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Fenchel (Foeniculum vulgare) – Pflanzenkunde, Inhaltsstoffe & Einordnung für Pferd, Hund und Katze

Kurze Zusammenfassung

Fenchel (Foeniculum vulgare) ist eine mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae), deren Früchte, Blätter und Knollen seit langer Zeit in der Küche sowie in der Pflanzenkunde beschrieben werden.

Die Pflanze stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und wird heute weltweit kultiviert. Besonders bekannt sind die aromatischen Früchte, umgangssprachlich Fenchelsamen genannt.

Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen zählen Anethol, Fenchon, Estragol und verschiedene Flavonoide.

Fachlich zu unterscheiden sind zwei Varietäten: Bitterfenchel und Süßfenchel. Sie unterscheiden sich in der Zusammensetzung des ätherischen Öls, und die behördlichen Bewertungen behandeln sie getrennt. Einzelheiten im Abschnitt zur futtermittelrechtlichen Einordnung.

Fachliche Einordnung

Diese Pflanze wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Gründerin und Tierheilpraktikerin Nehls für unsere Kräutermischungen ausgewählt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.

Fenchel gehört zu den ältesten bekannten Gewürz- und Nutzpflanzen des Mittelmeerraums. Bereits in der Antike wurde die Pflanze in verschiedenen Kulturen beschrieben.

Botanisch gehört Fenchel zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Diese Pflanzenfamilie umfasst zahlreiche aromatische Kräuter wie Dill, Kümmel oder Anis. Innerhalb der Familie bestehen bekannte Kreuzempfindlichkeiten.

Das Europäische Arzneibuch definiert Bitterfenchel als die trockenen Spaltfrüchte mit einem Mindestgehalt von 40 Millilitern ätherischem Öl je Kilogramm wasserfreier Droge. Für das Öl selbst sind mindestens 60 Prozent Anethol und mindestens 15 Prozent Fenchon gefordert; der Estragolgehalt im Fruchtöl ist auf höchstens 5 Prozent begrenzt.

FAQ

Was ist Fenchel?
Fenchel (Foeniculum vulgare) ist eine aromatische Pflanze aus der Familie der Doldenblütler. Besonders bekannt sind die Früchte der Pflanze.

Was unterscheidet Bitterfenchel und Süßfenchel?
Es handelt sich um zwei Varietäten derselben Art. Sie unterscheiden sich in der Zusammensetzung des ätherischen Öls und werden sowohl im Arzneibuch als auch in behördlichen Bewertungen getrennt behandelt.

Welche Teile der Pflanze werden verwendet?
In der Küche und Pflanzenkunde werden verschiedene Pflanzenteile genutzt, darunter die Früchte, Blätter und die Knolle. Arzneibuchqualität bezieht sich auf die Früchte.

Welche Inhaltsstoffe enthält Fenchel?
Ätherisches Öl mit Anethol als Hauptbestandteil, daneben Fenchon, Estragol und Anisaldehyd, dazu Flavonoide und weitere phenolische Verbindungen.

Ist Fenchelöl als Futterzusatz bewertet?
Ja. Die zuständige EU-Behörde hat Bitterfenchelöl, Süßfenchelöl und Süßfenchel-Tinktur als sensorische Zusatzstoffe bewertet und tierartspezifische Mengen benannt. Einzelheiten weiter unten.

Botanische Beschreibung

Fenchel (Foeniculum vulgare) gehört zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae).

Die Pflanze kann Höhen von bis zu zwei Metern erreichen. Sie besitzt einen verzweigten Stängel mit feinen, fadenförmigen Blättern.

Die Blüten erscheinen in großen, gelben Doldenständen. Nach der Blüte entstehen die Früchte. Botanisch handelt es sich um Spaltfrüchte, die in zwei Teilfrüchte zerfallen – dieselbe Fruchtform wie bei Anis und Kümmel.

Die Pflanze bevorzugt warme, sonnige Standorte und wächst besonders gut auf gut durchlässigen Böden.

Inhaltsstoffe

Anethol
Der bestimmende Bestandteil des ätherischen Fenchelöls. Das Arzneibuch fordert für Bitterfenchelöl einen Mindestgehalt von 60 Prozent.

Fenchon
Eine Ketonverbindung, die dem Bitterfenchel seine charakteristische bittere Note gibt. Mindestgehalt im Arzneibuch: 15 Prozent. Das Vorhandensein von Fenchon unterscheidet Fenchelöl deutlich von Anisöl, das praktisch kein Fenchon enthält.

Estragol
Ein natürlicher Nebenbestandteil. Der Gehalt im Fruchtöl ist arzneibuchseitig auf höchstens 5 Prozent begrenzt; für Bitterfenchelöl nennen behördliche Unterlagen Spezifikationen bis zu 7 Prozent. Zur Einordnung dieses Stoffes siehe unten.

Anisaldehyd
Ein weiterer aromatischer Bestandteil des ätherischen Öls.

Flavonoide und Polyphenole
Pflanzliche Begleitstoffe der Früchte.

Futtermittelrechtliche Einordnung in der EU

Die ätherischen Öle aus Fenchelfrüchten wurden vom zuständigen EFSA-Gremium als sensorische Zusatzstoffe – also Aromastoffe – bewertet. Dabei fällt auf, dass die genannten Mengen deutlich niedriger liegen als bei anderen Aromaölen.

Für Bitterfenchelöl stuft das Gremium bei langlebigen und zur Zucht eingesetzten Tieren folgende Mengen im Alleinfutter als von geringer Besorgnis ein: 1,5 Milligramm je Kilogramm für Schafe, Ziegen, Pferde und Katzen sowie 1,9 Milligramm je Kilogramm für Hunde. Für Süßfenchelöl gelten 2,3 Milligramm je Kilogramm für Hunde und 1,9 Milligramm je Kilogramm für Katzen.

Für eine Süßfenchel-Tinktur – einen alkoholischen Auszug mit sehr geringem Estragolgehalt – liegen die als sicher bewerteten Mengen dagegen erheblich höher, nämlich bei 200 Milligramm je Kilogramm Alleinfutter für Pferde und 50 Milligramm je Kilogramm für alle übrigen Tierarten. Öl und Tinktur sind also keinesfalls gleichzusetzen.

Zur Anwendersicherheit hält das Gremium fest, dass Fenchelöle als haut- und augenreizend sowie als haut- und atemwegssensibilisierend einzustufen sind.

Einordnung: Estragol

Estragol kommt in Fenchelfrüchten und im daraus gewonnenen ätherischen Öl natürlicherweise vor. Fenchel wird in der behördlichen Aufstellung estragolhaltiger Pflanzen ausdrücklich geführt, ebenso wie Anis.

Für Estragol sind in Nagerversuchen erbgutschädigende und krebserzeugende Eigenschaften beschrieben. Aus diesem Grund gilt für Fenchelöle mit einem Estragolgehalt über einem Prozent eine entsprechende Einstufung im Umgang mit dem konzentrierten Öl.

Wichtig für die Einordnung: Diese Bewertung betrifft das konzentrierte ätherische Öl. Bei den geprüften Tinkturen mit sehr niedrigem Estragolgehalt errechnete das Gremium einen Sicherheitsabstand in der Größenordnung mehrerer Hunderttausend und stufte die Verwendung entsprechend als von geringer Besorgnis ein. Die Menge entscheidet.

Diese Angaben dienen der Wissensvermittlung und stellen keine Aussage über ein bestimmtes Produkt dar.

Wissenschaftliche Einordnung

Mensch
Für den Menschen liegen pharmakologische Untersuchungen und Übersichtsarbeiten zu Foeniculum vulgare vor. Die zuständige europäische Fachkommission hat zu Bitter- und Süßfenchelfrüchten einen gemeinsamen Bewertungsbericht erstellt. Diese Angaben beziehen sich auf den Menschen und dienen der wissenschaftlichen Einordnung.

Pferd
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Fenchel beim Pferd wurden nicht gefunden. Die futtermittelrechtliche Bewertung schließt das Pferd ausdrücklich ein und nennt für die Tinktur die höchste Menge aller bewerteten Tierarten.

Hund
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Fenchel beim Hund wurden nicht gefunden. Für Süßfenchelöl wurde die Bewertung ausdrücklich für Hunde und Katzen vorgenommen.

Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Fenchel bei der Katze wurden nicht gefunden. Für die futtermittelrechtliche Einordnung siehe den vorstehenden Abschnitt.

Modellorganismen
Der überwiegende Teil der experimentellen Arbeiten wurde an Nagern und in Zellsystemen durchgeführt; das gilt auch für die toxikologischen Daten zu Estragol. Diese Ergebnisse sind nicht direkt auf Pferd, Hund oder Katze übertragbar.

Traditionelle Nutzung

Fenchel besitzt eine lange Tradition als Gewürz- und Nutzpflanze. Bereits im antiken Griechenland und im Römischen Reich wurde er als aromatische Pflanze beschrieben.

Die Früchte wurden traditionell in der Küche sowie in verschiedenen pflanzenkundlichen Anwendungen genutzt. Auch in der europäischen Pflanzenkunde findet Fenchel seit Jahrhunderten Erwähnung.

Diese Nutzung bezieht sich auf die Anwendung beim Menschen, basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.

Wissenschaftliche Literatur

EFSA-Gremium für Zusatzstoffe und Erzeugnisse oder Stoffe in der Tierernährung (FEEDAP)
Safety and efficacy of feed additives consisting of essential oils from the fruit and stems of Foeniculum vulgare Mill. ssp. vulgare: Bitter fennel oil for use in all animal species and sweet fennel oil for use in dogs and cats
EFSA Journal. 2023
efsa.europa.eu

EFSA-Gremium für Zusatzstoffe und Erzeugnisse oder Stoffe in der Tierernährung (FEEDAP)
Safety and efficacy of a feed additive consisting of a tincture derived from the fruit of Foeniculum vulgare Mill. ssp. vulgare var. dulce (sweet fennel tincture) for use in all animal species
EFSA Journal. 2023
doi.org

Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Assessment report: Foeniculum vulgare Miller (bitter fennel, sweet fennel)
European Medicines Agency
ema.europa.eu