Kurze Zusammenfassung
Eukalyptus (Eucalyptus globulus und verwandte Arten) ist ein immergrüner Baum aus der Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae), dessen Blätter durch ihren charakteristischen aromatischen Duft auffallen.
Die Pflanzengattung Eucalyptus umfasst mehrere hundert Arten, die ursprünglich aus Australien stammen. Viele dieser Arten werden heute weltweit kultiviert.
Besonders bekannt sind Eukalyptusbäume wegen ihrer ätherischen Öle, die in den Blättern enthalten sind. Diese bestehen aus verschiedenen aromatischen Verbindungen, darunter vor allem 1,8-Cineol, auch als Eucalyptol bezeichnet.
Anders als bei vielen Kräutern dieses Lexikons ist die futtermittelrechtliche Lage klar geregelt: Die zuständige EU-Behörde hat Eukalyptusöl als sensorischen Zusatzstoff für alle Tierarten bewertet und tierartspezifische Werte festgelegt. Einzelheiten im entsprechenden Abschnitt.
Fachliche Einordnung
Dieser Ratgeber wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Tierheilpraktikerin, unseren Beraterinnen und unserer Tierärztin Katrin Knecht erstellt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.
Die Gattung Eucalyptus gehört zu den bekanntesten Baumgattungen der südlichen Hemisphäre. Sie umfasst mehrere hundert Arten, von denen viele wegen ihres schnellen Wachstums und ihrer aromatischen Blätter kultiviert werden.
Besonders verbreitet sind Arten wie Eucalyptus globulus, Eucalyptus radiata und Eucalyptus citriodora. Diese Unterscheidung ist mehr als botanische Feinheit: Die Arten unterscheiden sich erheblich im Gehalt an 1,8-Cineol, und die behördlichen Bewertungen beziehen sich jeweils auf eine bestimmte Stammpflanze.
Das ätherische Öl wird durch Dampfdestillation aus Blättern und Zweigspitzen gewonnen. Für arzneiliche Zwecke wird es zusätzlich rektifiziert, also nachdestilliert, um den Anteil stark schleimhautreizender Bestandteile abzusenken. Rohes und rektifiziertes Öl sind daher nicht gleichzusetzen.
FAQ
Was ist Eukalyptus?
Eukalyptus bezeichnet eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Myrtengewächse. Die Bäume sind für ihre aromatischen Blätter bekannt, aus denen ätherische Öle gewonnen werden.
Wo wächst Eukalyptus?
Die meisten Eukalyptusarten stammen ursprünglich aus Australien und Tasmanien. Heute werden sie in vielen warmen Regionen der Welt kultiviert.
Welche Inhaltsstoffe enthält Eukalyptus?
Eukalyptusblätter enthalten ätherisches Öl mit 1,8-Cineol als Hauptbestandteil, daneben Terpene wie Limonen und alpha-Pinen, aromatische Alkohole sowie phenolische Verbindungen.
Ist Eukalyptusöl als Futterzusatz bewertet?
Ja. Die zuständige EU-Behörde hat Eukalyptusöl als sensorischen Zusatzstoff für alle Tierarten bewertet und tierartspezifische Einsatzmengen benannt. Einzelheiten weiter unten.
Wie wird Eukalyptus traditionell verwendet?
Eukalyptus wird traditionell vor allem wegen seines Duftes genutzt. Blätter und Öl finden Anwendung in Aromaprodukten, Kosmetika und Haushaltsprodukten.
Botanische Beschreibung
Die Gattung Eucalyptus gehört zur Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae). Die meisten Arten sind immergrüne Bäume, die je nach Art beträchtliche Höhen erreichen können.
Typisch für Eukalyptusbäume sind die länglichen, ledrigen Blätter, die zahlreiche Öldrüsen enthalten. Gegen das Licht gehalten sind diese Drüsen als helle Punkte im Blatt erkennbar.
Eine Besonderheit ist der Blattdimorphismus: Junge Blätter an den Astspitzen sind oval bis herzförmig und blaugrün, ältere Blätter dagegen schmal und sichelförmig gebogen. Sie hängen senkrecht nach unten, was die Sonneneinstrahlung auf die Blattfläche verringert.
Die Blüten besitzen keine klassischen Blütenblätter, sondern auffällige Staubblätter, die aus einer deckelartigen Kapsel hervortreten. Nach der Blüte entstehen holzige Kapselfrüchte.
Inhaltsstoffe
1,8-Cineol (Eucalyptol)
Der bestimmende Bestandteil. Der Gesamtgehalt an ätherischem Öl in getrockneten Blättern liegt je nach Herkunft im niedrigen einstelligen Prozentbereich; innerhalb dieses Öls stellt 1,8-Cineol den mit Abstand größten Anteil. Das Europäische Arzneibuch definiert Eucalyptusöl ausdrücklich als Öl aus 1,8-Cineol-reichen Arten.
Monoterpene
Alpha-Pinen, beta-Pinen, alpha-Phellandren und Limonen. Diese Verbindungen werden im Arzneibuch als charakteristische Signale bei der Identitätsprüfung herangezogen.
Terpineole
Aromatische Alkohole, unter anderem alpha-Terpineol.
Phenolische Verbindungen
Eukalyptusblätter enthalten daneben Flavonoide, Gerbstoffe und Gallussäure sowie Phloroglucin-Verbindungen mit terpenoider Struktur.
Die Zusammensetzung schwankt erheblich zwischen den Arten, nach Herkunft und nach Aufbereitungsverfahren.
Futtermittelrechtliche Einordnung in der EU
Eukalyptusöl aus Blättern und Zweigen von Eucalyptus globulus wurde vom zuständigen EFSA-Gremium als sensorischer Zusatzstoff – also als Aromastoff – für alle Tierarten bewertet. Das ist die futtermittelrechtliche Kategorie, in die das Öl fällt.
Das Gremium hat dabei tierartspezifische Einsatzmengen im Alleinfutter benannt, die es als sicher einstuft. Für Pferde liegt der Wert bei 48 Milligramm je Kilogramm Alleinfutter, für Hunde bei 58 Milligramm je Kilogramm und für Katzen bei 10 Milligramm je Kilogramm.
Aufschlussreich ist die Begründung für den Katzenwert. Das Gremium legt für Katzen ausdrücklich einen zusätzlichen Sicherheitsfaktor an, weil Katzen phenolische und verwandte Verbindungen deutlich schlechter über den Glucuronsäure-Stoffwechselweg ausscheiden als andere Säugetiere. Der Katzenwert liegt entsprechend bei rund einem Sechstel des Hundewerts.
Für einen alkoholischen Auszug aus Eukalyptusblättern konnte das Gremium 2024 dagegen mangels Daten keine abschließende Bewertung für langlebige und zur Zucht eingesetzte Tiere treffen. Öl und Tinktur sind also auch behördlich getrennt zu betrachten.
Zur Anwendersicherheit hält das Gremium fest, dass Eukalyptusöl als reizend einzustufen ist.
Wissenschaftliche Einordnung
Mensch
Für den Menschen existieren pharmakologische Untersuchungen und experimentelle Studien zu verschiedenen Eucalyptus-Arten und deren ätherischen Ölen. Die Forschung befasst sich vor allem mit der chemischen Zusammensetzung sowie mit Eigenschaften einzelner Inhaltsstoffe im Laborversuch. Diese Angaben dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Einordnung.
Pferd
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Eukalyptus beim Pferd wurden nicht gefunden. Die futtermittelrechtliche Bewertung als Aromastoff schließt das Pferd ausdrücklich ein.
Hund
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Eukalyptus beim Hund wurden nicht gefunden. Für die futtermittelrechtliche Einordnung siehe den vorstehenden Abschnitt.
Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Eukalyptus bei der Katze wurden nicht gefunden. Die Besonderheit im Abbau phenolischer und verwandter Verbindungen ist dagegen gut dokumentiert und geht ausdrücklich in die behördliche Mengenbemessung ein.
Modellorganismen
Der überwiegende Teil der Literatur besteht aus Laboruntersuchungen sowie aus Versuchen an Nagern. Der von der Behörde herangezogene Ausgangswert für die Sicherheitsberechnung stammt aus einer Studie an Ratten. Diese Ergebnisse sind nicht direkt auf Pferd, Hund oder Katze übertragbar.
Grundsätzlich gilt, dass Erkenntnisse aus Humanstudien und Laboruntersuchungen nicht unmittelbar auf Tiere übertragen werden können.
Traditionelle Nutzung
Die Nutzung von Eukalyptus hat eine lange Tradition, insbesondere in Australien. Die aromatischen Blätter wurden historisch vor allem wegen ihres Duftes geschätzt.
In Europa wurden Eukalyptusbäume ab dem 19. Jahrhundert in Sumpfgebieten angepflanzt, weil sie dem Boden viel Wasser entziehen. Auf diese Nutzung geht auch der überlieferte Beiname Fieberbaum zurück.
Das durch Destillation gewonnene Öl wird heute in Duftstoffen, Kosmetik- und Haushaltsprodukten verwendet. Diese Nutzung basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.
Wissenschaftliche Literatur
EFSA-Gremium für Zusatzstoffe und Erzeugnisse oder Stoffe in der Tierernährung (FEEDAP)
Safety and efficacy of a feed additive consisting of an essential oil derived from Eucalyptus globulus Labill. (eucalyptus oil) for all animal species
EFSA Journal. 2023
doi.org
EFSA-Gremium für Zusatzstoffe und Erzeugnisse oder Stoffe in der Tierernährung (FEEDAP)
Safety and efficacy of a feed additive consisting of a tincture derived from the leaves of Eucalyptus globulus Labill. (eucalyptus tincture) for all animal species
EFSA Journal. 2024
doi.org
