Natürliche Mineralstoffe oder künstliche Mineralstoffe für unser Pferd?
Kurze Antwort: Natürliche Mineralstoffe sind in pflanzliche oder marine Strukturen eingebunden und werden vom Organismus häufig anders verarbeitet als isolierte synthetische Einzelstoffe. Entscheidend ist nicht nur die Menge, sondern die Verwertbarkeit, das Zusammenspiel im Darm und die Anpassung an Rasse, Herkunft und Fütterung. Mineralstoffversorgung bedeutet Balance, nicht Maximierung.
Fachliche Einordnung
Dieser Ratgeber wurde von unserer Gründerin Tierheilpraktikerin Nehls erstellt und weiter ergänzt mit den Erfahrungen unserer Beraterinnen und Karin Knecht, approbierter Tierärztin.
Was ist eine optimale Mineralstoffversorgung
Viele Pferdehalter machen sich Gedanken um die optimale Mineralstoffversorgung in der Pferdefütterung. Und das zu Recht. Gleichzeitig ist dieses Thema eines der schwierigsten überhaupt, weil die Bedarfswerte leider relativ – oder auch relativ absolut – unerforscht sind.
So werden die Normwerte der Mineralstoffe und Spurenelemente der verschiedenen Labore immer wieder angepasst. Was beispielsweise vor zehn Jahren noch als Normwert galt, wird heute unter Umständen bereits als deutlicher Mangel eingestuft. Wie kommen diese Schwankungen über den angeblich optimalen Mineralstoffhaushalt bei Pferden zustande?
Es gibt immer wieder Untersuchungen bei Vollblütern. Verständlich, denn im Rennsport lohnt sich Forschung finanziell am ehesten. Diese vergleichsweise wenigen Untersuchungen werden dann auf die Allgemeinheit unserer Pferde, Ponys und Esel übertragen. Was im Umkehrschluss wenig Sinn ergibt.
Kommt eine Untersuchung beispielsweise zu dem Schluss, dass ein Rennpferd mit einem Selenspiegel von 100 optimal versorgt ist, so kann das Shetty damit unter Umständen bereits deutlich überversorgt sein. Nichts desto trotz bleibt der Normwert bestehen. Und es kann passieren, dass Ihr Tierarzt Ihnen mitteilt, Ihr Pony leide unter einem eklatanten Selenmangel.
Es ist ein schwieriges Thema, die Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente für Pferde.
Hinzu kommt – ähnlich wie beim Menschen bei bestimmten Stoffwechselparametern – dass sich einige Werte im Laufe der Jahre enorm verändert haben, andere hingegen kaum. Einige Untersuchungen kommen inzwischen zu dem Schluss, dass die Mineralstoffnormwerte bei Pferden zu hoch angesetzt sind. Andere Untersuchungen behaupten das Gegenteil.
Alles in allem sind sie recht unbekannt, die exakten Mineralstoff-, Vitamin- und Spurenelement-Normwerte für die einzelnen Pferde- und Ponyrassen. Und dann haben wir noch die Extensivrassen wie Isländer, Tinker, Haflinger, Küstenponys und nicht zu vergessen Esel und Maultiere. Dazu kommt die wichtige Frage, wo die jeweilige Rasse ursprünglich herstammt.
Betrachtet man, dass viele Normwerte im Wesentlichen auf Untersuchungen bei Vollblütern beruhen, wird deutlich, wie dünn die Datengrundlage tatsächlich ist.
Wissenswertes zur natürlichen Mineralstoffversorgung bei Pferden
Kräuter enthalten natürlicherweise viele Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren und Vitamine. Diese Stoffe sind nicht isoliert zugesetzt, sondern in eine natürliche Pflanzenmatrix eingebunden. Neben Mineralstoffen enthalten Kräuter Flavonoide, Gerbstoffe, Bitterstoffe, ätherische Öle, Schleimstoffe, Chlorophyll und zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe.
Kräuter enthalten beispielsweise Kalium, Calcium, Phosphor, Magnesium, Chlor, Eisen, Kieselsäure, Kupfer, Zink, Mangan, Selen, Schwefel sowie zahlreiche Aminosäuren und Vitamine.
Mikronährstoffe sind für die physiologischen Funktionen einzelner Organe und Organsysteme unerlässlich. Während Makronährstoffe seit Jahren geregelt sind, gilt dies für viele Mikronährstoffe in deutlich geringerem Maße.
Natürlich vorkommende Substanzen können vom Pflanzenfresser Pferd häufig besser aufgeschlossen und verwertet werden als synthetisch zugesetzte Einzelstoffe. Auch wenn in Kräutern meist geringere absolute Mengen enthalten sind, liegt der Vorteil in der Verwertbarkeit und im Zusammenspiel der Stoffe.
Unsere Erfahrung aus vielen Praxisjahren zeigt, dass Pferde, Ponys und Esel mit einer natürlichen – und häufig auch geringeren – Zuführung stabil versorgt werden können. Zahlreiche Blutuntersuchungen von Pferden, deren Mineralstoff-, Spurenelement- und Vitaminversorgung über Jahre ausschließlich über natürliche Empfehlungen erfolgt, zeigen Werte im Referenzbereich.
Das legt nahe, dass nicht die Menge entscheidend ist, sondern die Verwertbarkeit.
Überversorgung ist ebenso problematisch wie Mangel
In unserer täglichen Praxis treffen wir nicht nur auf Mangelerscheinungen, sondern ebenso häufig auf Überversorgungen. Diese entstehen vor allem, wenn verschiedene Produkte und Mittel verfüttert werden, die zumeist mit künstlichen Mineralstoffmischungen ergänzt wurden und es so zu Doppelungen usw kommen kann.
Ein Übermaß an Selen kann massive gesundheitliche Beeinträchtigungen hervorrufen. Ein Calciumüberschuss kann die Aufnahme von Kupfer, Zink und Selen im Darm blockieren. Kupfer- und Zinkmangel wiederum können Hautprobleme, Juckreiz und Hufveränderungen begünstigen.
Kleie, die in vielen Mash-Produkten enthalten ist, vermindert die Aufnahme von Calcium, Kupfer, Zink und Selen. Bei täglicher Fütterung kann so trotz rechnerisch ausreichender Versorgung ein Mangel entstehen.
Komplex wirkt auch das Zusammenwirken synthetischer Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente untereinander. Ein künstlicher Überschuss eines Stoffes kann einen relativen Mangel eines anderen erzeugen, obwohl dieser im Futter ausreichend enthalten ist.
Bedarfstabellen ersetzen kein Systemverständnis.
Wo reine Kräuter an Grenzen stoßen
Gleichzeitig haben wir festgestellt, dass es Situationen gibt, in denen Kräuter allein nicht ausreichen.
Vor allem Pferde aus küstennahen oder insularen Regionen – etwa Isländer oder bestimmte Ponyrassen – hatten ursprünglich Zugang zu jodreichen Pflanzen. In Mitteleuropa sind die Böden hingegen häufig jodarm.
Ebenso sehen wir bei stark getreidebetonter oder phosphorreicher Fütterung Verschiebungen im Calcium-Phosphor-Verhältnis.
Aus diesem Grund haben wir unsere rein natürlichen Surf and Turf Basic Mineralien entwickelt.
Surf and Turf verbindet Rohstoffe aus Meer und Land in naturbelassener Form. Enthalten sind unter anderem Algenkalk als natürliche Calciumquelle mit geringem Phosphorgehalt, natürliche Meeresbestandteile mit moderatem Jodgehalt, Sonnenblumenkernpresskuchen mit natürlichem Zink, Traubenkernmehl mit antioxidativen Pflanzenstoffen, Bierhefe mit B-Vitaminen, Hefezellwände zur Bindung unerwünschter Stoffe im Darm, Hagebutten mit natürlichem Vitamin C sowie Huminsäuren.
Huminsäuren können dazu beitragen, bestimmte belastende Stoffe im Verdauungstrakt zu binden, bevor sie aufgenommen werden. Dadurch werden solche Stoffe nicht resorbiert, was indirekt Leber und Nieren entlasten kann.
Gerade in Zeiten zunehmender Umweltbelastungen sehen wir das Vetline Surf and Turf Basic Mineral Pferd als eine sinnvolle Ergänzung.
Wichtig bleibt: Surf and Turf ersetzt keine individuell abgestimmte Kräutermischung. Es ergänzt sie dort, wo natürliche Mineralien gezielt gebraucht werden.
Natürliche Mineralien wirken anders als synthetische
Natürliche Mineralien wirken im Organismus nicht isoliert, sondern eingebettet. Sie können zur Stabilisierung des Säure-Basen-Haushaltes beitragen und das innere Milieu ausgleichen.
Der Darm spielt hierbei eine zentrale Rolle. Rund 80 Prozent der Immunzellen befinden sich im Darmbereich. Kommt es hier zu Störungen, kann das Immunsystem geschwächt reagieren.
Mineralien unterstützen Stoffwechsel, Zellfunktion und Entgiftungsprozesse. Sie sind nicht nur Bausteine für Knochen und Hufe, sondern Teil eines komplexen Regulationssystems.
Unsere Erfahrung
Wir können nur unsere Erfahrung wiedergeben: Tiere, die langfristig ohne synthetische Zusatzstoffe gefüttert werden, zeigen nach unserer Beobachtung stabilere Verläufe, weniger Überversorgungen und seltener funktionelle Mängel.
Eine bedarfsgerechte Mineralstoffversorgung heißt aus unserer Sicht natürliche Versorgung – individuell abgestimmt, systemisch gedacht und nicht blind an Tabellen orientiert.
Die Bedarfswerte sind Orientierungswerte. Wer versucht, jede Zahl exakt zu treffen, macht Fütterung schnell zur Lebensaufgabe – und das Pferd nicht zwingend gesünder.
Natürlich heißt nicht planlos. Natürlich heißt eingebettet. Natürlich heißt systemisch gedacht.
Denn Mineralstoffversorgung ist keine Rechenaufgabe. Sie ist Verständnis für das Tier im Gesamtsystem.
