Kurze Zusammenfassung
Die Artischocke (Cynara scolymus) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und ist eine mehrjährige Kulturpflanze, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt. Bekannt ist sie vor allem als Gemüse, doch auch in der Pflanzenkunde wird sie seit langer Zeit beschrieben. Besonders die Blätter enthalten eine Vielzahl pflanzlicher Inhaltsstoffe, die in wissenschaftlichen Untersuchungen Beachtung finden.
Botanisch handelt es sich bei der Artischocke um eine Distelart. Die Pflanze zeichnet sich durch ihre großen, silbrig-grünen Blätter und ihre markanten Blütenstände aus. Die essbaren Blütenknospen werden in vielen Regionen der Welt als Gemüse geschätzt.
In der Pflanzenchemie wurden in den Blättern der Artischocke insbesondere Phenolsäuren, Sesquiterpenlactone und Flavonoide beschrieben. Diese Inhaltsstoffe sind Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen zur chemischen Zusammensetzung der Pflanze.
Fachliche Einordnung
Diese Pflanze wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Gründerin und Tierheilpraktikerin Nehls für unsere Kräutermischungen ausgewählt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.
Die Artischocke gehört zu den traditionsreichen Kulturpflanzen des Mittelmeerraumes. Bereits von den Ägyptern, Griechen und Römern wurde sie als Nahrungs- und Kulturpflanze genutzt. Im Mittelpunkt der pflanzenkundlichen Betrachtung stehen die Grundblätter, die im Europäischen Arzneibuch als eigene Droge (Cynarae folium) geführt werden.
In der botanischen Systematik gehört die Artischocke zur Familie der Korbblütler. Diese Pflanzenfamilie umfasst eine Vielzahl bekannter Arten, darunter auch Kamille und Löwenzahn. Innerhalb dieser Familie sind Kreuzempfindlichkeiten bekannt: Wer auf eine Korbblütler-Art empfindlich reagiert, kann dies auch auf verwandte Arten tun.
FAQ: Artischocke
Was ist eine Artischocke?
Die Artischocke (Cynara scolymus) ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Korbblütler. Sie wird vor allem wegen ihrer großen Blütenknospen kultiviert, die als Gemüse genutzt werden.
Welche Inhaltsstoffe enthält die Artischocke?
Die Blätter enthalten Phenolsäuren wie Chlorogensäure und Cynarin, bittere Sesquiterpenlactone wie Cynaropikrin, Flavonoide wie Luteolin-Glykoside, Phytosterole sowie Inulin.
Wo stammt die Artischocke ursprünglich her?
Die Artischocke stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und wird heute in vielen warmen Regionen der Welt angebaut.
Gibt es Studien zur Artischocke bei Tieren?
Die Datenlage ist deutlich dünner als beim Menschen. Für das Pferd existiert eine kleine klinische Untersuchung, für Hund und Katze liegt eine tiermedizinische Übersichtsarbeit vor.
Botanische Beschreibung
Die Artischocke (Cynara scolymus) ist eine mehrjährige Distelpflanze, die eine Wuchshöhe von etwa 1,5 bis 2 Metern erreicht. Sie bildet große, tief eingeschnittene Blätter mit einer silbrig-grünen Oberfläche; die einzelnen Blätter werden 50 bis 80 Zentimeter lang.
Die charakteristischen Blütenknospen entwickeln sich an kräftigen Stängeln und erreichen einen Durchmesser von etwa 8 bis 15 Zentimetern. Der essbare Teil besteht vor allem aus den fleischigen unteren Abschnitten der Hüllblätter und dem Blütenboden. Wenn die Knospen nicht geerntet werden, öffnen sie sich zu großen violetten Blütenständen.
Die Pflanze bevorzugt warme, sonnige Standorte und nährstoffreiche Böden. Hauptanbaugebiete liegen im Mittelmeerraum, daneben in Nordafrika sowie in Teilen Nord- und Südamerikas.
Botanisch ist anzumerken, dass Artischocke und Kardone nach neuerer Systematik als zwei Kulturformen derselben Art gelten. Das Europäische Arzneibuch führt die Droge weiterhin unter dem Namen Cynara scolymus.
Inhaltsstoffe der Pflanze
Die Artischocke enthält eine Vielzahl pflanzlicher Inhaltsstoffe, die Gegenstand botanischer und phytochemischer Untersuchungen sind.
Phenolsäuren
Bis zu zwei Prozent des Blattes. Dazu zählen Chlorogensäure, Cynarin und Kaffeesäure. Das Europäische Arzneibuch fordert für die Droge einen Mindestgehalt von 0,8 Prozent Chlorogensäure.
Sesquiterpenlactone
Etwa 0,4 Prozent, davon 47 bis 83 Prozent Cynaropikrin. Diese Stoffgruppe prägt den bitteren Geschmack. Der höchste Gehalt findet sich in jungen Blättern; Wurzel, reife Früchte und Blüten sind frei von Cynaropikrin.
Flavonoide
Etwa 0,1 bis 2 Prozent, überwiegend Luteolin-Glykoside wie Scolymosid und Cynarosid, daneben Apigenin-Glykoside.
Phytosterole
Unter anderem Taraxasterol.
Inulin
Ein pflanzlicher Ballaststoff aus der Gruppe der Fructane.
Ätherisches Öl
In geringer Menge, überwiegend Sesquiterpene wie beta-Selinen und Caryophyllen.
Wissenschaftliche Einordnung
Mensch
Für den Menschen liegt die umfangreichste Datenlage vor. Untersucht wurden unter anderem die Zusammensetzung der Blätter, die Aufnahme und Umwandlung der Inhaltsstoffe im Körper sowie eine Reihe klinischer Fragestellungen. Studien zur Aufnahme zeigen, dass die ursprünglichen Inhaltsstoffe im Blut nicht nachweisbar sind; gefunden werden ausschließlich Umbauprodukte wie Kaffeesäure, Ferulasäure und deren Konjugate.
Pferd
Für das Pferd existiert eine kleine klinische Untersuchung an zehn Tieren, in der eine Kombination aus Artischocke und Mariendistel im Zusammenhang mit einer belastenden Medikation gegeben wurde. Aufgrund der geringen Tierzahl und des speziellen Studiendesigns sind die Ergebnisse nicht verallgemeinerbar. Fütterungsstudien zur Artischocke als Rationsbestandteil beim gesunden Pferd wurden nicht gefunden.
Hund
Für Hunde existiert eine tiermedizinische Übersichtsarbeit, die die verfügbare Evidenz zu Artischocke und weiteren Pflanzen im Bereich der Ergänzungsfütterung zusammenfasst. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass insgesamt nur wenige wissenschaftliche Arbeiten vorliegen und weitere Untersuchungen erforderlich wären.
Katze
Für Katzen gilt dieselbe Übersichtsarbeit. Eigenständige Studien zur Artischocke bei dieser Tierart wurden nicht gefunden.
Modellorganismen
Der überwiegende Teil der experimentellen Arbeiten wurde an Ratten und Mäusen sowie in Zellkulturen durchgeführt. Diese Ergebnisse sind nicht direkt auf Pferd, Hund oder Katze übertragbar.
Erkenntnisse aus Humanstudien lassen sich nicht unmittelbar auf Tiere übertragen. Sie dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Einordnung.
Einordnung: Verträglichkeit
Die europäische Zulassungsdokumentation beschreibt Zubereitungen aus Artischockenblättern beim Menschen insgesamt als gut verträglich; berichtete unerwünschte Wirkungen waren überwiegend leichte Magen-Darm-Beschwerden.
Zwei Punkte werden dort ausdrücklich genannt: eine bekannte Empfindlichkeit gegenüber Artischocke oder anderen Korbblütlern sowie ein Verschluss der Gallenwege. Diese Angaben beziehen sich auf den Menschen. Für Pferd, Hund und Katze liegen keine entsprechenden Bewertungen vor.
Traditionelle Nutzung der Pflanze
Die Artischocke hat eine lange Kulturgeschichte. Bereits im Altertum wurde sie im Mittelmeerraum als Nahrungs- und Nutzpflanze geschätzt. Die Kultivierung in Europa reicht bis in die griechische und römische Antike zurück; um die Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Gemüseartischocke in Neapel angebaut und verbreitete sich von dort nach Frankreich und England.
Heute ist die Artischocke vor allem als Gemüse bekannt. Ihre Blütenknospen werden in zahlreichen Küchen der Welt zubereitet. Ein Blätterauszug wird zudem traditionell zur Herstellung von Bitterlikören verwendet.
Diese Nutzung basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.
Wissenschaftliche Literatur zu Artischocke
Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Assessment report on Cynara scolymus L., folium (EMA/HMPC/150209/2009)
European Medicines Agency. 2010
www.ema.europa.eu
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Plant Foods for Human Nutrition. 2015
https://doi.org/10.1007/s11130-015-0503-8
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Chemical Profiling and Evaluation of Antioxidant Activity of Artichoke (Cynara cardunculus var. scolymus) Leaf By-Products' Extracts Obtained with Green Extraction Techniques
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https://doi.org/10.3390/molecules29204816
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https://doi.org/10.1136/vetreco-2020-000416
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Evidences on Molecules Most Frequently Included in Canine and Feline Complementary Feed to Support Liver Function
Veterinary Medicine International. 2020
https://doi.org/10.1155/2020/9185759
