierte Ernährungsberaterin für Tiere Paracelsus/TÜV) ist da, wenn die Weide schließt und Sie Fragen zu Umstellung, Darm und Fütterung Ihres Pferdes haben. Wir sagen ehrlich, wann wir begleiten können und wann es der Tierarzt sein muss.
Auch wenn Sie skeptisch sind zur Naturheilkunde oder zur Bioresonanz – rufen Sie an: 05642 988 8826. Wir nehmen das nicht persönlich, im Gegenteil.