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Birke (Betula pendula) – Pflanzenkunde, Inhaltsstoffe & Einordnung für Pferd, Hund und Katze

Kurze Zusammenfassung

Die Birke (Betula pendula) ist ein in Europa weit verbreiteter Laubbaum aus der Familie der Birkengewächse (Betulaceae). Sie gehört zu den typischen Pionierpflanzen und besiedelt bevorzugt offene Flächen, Waldränder und lichtreiche Standorte.

Im Zusammenhang mit der Fütterung von Pferden, Hunden und Katzen wird die Birke insbesondere aufgrund ihrer Inhaltsstoffe betrachtet. Dazu zählen Flavonoide, Gerbstoffe und Triterpene, die vor allem in den Blättern und der Rinde vorkommen.

Fachlich wird dabei klar zwischen Blatt und Rinde unterschieden: Das Birkenblatt ist als eigene Droge im Europäischen Arzneibuch beschrieben, die Rinde enthält ein deutlich anderes Stoffprofil.

Während für den Menschen eine gewisse Studienlage existiert, ist die Datenlage für Pferd, Hund und Katze deutlich begrenzt. Humanstudien dienen daher ausschließlich der wissenschaftlichen Einordnung.

Fachliche Einordnung

Diese Pflanze wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Gründerin und Tierheilpraktikerin Nehls für unsere Kräutermischungen ausgewählt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.

Botanisch gehört Betula pendula zur Familie der Betulaceae und ist eng verwandt mit anderen Birkenarten, insbesondere mit der Moor-Birke (Betula pubescens). Beide Arten bilden zudem Hybride. Das Europäische Arzneibuch führt die Droge Birkenblatt daher ausdrücklich für beide Arten und ihre Kreuzungen gemeinsam.

Die wissenschaftliche Betrachtung konzentriert sich auf die Blätter und die Rinde sowie deren Inhaltsstoffe. Dabei wird die Pflanze als komplexe Matrix verstanden, deren Eigenschaften sich aus dem Zusammenspiel verschiedener sekundärer Pflanzenstoffe ergeben.

FAQ

Was ist die Birke?
Die Birke (Betula pendula) ist ein Laubbaum aus der Familie der Betulaceae.

Welche Inhaltsstoffe enthält die Birke?
Die Blätter enthalten vor allem Flavonoide, daneben Gerbstoffe und weitere phenolische Verbindungen. In der Rinde findet sich als charakteristisches Triterpen das Betulin.

Welche Pflanzenteile werden verwendet?
Verwendet werden vor allem die Blätter, daneben die Rinde. Arzneibuchqualität bezieht sich auf die ganzen oder geschnittenen getrockneten Blätter.

Gibt es einen Qualitätsmaßstab für Birkenblätter?
Ja. Das Europäische Arzneibuch fordert einen Mindestgehalt von 1,5 Prozent Flavonoiden, berechnet als Hyperosid, bezogen auf die getrocknete Droge.

Warum gibt es mehr Humanstudien als Tierstudien?
Die Forschung konzentriert sich überwiegend auf den Menschen und experimentelle Modelle. Kontrollierte Studien zur Fütterung von Birkenblättern bei Pferd, Hund und Katze wurden nicht gefunden.

Botanische Beschreibung

Die Birke (Betula pendula) ist ein sommergrüner Laubbaum, der Wuchshöhen von etwa 15 bis 30 Metern erreichen kann. Sie gehört zur Familie der Birkengewächse.

Charakteristisch ist die helle, oft weißlich schimmernde Rinde, die sich in dünnen Schichten ablöst. Junge Zweige sind schlank und häufig leicht überhängend, was der Art ihren deutschen Namen Hänge-Birke eingetragen hat.

Die Blätter sind dreieckig bis rautenförmig, fein gezähnt und im Herbst gelb gefärbt. Die Blüten erscheinen in Form von Kätzchen.

Die Birke wächst bevorzugt auf sonnigen Standorten und ist eine typische Pionierpflanze. Die Abgrenzung einzelner Birkenarten ist botanisch anspruchsvoll; die Gattung Betula gilt als taxonomisch komplex.

Inhaltsstoffe

Flavonoide
Der bestimmende Bestandteil des Birkenblattes. Das Europäische Arzneibuch fordert mindestens 1,5 Prozent Flavonoide, berechnet als Hyperosid. Tatsächlich gemessen werden im Blatt 1 bis 3,5 Prozent Flavonolglykoside, überwiegend Hyperosid und weitere Quercetin-Glykoside, daneben Glykoside von Kämpferol und Myricetin. Junge Blätter weisen höhere Flavonoidgehalte auf als ältere. Neben den Flavonoidglykosiden im Blattinneren finden sich auf der Blattoberfläche Flavonoid-Aglykone, die bei manchen Birkenarten einen erheblichen Anteil des Blatttrockengewichts ausmachen können und in der Chemotaxonomie zur Artunterscheidung genutzt werden.

Gerbstoffe und phenolische Verbindungen
Weitere Bestandteile des Blattes; der Gerbstoffanteil wird in der Fachliteratur mit etwa 5 bis 9 Prozent angegeben. Hinzu kommen polymere Proanthocyanidine sowie Phenolsäuren wie Kaffee- und Chlorogensäure.

Triterpene
Charakteristisch für die Rinde ist das Betulin. Blatt und Rinde unterscheiden sich in ihrem Triterpenprofil deutlich voneinander; im Blatt finden sich unter anderem Triterpenalkohole und Ester vom Dammaran-Typ.

Ätherisches Öl
Nur in geringer Menge, etwa 0,05 bis 0,1 Prozent, überwiegend aus Sesquiterpenoxiden.

Mengenelemente
Auffällig ist das Verhältnis von Kalium zu Natrium: Getrocknete Birkenblätter enthalten Kalium in deutlich höherer Konzentration als Natrium.

Die Zusammensetzung schwankt je nach Art, Unterart, Standort und Erntezeitpunkt erheblich.

Wissenschaftliche Einordnung

Mensch
Für den Menschen liegen Untersuchungen zur Zusammensetzung von Betula pendula vor, insbesondere zu Flavonoiden und phenolischen Verbindungen. Die zuständige europäische Fachkommission hat die verfügbaren Daten zum Birkenblatt in einem eigenen Bewertungsbericht zusammengefasst, der sich vor allem auf wässrige und wässrig-alkoholische Zubereitungen sowie Tee stützt. Diese Angaben dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Einordnung.

Pferd
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Birkenblättern beim Pferd wurden nicht gefunden.

Hund
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Birkenblättern beim Hund wurden nicht gefunden. Der Bewertungsbericht der Europäischen Arzneimittel-Agentur referiert allerdings eine ältere experimentelle Arbeit aus dem Jahr 1960, in der Hunden gepulverte Birkenblätter oral verabreicht wurden; gemessen wurde die ausgeschiedene Harnmenge. Die Arbeit stammt aus einer Zeit vor heutigen Studienstandards und lässt keine Rückschlüsse auf die Fütterungspraxis zu.

Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Birkenblättern bei der Katze wurden nicht gefunden.

Modellorganismen
Experimentelle Arbeiten wurden überwiegend an Ratten und in Zellsystemen durchgeführt, unter anderem zu antioxidativen Eigenschaften von Blattextrakten. Diese Ergebnisse sind nicht direkt auf Pferd, Hund oder Katze übertragbar.

Grundsätzlich gilt, dass Erkenntnisse aus Humanstudien und experimentellen Modellen nicht unmittelbar auf Tiere übertragen werden können.

Traditionelle Nutzung

Die Birke hat eine lange Tradition in der europäischen Pflanzenkunde. Blätter, Rinde und Birkensaft wurden historisch beschrieben und in unterschiedlichen Zusammenhängen genutzt; Birkenblätter sind in europäischen Arzneibüchern und Kräuterwerken über Jahrhunderte dokumentiert.

Diese Nutzung bezieht sich auf die Anwendung beim Menschen, basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.

Wissenschaftliche Literatur

Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Assessment report on Betula pendula Roth and/or Betula pubescens Ehrh. as well as hybrids of both species, folium (EMA/HMPC/573240/2014)
European Medicines Agency. 2015
www.ema.europa.eu

Lahtinen M, Lempa K, Salminen JP, Pihlaja K
HPLC analysis of leaf surface flavonoids for the preliminary classification of birch species
Phytochemical Analysis. 2006
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16749428/

Rastogi S, Pandey MM, Rawat AKS
Medicinal plants of the genus Betula – Traditional uses and a phytochemical-pharmacological review
Journal of Ethnopharmacology. 2015
www.sciencedirect.com

Penkov D, Andonova V, Delev D, Kostadinov I, Kassarova M
Antioxidant Activity of Dry Birch (Betula pendula) Leaves Extract
Folia Medica. 2018
https://doi.org/10.2478/folmed-2018-0035