Das Islandpferd – Der robusteste Fünfgänger der Welt
Kurze Zusammenfassung: Islandpferd
Das Islandpferd gehört zu den ursprünglichsten und bekanntesten Pferderassen der Welt und hat sich über Jahrhunderte unter extremen Umweltbedingungen entwickelt. Seine besondere Stärke liegt im Zusammenspiel aus Robustheit, effizientem Stoffwechsel, mentaler Stabilität und einem einzigartigen Gangvermögen. Als Fünfgänger mit Tölt und Pass nimmt es eine Sonderstellung unter den Reitpferden ein. Gleichzeitig zeigt sich gerade bei dieser Rasse besonders deutlich, wie eng Haltung, Fütterung, Bewegung und Stoffwechsel miteinander verbunden sind. Gesundheit entsteht auch hier nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel aller Faktoren.
Fachliche Einordnung: Islandpferd
Dieser Ratgeber wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Tierheilpraktikerin, unseren Beraterinnen und unserer Tierärztin Katrin Knecht erstellt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.
FAQ: Islandpferd
Warum gilt das Islandpferd als besonders robust?
Das Islandpferd hat sich über viele Generationen unter extremen klimatischen Bedingungen entwickelt. Diese natürliche Selektion hat zu einer widerstandsfähigen, anpassungsfähigen Rasse geführt.
Warum ist das Islandpferd oft „leichtfuttrig“?
Viele Islandpferde verwerten Futter sehr effizient. Das war unter kargen Bedingungen ein Vorteil, kann unter heutigen Haltungsbedingungen jedoch zu Überversorgung führen.
Was macht den Tölt so besonders?
Der Tölt ist ein genetisch verankerter Viertaktgang ohne Schwebephase. Er ermöglicht ein sehr ruhiges, erschütterungsarmes Reiten und ist biomechanisch anspruchsvoll.
Welche typischen Themen treten beim Islandpferd auf?
Häufig stehen weniger klassische Erkrankungen im Vordergrund, sondern eher stoffwechselbedingte Dysbalancen, Hautreaktionen wie Sommerekzem oder fütterungsbedingte Veränderungen.
Das Islandpferd – Der robusteste Fünfgänger der Welt
Das Islandpferd zählt zu den ursprünglichsten und bekanntesten Pferderassen der Welt. Mit seiner außergewöhnlichen Robustheit, seinem freundlichen Wesen und seinem einzigartigen Gangvermögen hat es sich weit über Island hinaus einen festen Platz in den Herzen vieler Reiter erobert. Trotz seiner vergleichsweise geringen Größe ist es ein vollwertiges Reitpferd, das Erwachsene problemlos trägt und sowohl im Freizeitbereich als auch im Sport, in der Therapie und auf langen Wanderritten überzeugt. Seine besondere Entwicklung unter den harten Bedingungen Islands hat ein Pferd hervorgebracht, das Härte, Trittsicherheit, Ausdauer und Anpassungsfähigkeit auf bemerkenswerte Weise vereint.
Historische Entwicklung
Die Geschichte des Islandpferdes beginnt mit der Besiedlung Islands im 9. und 10. Jahrhundert. Wikinger brachten damals Pferde unterschiedlicher Herkunft mit auf die Insel, darunter norwegische, keltische und vermutlich auch schottische Ponys. Diese Tiere mussten sich an ein Klima anpassen, das von langen Wintern, rauen Winden, karger Vegetation und vulkanisch geprägten Böden bestimmt war. Unter diesen Bedingungen konnten sich auf Dauer nur jene Pferde behaupten, die widerstandsfähig, genügsam und belastbar waren.
Ein entscheidender Punkt in der Entwicklung der Rasse war die frühe Abschottung der isländischen Pferdepopulation. Seit Jahrhunderten ist der Import lebender Pferde nach Island verboten, wodurch die Rasse weitgehend rein erhalten blieb. Diese Isolation hat dazu beigetragen, dass das Islandpferd bis heute eine bemerkenswerte genetische Stabilität zeigt. Während viele andere Rassen im Laufe der Zeit stark verändert oder auf bestimmte Nutzungszwecke hin spezialisiert wurden, blieb das Islandpferd in seinen Grundzügen erstaunlich ursprünglich.
Ab dem 19. Jahrhundert wurden erste Islandpferde nach Europa exportiert, vor allem nach Skandinavien und später auch nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz. Im 20. Jahrhundert entstanden die ersten nationalen Zucht- und Reitverbände. In Deutschland entwickelte sich der Islandpferde-Reiter- und Züchterverband e.V. zu einer der bedeutendsten Organisationen außerhalb Islands. Heute leben mehr Islandpferde außerhalb Islands als auf der Insel selbst, was die internationale Bedeutung dieser Rasse eindrucksvoll unterstreicht.
Der Zuchtverband und moderne Zucht
In Deutschland ist der IPZV e.V. die zentrale Institution für Zucht, Sport und Ausbildung rund um das Islandpferd. Er arbeitet nach dem Reglement der FEIF, der internationalen Dachorganisation der Islandpferdeverbände, und sorgt damit für einheitliche Standards in Zucht und Leistungsbewertung. Fohlenschauen, Materialprüfungen, Körungen und Zuchtprüfungen folgen klaren Kriterien, die Exterieur, Charakter, Gangvermögen und Rittigkeit berücksichtigen.
Das Zuchtziel ist dabei bemerkenswert klar geblieben. Gewünscht ist ein robustes, ausgeglichenes, freundliches und leistungsfähiges Pferd mit guten Reiteigenschaften, klarer Gangveranlagung und harmonischem Körperbau. Anders als bei vielen modernen Sportpferderassen steht beim Islandpferd nicht allein die Spezialisierung auf eine einzelne Disziplin im Vordergrund. Vielmehr soll ein Pferd erhalten bleiben, das in seiner Gesamtheit überzeugt und sowohl körperlich als auch mental belastbar ist.
Gerade diese Ausrichtung macht die Zucht des Islandpferdes so besonders. Es geht nicht nur um Tölt, nicht nur um spektakuläre Bewegungen und auch nicht nur um sportliche Erfolge, sondern um ein stabiles Gesamtpferd. Diese Verbindung aus Ursprünglichkeit und moderner Leistungsprüfung ist ein wesentlicher Grund dafür, dass die Rasse ihre Identität bis heute so deutlich bewahren konnte.
Äußeres Erscheinungsbild und Charakter
Das Islandpferd ist kompakt, kräftig und funktionell gebaut. Es besitzt meist ein Stockmaß zwischen 135 und 150 cm und wirkt durch seinen tiefen Rumpf, die gute Bemuskelung und die stabile Knochenstruktur deutlich substanzieller, als es die reine Größe vermuten lässt. Gerade hierin liegt eine seiner Besonderheiten. Es ist kein Pony im klassischen Sinne, sondern ein vollwertiges Reitpferd in kompakter Form. Die kräftige Halsung, die harte Hufqualität, die stabile Oberlinie und die dichte Mähne sowie der üppige Schweif sind typische Merkmale der Rasse.
Auch das Fell zeigt die enge Verbindung zur ursprünglichen Umwelt. Das Islandpferd entwickelt im Winter ein dichtes Doppelfell, das es hervorragend vor Kälte und Nässe schützt. Diese Anpassung an extreme Witterung gehört ebenso zum Wesen der Rasse wie ihre sichere Bewegung im schwierigen Gelände. Farblich zeigt sich das Islandpferd sehr vielfältig. Von Braunen, Füchsen und Rappen bis hin zu Schimmeln, Falben und Cremellos ist nahezu alles vertreten.
Im Charakter gilt das Islandpferd als freundlich, aufmerksam und menschenbezogen. Es bringt häufig eine angenehme Mischung aus Nervenstärke, Neugier und Eigenständigkeit mit. Viele Islandpferde sind lernwillig und kooperativ, ohne dabei ihren eigenen Kopf ganz zu verlieren. Genau diese Mischung macht sie für viele Reiter so attraktiv. Sie sind verlässlich, dabei aber nicht stumpf, und fein, ohne nervös zu sein. Gerade im Umgang zeigt sich oft, wie eng Charakter und Herkunft miteinander verknüpft sind.
Die fünf Gangarten – Das Markenzeichen
Das Islandpferd ist vor allem für seine zusätzlichen Gangarten bekannt. Neben Schritt, Trab und Galopp beherrscht es den Tölt und häufig auch den fliegenden Pass. Der Tölt ist dabei das berühmteste Merkmal der Rasse. Er handelt sich um einen Viertaktgang ohne Schwebephase, der für den Reiter besonders ruhig und bequem zu sitzen ist. Das Pferd kann den Tölt in ganz unterschiedlichen Tempi zeigen, vom langsamen, nahezu schreitenden Tölt bis zum raumgreifenden schnellen Tölt.
Der fliegende Pass ist dagegen eine Hochgeschwindigkeitsgangart, die vor allem im Sport eine Rolle spielt. Er ist deutlich anspruchsvoller und nicht bei jedem Islandpferd in gleicher Qualität vorhanden. Beide Gangarten sind genetisch verankert und machen das Islandpferd zu etwas Besonderem. Gleichzeitig setzen sie eine gute körperliche Grundlage voraus. Ein taktklarer Tölt entsteht nicht allein durch Veranlagung, sondern auch durch Muskulatur, Balance, Ausbildung und passende Haltung.
Gerade hier zeigt sich, dass das Islandpferd trotz aller Natürlichkeit kein Pferd ist, das man rein aus seiner Robustheit heraus erklären kann. Seine Bewegungsqualität hängt wie bei anderen Pferden auch davon ab, wie gut Körper, Stoffwechsel, Training und Fütterung zusammenspielen. Ein schöner Tölt ist deshalb immer auch Ausdruck eines funktionierenden Gesamtsystems.
Einsatzgebiete und sportliche Erfolge
Das Islandpferd ist außerordentlich vielseitig. Im Freizeitbereich wird es wegen seiner Trittsicherheit, seiner Ausdauer und seines angenehmen Wesens geschätzt. Gerade auf langen Ausritten und Wanderritten zeigt sich, wie sehr diese Rasse auf Dauerhaftigkeit und Geländesicherheit ausgelegt ist. Im therapeutischen Bereich überzeugt sie durch Ruhe, Präsenz und Verlässlichkeit. Im Sport hat das Islandpferd längst seinen festen Platz gefunden, insbesondere in Töltprüfungen, Viergang- und Fünfgangwettbewerben sowie im Passrennen.
Die FEIF-Weltmeisterschaften zeigen regelmäßig, auf welch hohem Niveau Islandpferde heute präsentiert werden. Deutschland gehört seit vielen Jahren zu den erfolgreichsten Nationen im Islandpferdesport und in der Zucht. Gleichzeitig hat sich die Rasse ihre Alltagsqualitäten bewahrt. Genau das macht ihren besonderen Reiz aus. Das Islandpferd ist kein reines Spezialpferd für den Sport, sondern ein vielseitiger Partner, der sowohl ambitionierte Reiter als auch Freizeitreiter begeistert.
Wichtige Blutlinien und Vererber
Die Zucht des Islandpferdes stützt sich auf eine Reihe bedeutender Linien, die vor allem in Island entstanden und später international weitergeführt wurden. Viele bekannte Vererber stammen aus traditionsreichen isländischen Zuchten und prägen bis heute Exterieur, Charakter und Gangqualität. Auch deutsche Züchter haben in den letzten Jahrzehnten stark aufgeholt und eine Reihe leistungsstarker und züchterisch wertvoller Pferde hervorgebracht.
Wie bei anderen Rassen auch stellt sich die Aufgabe, positive Eigenschaften gezielt zu fördern, ohne die Stabilität der Gesamtpopulation zu gefährden. Gerade beim Islandpferd ist dies besonders wichtig. Die Rasse lebt von ihrer Geschlossenheit und von der Ausgewogenheit ihrer Eigenschaften. Eine zu starke Spezialisierung auf einzelne Merkmale würde langfristig dem widersprechen, was das Islandpferd eigentlich ausmacht. Gute Zucht bedeutet hier deshalb immer auch Maßhalten.
Haltung, Gesundheit und rassetypische Besonderheiten
Das Islandpferd gilt als äußerst robust und widerstandsfähig. Diese Einschätzung ist grundsätzlich richtig, darf aber nicht missverstanden werden. Robustheit bedeutet nicht, dass dieses Pferd beliebig gehalten oder gefüttert werden kann. Vielmehr bedeutet sie, dass das Islandpferd unter passenden Bedingungen sehr stabil bleibt. Gerade weil es über Jahrhunderte mit wenig auskommen musste, reagiert es auf Überfluss häufig sensibler, als viele Halter zunächst annehmen.
Viele gesundheitliche Themen beim Islandpferd entstehen nicht isoliert, sondern aus dem Zusammenspiel von Fütterung, Haltung, Bewegung und individueller Veranlagung. Besonders bekannt ist die Neigung zu Stoffwechselproblemen bei Überversorgung. Reiche Weiden, energiereiches Heu und zu wenig Bewegung können bei dieser Rasse schnell zu Dysbalancen führen. Das Islandpferd ist darauf ausgelegt, Energie sehr effizient zu nutzen. Was in Island ein Überlebensvorteil war, kann unter mitteleuropäischen Bedingungen zum Problem werden.
Auch Hautthemen wie das Sommerekzem spielen bei vielen Islandpferden eine Rolle. Gerade Tiere, die aus Island importiert wurden, reagieren mitunter empfindlich auf Insektenarten, die sie aus ihrer Heimat nicht kennen. Hier zeigt sich besonders deutlich, wie stark Umwelt und Anpassung zusammenhängen. Die Atemwege gelten grundsätzlich als robust, profitieren aber wie bei allen Pferden von guter Luft, staubarmer Fütterung und ausreichend Bewegung.
Nicht zu unterschätzen ist auch die mentale Komponente. Islandpferde sind oft sehr klar in ihrer Kommunikation und reagieren durchaus auf Unruhe, Druck oder inkonsequentes Training. Ihre Stabilität ist keine Gleichgültigkeit, sondern Ausdruck eines gut geordneten inneren Systems. Gerät dieses System aus dem Gleichgewicht, zeigt sich das häufig nicht nur körperlich, sondern auch im Verhalten.
Größe, Gewicht und stoffwechselbedingte Besonderheiten
Das Islandpferd gehört zu den kleineren Reitpferderassen, bewegt sich aber in einem klar definierten und funktionell sehr sinnvollen Rahmen. Das Stockmaß liegt meist zwischen 135 und 150 cm, das Körpergewicht in der Regel zwischen 330 und 400 kg. Entscheidend ist dabei nicht die absolute Zahl, sondern die Kombination aus kompakter Bauweise, guter Bemuskelung und hoher Tragfähigkeit. Gerade hierin unterscheidet sich das Islandpferd deutlich von vielen anderen kleinen Pferdetypen.
Stoffwechselbedingt bringt diese Rasse einige Besonderheiten mit. Viele Islandpferde verwerten Futter außerordentlich effizient. Das ist ein großer Vorteil, solange Angebot und Bedarf zusammenpassen. Unter heutigen Bedingungen zeigt sich jedoch häufig das Gegenteil. Ein Zuviel an Energie ist meist problematischer als ein Zuwenig. Gerade fruktanreiche Weiden, unkontrollierte Grasaufnahme und zusätzliche energiereiche Futtermittel können schnell zu einem Ungleichgewicht führen.
In der Praxis zeigt sich das oft zunächst schleichend. Das Pferd wird runder, verliert an Spannkraft, verändert seine Bewegungsfreude oder wirkt im Ausdruck anders. Auch stärkereiche oder zuckerbetonte Rationen werden nicht immer gut verarbeitet. Das Islandpferd reagiert hier vielfach früher und deutlicher als andere Rassen. Genau deshalb ist eine angepasste Fütterung so wichtig. Raufutter bildet auch beim Islandpferd die Grundlage, sollte aber in Menge und Qualität zum tatsächlichen Bedarf passen. Ergänzungen müssen überlegt eingesetzt werden und sollten immer Teil eines stimmigen Gesamtkonzepts sein.
Gerade für diese Rassen, die von sehr kargen Gegenden stammen und unter der hiesigen Bedingungen häufig Probleme bekommen, haben wir eine ganze Reihe von Mischungen entwickelt: Nehls Isländer (Isi)-Kräuter, Nehls Attis & Sunnys Magen & Darm Fit, Nehls Hufkräuter Spezial und Nehls Hufkräuter Spezial flüssig
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kontinuität. Längere Fresspausen, stark schwankende Rationen oder hektische Änderungen im Fütterungsablauf können sich ungünstig auswirken. Das Islandpferd lebt von Struktur. Gerade weil es so viel mitbringt, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, zeigt es häufig sehr klar, wenn etwas nicht passt. Diese Reaktionen sind nicht als Schwäche zu verstehen, sondern als Rückmeldung.
Fazit
Das Islandpferd ist weit mehr als ein kleines, robustes Pferd mit viel Mähne und schönem Tölt. Es ist das Ergebnis einer außergewöhnlichen Entwicklung unter harten natürlichen Bedingungen und hat sich dadurch Eigenschaften bewahrt, die in der heutigen Pferdewelt selten geworden sind. Robustheit, Ausdauer, Charakterstärke und Gangvermögen verbinden sich hier zu einem Gesamtbild, das weltweit fasziniert.
