Kurze Zusammenfassung
Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) ist eine in Europa weit verbreitete Pflanze aus der Familie der Schachtelhalmgewächse (Equisetaceae). Er wächst bevorzugt auf feuchten Böden, Wiesen und an Feldrändern und gehört zu einer der ältesten noch existierenden Pflanzengattungen der Erde.
Im Zusammenhang mit der Fütterung von Pferden, Hunden und Katzen wird Ackerschachtelhalm vor allem aufgrund seiner mineralischen Bestandteile sowie sekundären Pflanzenstoffe betrachtet. Dazu zählen insbesondere Kieselsäureverbindungen und Flavonoide.
Die wissenschaftliche Literatur beschäftigt sich überwiegend mit diesen Bestandteilen im humanmedizinischen und experimentellen Kontext. Humanstudien dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Einordnung und sind nicht direkt auf Tiere übertragbar.
Fachliche Einordnung
Diese Pflanze wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Tierärztin Katrin Knecht für unsere Kräutermischung ausgewählt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.
Botanisch gehört Equisetum arvense zu einer sehr ursprünglichen Pflanzengruppe. Die Gattung Equisetum gilt als möglicherweise älteste nicht ausgestorbene Pflanzengattung überhaupt und umfasst rund 30 bekannte Arten.
Die wissenschaftliche Einordnung konzentriert sich auf die Inhaltsstoffe der oberirdischen Pflanzenteile sowie deren Einbettung in pflanzenbiologische und ernährungsphysiologische Zusammenhänge.
Ackerschachtelhalm wird als komplexe pflanzliche Matrix betrachtet, deren Eigenschaften sich aus dem Zusammenspiel mineralischer und organischer Bestandteile ergeben.
FAQ
Was ist Ackerschachtelhalm?
Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Equisetaceae.
Welche Inhaltsstoffe enthält Ackerschachtelhalm?
Die Pflanze enthält Kieselsäureverbindungen, Flavonoide sowie geringe Mengen an Alkaloiden.
Welche Pflanzenteile werden verwendet?
Verwendet werden die sterilen oberirdischen Pflanzenteile.
Warum gibt es mehr Humanstudien als Tierstudien?
Die wissenschaftliche Forschung konzentriert sich überwiegend auf den Menschen und experimentelle Modelle. Kontrollierte Studien zur Fütterung von Ackerschachtelhalm bei Pferd, Hund und Katze liegen nicht vor.
Botanische Beschreibung
Ackerschachtelhalm ist eine mehrjährige, krautige Pflanze aus der Familie der Schachtelhalmgewächse (Equisetaceae).
Die Pflanze ist in den gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel verbreitet – in Europa, Asien und Nordamerika – und wächst bevorzugt auf feuchten, lehmigen Böden. Sie tritt häufig auf Wiesen, Feldern und an Wegrändern auf.
Eine botanische Besonderheit ist die Unterscheidung zwischen fertilen und sterilen Trieben. Die fertilen, sporentragenden Sprosse erscheinen im Frühjahr, sind hellbraun bis weißlich und ohne Chlorophyll; sie erreichen etwa 5 bis 20 Zentimeter. Die anschließend erscheinenden sterilen, grünen Sprosse werden etwa 5 bis 50 Zentimeter hoch und tragen quirlförmig angeordnete Seitenäste.
Die grünen sterilen Triebe stellen den zentralen pflanzlichen Bestandteil für die wissenschaftliche Betrachtung dar. Das Europäische Arzneibuch definiert die Droge ausdrücklich als die ganzen oder geschnittenen, getrockneten sterilen oberirdischen Teile von Equisetum arvense.
Inhaltsstoffe
Ackerschachtelhalm enthält eine Vielzahl an Inhaltsstoffen, die in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben werden.
Ein zentraler Bestandteil ist Kieselsäure beziehungsweise sind Silikate, mit einem Anteil von etwa 5 bis 7,7 Prozent, von dem rund ein Zehntel wasserlöslich ist. Daneben werden Aluminiumchlorid, Kaliumchlorid und Mangan beschrieben.
Die Pflanze enthält Flavonoide, überwiegend Kämpferol- und Quercetin-Glykoside. Das Europäische Arzneibuch fordert einen Mindestgehalt von 0,3 Prozent Gesamtflavonoiden. Bemerkenswert ist, dass offenbar zwei Chemotypen existieren: Asiatische und nordamerikanische Varietäten enthalten Luteolin-5-Glykosid, das europäischen Pflanzen fehlt.
Beschrieben werden ferner geringe Mengen an Alkaloiden, darunter Nicotin und 3-Methoxypyridin.
Die wissenschaftliche Einordnung versteht Ackerschachtelhalm als komplexe pflanzliche Matrix, deren Eigenschaften sich aus dem Zusammenspiel dieser Inhaltsstoffe ergeben.
Wissenschaftliche Einordnung
Mensch
Für den Menschen existieren Studien zu Equisetum arvense, insbesondere im Zusammenhang mit Inhaltsstoffen und deren biochemischer Einordnung. Diese Untersuchungen dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Kontextualisierung.
Pferd
Kontrollierte Fütterungsstudien zum Nutzen von Ackerschachtelhalm beim Pferd liegen nicht vor. Es existiert jedoch eine veterinärtoxikologische Literatur: Ackerschachtelhalm enthält das Enzym Thiaminase, das Vitamin B1 abbaut. Vergiftungsfälle bei Pferden nach Aufnahme großer Mengen über längere Zeiträume – insbesondere über Equisetum-haltiges Heu – sind seit den 1950er-Jahren dokumentiert. Thiaminase ist hitzelabil und wird bei 80 °C vollständig inaktiviert; in wässrigen Trockenextrakten und ethanolischen Auszügen ist keine Thiaminase-Aktivität nachweisbar.
Hund
Kontrollierte Studien zu Equisetum arvense beim Hund liegen nicht vor.
Katze
Kontrollierte Studien zu Equisetum arvense bei der Katze liegen nicht vor.
Modellorganismen
In experimentellen Studien an Nagern und in Zellkulturen werden Bestandteile des Ackerschachtelhalms untersucht. Diese Ergebnisse sind nicht direkt auf Tiere in der Fütterungspraxis übertragbar.
Verwechslung und Qualitätssicherung
Eine Verwechslung mit anderen Equisetum-Arten ist möglich, insbesondere mit dem Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre), der das Alkaloid Palustrin enthält und als deutlich toxischer gilt. Das Europäische Arzneibuch schreibt aus diesem Grund einen dünnschichtchromatographischen Test vor, der die Abwesenheit von Equisetum palustre nachweisen muss. Die Europäische Arzneimittel-Agentur weist ausdrücklich darauf hin, dass Verwechslungen vor allem bei Sammlung durch nicht qualifizierte Personen auftreten können.
Traditionelle Nutzung
Ackerschachtelhalm hat eine lange Tradition in der europäischen Pflanzenkunde. Er wird seit dem 16. Jahrhundert in phytotherapeutischen Werken erwähnt, geriet nach dem 18. Jahrhundert weitgehend in Vergessenheit und wurde im 19. Jahrhundert durch Sebastian Kneipp wieder in die Pflanzenheilkunde eingeführt.
Diese traditionelle Nutzung basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar. Sie bezieht sich auf die Anwendung beim Menschen und ist nicht auf Tiere übertragbar.
Wissenschaftliche Literatur
Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Assessment report on Equisetum arvense L., herba (EMA/HMPC/278089/2015)
European Medicines Agency. 2016
www.ema.europa.eu
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Phytochemistry and Pharmacology of the Genus Equisetum (Equisetaceae): A Narrative Review of the Species with Therapeutic Potential for Kidney Diseases
Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine. 2021
https://doi.org/10.1155/2021/6658434
Ibi A, Du M, Beuerle T, Melchert D, Solnier J, Chang C
A Multi-Pronged Technique for Identifying Equisetum palustre and Equisetum arvense – Combining HPTLC, HPLC-ESI-MS/MS and Optimized DNA Barcoding Techniques
Plants. 2022
https://doi.org/10.3390/plants11192562
Cortinovis C, Caloni F
Alkaloid-Containing Plants Poisonous to Cattle and Horses in Europe
Toxins. 2015
https://doi.org/10.3390/toxins7124884
Ontario Ministry of Agriculture, Food and Agribusiness
Toxicity of Equisetum to Horses
Government of Ontario. 2007
www.ontario.ca
Info Flora – Nationales Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora
Equisetum arvense L. – Botanische Artbeschreibung
www.infoflora.ch
