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Baldrianwurzel (Valeriana officinalis) – Pflanzenkunde, Inhaltsstoffe & Einordnung für Pferd, Hund und Katze

Kurze Zusammenfassung

Baldrianwurzel (Valeriana officinalis) ist eine mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae), deren Wurzel seit Jahrhunderten in der europäischen Pflanzenkunde beschrieben wird.

Die Pflanze wächst in weiten Teilen Europas und Asiens und ist besonders für ihre charakteristisch riechende Wurzel bekannt. In der traditionellen Kräuterkunde wird vor allem die getrocknete Wurzel verwendet.

Baldrian enthält eine Vielzahl sekundärer Pflanzenstoffe, darunter Valerensäuren, ätherische Öle, Flavonoide und Iridoidverbindungen. Diese Inhaltsstoffe wurden in zahlreichen pharmakologischen Untersuchungen analysiert.

Während im Humanbereich eine umfangreiche Forschung existiert, ist die Datenlage bei Pferd, Hund und Katze sehr dünn. Humanstudien können daher nur als wissenschaftlicher Kontext dienen.

Für Halter von Turnierpferden ist zusätzlich die Einstufung nach den Anti-Doping-Bestimmungen von Bedeutung. Der entsprechende Abschnitt findet sich weiter unten.

Fachliche Einordnung

Diese Pflanze wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Gründerin und Tierheilpraktikerin Nehls für unsere Kräutermischungen ausgewählt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.

Baldrian gehört zu den bekanntesten Pflanzen der europäischen Kräutertradition. Bereits in historischen Kräuterbüchern des Mittelalters wird die Pflanze beschrieben. Besonders die Wurzel fand früh Eingang in pflanzenkundliche Sammlungen und Klostergärten.

Aus botanischer Sicht ist Baldrian eine typische Feuchtwiesenpflanze. Sie wächst bevorzugt an Bachufern, in lichten Wäldern oder auf feuchten Wiesen.

In der modernen Forschung steht vor allem die chemische Zusammensetzung der Baldrianwurzel im Mittelpunkt. Die vorliegenden Untersuchungen stammen überwiegend aus dem Humanbereich oder aus experimentellen Modellstudien. Sie liefern Hinweise auf mögliche biologische Mechanismen, stellen jedoch keinen Wirknachweis für Tiere dar.

FAQ

Was ist Baldrian?
Baldrian (Valeriana officinalis) ist eine mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Geißblattgewächse. Besonders bekannt ist die Wurzel der Pflanze, die in der traditionellen Pflanzenkunde beschrieben wird.

Welche Inhaltsstoffe enthält Baldrian?
Baldrianwurzel enthält Valerensäuren, ätherische Öle, Flavonoide, Valepotriate und Lignane sowie weitere pflanzliche Begleitstoffe.

Wo wächst Baldrian?
Baldrian wächst vor allem in Europa und Teilen Asiens. Die Pflanze bevorzugt feuchte Standorte wie Bachufer, Wiesen oder Waldränder.

Was ist bei Turnierpferden zu beachten?
Baldrian gehört zu den Pflanzen, die in den Anti-Doping-Bestimmungen des Turniersports geführt werden. Einzelheiten im entsprechenden Abschnitt.

Warum gibt es mehr Humanstudien als Tierstudien?
Die Forschung konzentriert sich überwiegend auf den Menschen und experimentelle Modelle. Kontrollierte Studien zur Fütterung von Baldrianwurzel bei Pferd, Hund und Katze wurden nicht gefunden.

Botanische Beschreibung

Baldrian (Valeriana officinalis) ist eine ausdauernde, mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae).

Die Pflanze kann Höhen von etwa einem bis eineinhalb Metern erreichen. Der aufrechte Stängel trägt gefiederte, gegenständig angeordnete Blätter. Diese sind länglich und besitzen meist mehrere schmale Teilblätter.

Die Blütezeit liegt typischerweise zwischen Mai und Juli. Die Blüten erscheinen in dichten, schirmartigen Blütenständen und sind meist weiß oder zart rosafarben.

Besonders charakteristisch ist die Wurzel der Pflanze. Sie besitzt einen intensiven, aromatischen Geruch und enthält die höchste Konzentration der typischen Baldrian-Inhaltsstoffe. Der charakteristische Geruch entsteht überwiegend erst beim Trocknen der Wurzel.

Inhaltsstoffe

Valerensäuren
Sesquiterpensäuren, die zu den charakteristischen Inhaltsstoffen von Valeriana officinalis zählen. Sie dienen in Arzneibüchern als Leitsubstanz für die Qualitätsprüfung der Droge und sind der am besten untersuchte Bestandteil.

Valepotriate
Iridoidverbindungen, die vor allem in frischem Wurzelmaterial vorkommen. Sie sind chemisch instabil und bauen sich bei Trocknung und Lagerung weitgehend ab.

Ätherisches Öl
Prägt den typischen Geruch der Wurzel. Der Gehalt schwankt je nach Herkunft, Erntezeitpunkt und Trocknung erheblich.

Flavonoide
Pflanzliche Begleitstoffe, die in vielen Kräutern vorkommen.

Lignane
Sekundäre Pflanzenstoffe, die ebenfalls in Baldrianwurzel nachgewiesen wurden.

Die Zusammensetzung von Baldrianzubereitungen unterscheidet sich je nach Herkunft, Erntezeitpunkt und Verarbeitungsverfahren deutlich. Das erschwert den Vergleich verschiedener Untersuchungen untereinander.

Wissenschaftliche Einordnung

Mensch
Für den Menschen liegt die mit Abstand umfangreichste Datenlage vor. Ein Schwerpunkt der Forschung liegt auf möglichen Wechselwirkungen mit dem GABA-System, einem Signalsystem des Nervensystems. Die zuständige europäische Fachkommission hat die verfügbaren Daten in einem eigenen Bewertungsbericht zusammengefasst. Diese Angaben beziehen sich ausschließlich auf den Menschen und stellen keinen Wirknachweis für Tiere dar.

Pferd
Kontrollierte Studien zur oralen Anwendung von Baldrianwurzel beim Pferd wurden nicht gefunden. In ethnoveterinärmedizinischen Übersichtsarbeiten wird die Pflanze gelegentlich erwähnt; diese beschreiben traditionelle Anwendungen und liefern keine Wirksamkeitsnachweise.

Hund
Kontrollierte Studien zur oralen Anwendung von Baldrianwurzel beim Hund wurden nicht gefunden.

Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien bei der Katze wurden nicht gefunden. In der experimentellen Literatur existiert eine gefäßpharmakologische Untersuchung an narkotisierten Katzen, in der ein Baldrianwurzel-Extrakt direkt in das Lungengefäßsystem eingebracht wurde. Diese Arbeit beschreibt einen Laborversuch am Gefäßsystem und lässt keine Rückschlüsse auf eine Fütterung zu.

Praktisch bekannter ist bei Katzen die Reaktion auf den Geruch der Wurzel: Viele Tiere zeigen ein auffälliges Spiel- und Wälzverhalten, ähnlich wie bei Katzenminze. Diese Duftreaktion ist von einer beruhigenden Wirkung klar zu unterscheiden.

Modellorganismen
Ein großer Teil der experimentellen Forschung wurde an Ratten und Mäusen durchgeführt, unter anderem zu Verhaltensparametern und zur Rolle der Valerensäure. Diese Studien liefern Hinweise auf mögliche biologische Mechanismen, sind jedoch nicht direkt auf Haus- oder Nutztiere übertragbar.

Einordnung für den Turniersport

Baldrian zählt zu den Pflanzen, die in den Anti-Doping- und Medikamentenkontrollbestimmungen des Pferdesports geführt werden. Halter, die ihr Pferd auf Turnieren vorstellen, sollten das vor der Fütterung baldrianhaltiger Mischungen berücksichtigen.

Hintergründe und die vollständige Pflanzenübersicht: ADMR und FEI – Karenzzeiten im Turniersport. Die Verantwortung vor einem Turnierstart liegt beim Halter.

Traditionelle Nutzung

In der europäischen Pflanzenkunde wird Baldrian seit Jahrhunderten beschrieben. Historische Kräuterbücher erwähnen die Pflanze häufig; besonders in Klostergärten wurde sie über lange Zeit kultiviert.

Traditionell wurde die Wurzel in verschiedenen Zubereitungsformen beschrieben, darunter Tees, Tinkturen oder Pulver.

Diese Nutzung bezieht sich auf die Anwendung beim Menschen, basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.

Wissenschaftliche Literatur

Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Assessment report on Valeriana officinalis L., radix and Valeriana officinalis L., aetheroleum
European Medicines Agency
www.ema.europa.eu

Murphy K, Kubin ZJ, Shepherd JN, Ettinger RH
Valeriana officinalis root extracts have potent anxiolytic effects in laboratory rats
Phytomedicine. 2010
https://doi.org/10.1016/j.phymed.2009.10.020

Fields AM, Richards TA, Felton JA, Felton SK, Bayer EZ, Ibrahim IN, Kaye AD
Analysis of responses to valerian root extract in the feline pulmonary vascular bed
The Journal of Alternative and Complementary Medicine. 2003
https://doi.org/10.1089/107555303771952253