Kurze Zusammenfassung: Magengeschwüre beim Pferd
Magengeschwüre beim Pferd gehören heute zu den häufigsten Problemen im Verdauungssystem. Besonders Sport- und Rennpferde sind betroffen, aber auch Freizeitpferde zeigen zunehmend Veränderungen im Magen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus dauerhafter Säureproduktion, Fütterung, Stress und Haltung. Die sichere Diagnose erfolgt ausschließlich über eine Gastroskopie. Eine nachhaltige Stabilisierung gelingt in der Praxis nur über die Kombination aus tierärztlicher Therapie und konsequenter Anpassung von Fütterung und Management.
Fachliche Einordnung: Magengeschwüre beim Pferd
Dieser Ratgeber wurde von unserer Tierärztin Karin Knecht und auf Basis der Erfahrungen unserer Tierheilpraktikerin, unseren Beraterinnen und unserer Pferdezüchterin erstellt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung von Pferden mit akuten und schleichenden Verdauungsthemen.
FAQ: Magengeschwüre beim Pferd
Was ist EGUS beim Pferd
EGUS beschreibt das Equine Gastric Ulcer Syndrome und umfasst zwei Formen: ESGD im oberen, ungeschützten Magenbereich und EGGD im unteren, drüsenhaltigen Bereich. Beide unterscheiden sich in Ursache und Verlauf.
Wie häufig sind Magengeschwüre
Je nach Nutzung sind bis zu 90 Prozent der Rennpferde betroffen. Auch bei Freizeitpferden liegt die Häufigkeit oft zwischen 40 und 60 Prozent.
Woran erkennt man Magengeschwüre
Typisch sind unspezifische Symptome wie Fressunlust, Leistungsschwäche, wiederkehrende leichte Koliken oder Verhaltensveränderungen.
Wie erfolgt die Diagnose
Nur eine Gastroskopie liefert eine sichere Diagnose und ermöglicht die Einteilung des Schweregrades.
Was ist die wichtigste Maßnahme
Neben der tierärztlichen Therapie ist eine konsequente Anpassung von Fütterung, Haltung und Stressmanagement entscheidend.
Magengeschwüre beim Pferd
Stoffwechsel verstehen und Ursachen konsequent angehen
Magengeschwüre beim Pferd, fachlich als Equine Gastric Ulcer Syndrome bezeichnet, sind längst kein Randthema mehr. In der täglichen Praxis zeigt sich immer deutlicher, dass sie zu den zentralen Belastungen im Pferdekörper gehören. Besonders auffällig ist dabei, dass viele Pferde über lange Zeit keine klaren Symptome zeigen und Veränderungen erst spät erkannt werden.
Der Pferdemagen arbeitet grundlegend anders als der menschliche. Er produziert kontinuierlich Magensäure, unabhängig davon, ob Futter aufgenommen wird oder nicht. Gleichzeitig ist er vergleichsweise klein und auf eine nahezu dauerhafte Futteraufnahme ausgelegt. In einer natürlichen Umgebung frisst ein Pferd bis zu 16 Stunden täglich. Diese kontinuierliche Futteraufnahme sorgt dafür, dass Speichel gebildet wird, der die Magensäure abpuffert.
Fällt dieses System aus dem Gleichgewicht, beginnt eine Entwicklung, die sich schrittweise verstärken kann.
Die zwei Formen von Magengeschwüren
Die heutige Einteilung unterscheidet klar zwischen zwei Formen, die unterschiedlich entstehen und verlaufen.
Die ESGD betrifft den oberen, drüsenlosen Teil des Magens. Dieser Bereich besitzt keinen natürlichen Schutzmechanismus gegen Säure. Sobald längere Fresspausen entstehen oder Säure durch Bewegung nach oben schwappt, wird die Schleimhaut direkt angegriffen.
Die EGGD betrifft den unteren, drüsenhaltigen Bereich des Magens. Dieser Bereich ist grundsätzlich geschützt, reagiert jedoch empfindlich auf Stress, Durchblutungsstörungen und Veränderungen der Schleimhautbarriere.
Diese Unterscheidung ist entscheidend, da beide Formen unterschiedlich auf Maßnahmen reagieren.
Warum Magengeschwüre entstehen
In der Praxis zeigt sich immer wieder ein klares Muster. Magengeschwüre entstehen selten durch einen einzelnen Auslöser, sondern fast immer durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.
Fütterung spielt dabei eine zentrale Rolle. Lange Fresspausen, zu wenig Raufutter und hohe Mengen an Stärke führen dazu, dass die natürliche Pufferung im Magen fehlt. Der Magen bleibt nicht nur leer, sondern gleichzeitig hochaktiv.
Hinzu kommt Bewegung unter Belastung. Beim Training, insbesondere im Galopp, steigt der Druck im Bauchraum. Die Magensäure wird nach oben gedrückt und erreicht Bereiche, die dafür nicht ausgelegt sind.
Ein weiterer wesentlicher Faktor ist Stress. Dieser kann durch Haltung, Herdenkonstellation, Transport oder Trainingsdruck entstehen. Stress beeinflusst nicht nur das Verhalten, sondern auch die Schleimhaut und ihre Schutzmechanismen.
Auch Medikamente wie entzündungshemmende Mittel können eine Rolle spielen, ebenso wie bestehende Erkrankungen oder Belastungen im Stoffwechsel.
Typische Anzeichen aus der Praxis
Magengeschwüre zeigen sich selten eindeutig. Viel häufiger sind es kleine Veränderungen, die sich über die Zeit summieren.
Pferde beginnen wählerischer zu fressen oder lassen Futter stehen. Manche zeigen wiederkehrende, leichte Koliken, oft im Zusammenhang mit Fütterung. Andere wirken unter dem Sattel plötzlich unwillig, reagieren empfindlich beim Gurten oder verändern ihr Verhalten.
Auch unscheinbare Hinweise wie vermehrtes Gähnen, Zähneknirschen oder ein insgesamt angespannter Eindruck können in dieses Bild passen.
Bei Fohlen zeigen sich häufig andere Muster. Hier stehen Durchfall, Unruhe beim Säugen oder ein verzögertes Wachstum im Vordergrund.
Diagnose: Der entscheidende Schritt
Trotz aller Beobachtungen bleibt die sichere Diagnose nur über eine Gastroskopie möglich. Dabei wird der Magen mittels Endoskop untersucht und der Zustand der Schleimhaut direkt beurteilt.
Diese Untersuchung ermöglicht nicht nur die Bestätigung, sondern auch die Einordnung der Schwere und die Unterscheidung zwischen ESGD und EGGD.
Andere Verfahren liefern derzeit keine ausreichend verlässlichen Ergebnisse, um eine sichere Diagnose zu ersetzen.
Behandlung: Kombination statt Einzelmaßnahme
In der aktuellen Praxis hat sich eine klare Strategie etabliert. Ziel ist es, die Säureproduktion zu regulieren, die Schleimhaut zu stabilisieren und gleichzeitig die Ursachen zu verändern.
Medikamentös wird häufig mit Omeprazol gearbeitet, einem Protonenpumpenhemmer, der die Säureproduktion reduziert. Ergänzend können Schleimhautschutzstoffe eingesetzt werden, insbesondere bei Veränderungen im drüsenhaltigen Bereich.
Entscheidend ist jedoch, dass diese Maßnahmen allein selten ausreichen.
Die Fütterung muss angepasst werden. Kontinuierlicher Zugang zu Raufutter ist einer der zentralen Faktoren. Kraftfutter wird reduziert oder neu strukturiert. Kleine, regelmäßige Mahlzeiten ersetzen große Portionen.
Gleichzeitig wird das gesamte Umfeld betrachtet. Mehr Bewegung, stabilere Herdenstrukturen und weniger Stress führen oft zu einer deutlichen Entlastung des Systems.
In vielen Fällen zeigt sich, dass diese Managementmaßnahmen langfristig einen größeren Einfluss haben als die reine medikamentöse Behandlung.
Ergänzende Ansätze und aktuelle Entwicklungen
Neuere Ansätze beschäftigen sich mit der Unterstützung der Schleimhaut und des gesamten Verdauungssystems. Dazu gehören bestimmte pflanzliche Komponenten, Schleimstoffe oder strukturbildende Futterbestandteile.
Auch Beta-Glucane und andere bioaktive Substanzen werden aktuell untersucht, insbesondere im Hinblick auf langfristige Stabilisierung.
Diese Ansätze können einen Beitrag leisten, ersetzen jedoch nicht die grundlegenden Veränderungen in Haltung und Fütterung.
Prävention: Der entscheidende Hebel
In der täglichen Arbeit zeigt sich immer wieder, dass Magengeschwüre in vielen Fällen vermeidbar sind.
Eine faserreiche, kontinuierliche Fütterung bildet die Grundlage. Lange Fresspausen passen nicht zur Physiologie des Pferdes. Ebenso wichtig ist eine ruhige, stabile Umgebung mit ausreichend Bewegung und sozialen Kontakten.
Training wird angepasst, sodass Belastung und Regeneration im Gleichgewicht bleiben. Medikamente werden gezielt und nicht dauerhaft eingesetzt.
Bei Pferden mit erhöhtem Risiko kann eine regelmäßige Kontrolle sinnvoll sein, insbesondere in intensiven Trainingsphasen.
Fazit
Magengeschwüre beim Pferd sind kein isoliertes Magenproblem, sondern Ausdruck eines gestörten Gleichgewichts im gesamten System.
Die Kombination aus dauerhafter Säureproduktion, Fütterung, Bewegung und Stress macht den Unterschied. Eine nachhaltige Stabilisierung gelingt dann, wenn genau diese Zusammenhänge verstanden und konsequent angepasst werden.
Die Erfahrung zeigt, dass viele Pferde sich deutlich stabilisieren, wenn Fütterung, Haltung und Alltag wieder näher an ihre natürlichen Bedürfnisse herangeführt werden.
